Tuesday, December 26, 2006
Lambchop, Nachtmix-Mitschnitt (B2, Zündfunk) vom 20.11.06, Elserhalle München
Ich kenne wunderbar perfekte Songs von Kurt Wagner auf Lambchop-CDs veröffentlicht, die ich nicht missen möchte. Daß es allerdings für mich nicht weiter ein Problem ist kürzlich das Konzert verpaßt zu haben weiß ich seit dem Hören des Mitschnitts. Die Streicher tragen so dick auf, daß es einfach zuviel des Guten ist. Wagner kann im Einzelfall ein kurzes Thema auch mit Streicher-Arrangements auf oberstes Niveau bringen, hat allerdings live so ein Ensemble einen ganzen Abend lang nicht soweit im Griff. Und wirkt auf einmal merkwürdigerweise durchschnittlich konventionell.
website des Radioprogramms:
www.br-online.de/kultur-szene/sendungen/nachtmix
Ich kenne wunderbar perfekte Songs von Kurt Wagner auf Lambchop-CDs veröffentlicht, die ich nicht missen möchte. Daß es allerdings für mich nicht weiter ein Problem ist kürzlich das Konzert verpaßt zu haben weiß ich seit dem Hören des Mitschnitts. Die Streicher tragen so dick auf, daß es einfach zuviel des Guten ist. Wagner kann im Einzelfall ein kurzes Thema auch mit Streicher-Arrangements auf oberstes Niveau bringen, hat allerdings live so ein Ensemble einen ganzen Abend lang nicht soweit im Griff. Und wirkt auf einmal merkwürdigerweise durchschnittlich konventionell.
website des Radioprogramms:
www.br-online.de/kultur-szene/sendungen/nachtmix
Monday, December 25, 2006



"Leviathan Thot" von Ernesto Neto, Festival d'Automne, Panthéon, Paris
(Fotos: Tina Karolina Stauner, 2006)
Man ist also allseits auf Winterreise. Spätestens seit Schubert. Ich fuhr kürzlich nach Paris.
Wie offen und interessiert ich dort auf die Installation "Leviathan Thot" zuging wundert mich im Nachhinein, denn ich stehe grundsätzlich Installationen erst mal mit Skepsis gegenüber.
"Leviathan Thot", von dem Brasilianer Ernesto Neto geschaffen, spannt sich in weichen, gebogenen Formen aus Netzen aus Tüll und Lycra zwischen den geometrischen Linien des Steinbaus unter der Kuppel des von Ludwig XV in Auftrag gegebenen und im späten 18. Jahrhundert erbauten Panthéon. In den Netzen sind weiße Polysterolkugeln, teilweise Sand und Lavendel.
"Leviathan Thot", von dem Brasilianer Ernesto Neto geschaffen, spannt sich in weichen, gebogenen Formen aus Netzen aus Tüll und Lycra zwischen den geometrischen Linien des Steinbaus unter der Kuppel des von Ludwig XV in Auftrag gegebenen und im späten 18. Jahrhundert erbauten Panthéon. In den Netzen sind weiße Polysterolkugeln, teilweise Sand und Lavendel.
Im Raum des Panthéon hängt sonst nur in der Mitte ein foucaultsches Pendel.
Die Skulptur "Leviathan Thot" lebt der Information zufolge "von der Konfrontation des tierischen Wesens, des Lebens, der Art des Léviathan und einer stabilen Architektur, dem Symbol des Zusammenspiels von Kultur und Politik, welche durch das Gebäude und seine zahlreichen Denkschriften dargestellt wird." Und weiter: "'Léviathan Thot' ist ein anthropomorphes Werk. Von Leviathan, dem Ungeheuer aus dem Buch Hiob, hat es die Augen, das Gehirn, den Mund, das Herz und die Arme und Beine. Der Ägypthische Gott Thot wird mit Weisheit in Verbindung gebracht. Als Erfinder von Schrift und Sprache repräsentiert er die Kultur und kann sogar noch über andere Götter hinauswachsen."
Die Wirkung des Kunstwerks ist vordergründig imposant. Bei näherem Betrachten bin ich recht schnell wieder sogar mehr als nur skeptisch. So eine Installation ist für einen kurzen Zeitraum da. Zurecht, denke ich. Zeigt doch auch, daß Installationen im kulturellen Raum unwesentlich sein können.
Andererseits geht es um einen Denkansatz über die Kultur, speziell auch die heutige Kultur, der sich beim Betrachten ergeben kann. Vielleicht auch einfach nur um Erleben von Ästhetik. Dies kann beeindruckend sein, aber auch in Frage stellen oder selber in Frage stehen. Man muß ein enormes Maß an Schöpferkraft haben um mit einer inhaltlichen oder/und formalen Aussage in dieser Dimension bestehen zu können.
Die Wirkung des Kunstwerks ist vordergründig imposant. Bei näherem Betrachten bin ich recht schnell wieder sogar mehr als nur skeptisch. So eine Installation ist für einen kurzen Zeitraum da. Zurecht, denke ich. Zeigt doch auch, daß Installationen im kulturellen Raum unwesentlich sein können.
Andererseits geht es um einen Denkansatz über die Kultur, speziell auch die heutige Kultur, der sich beim Betrachten ergeben kann. Vielleicht auch einfach nur um Erleben von Ästhetik. Dies kann beeindruckend sein, aber auch in Frage stellen oder selber in Frage stehen. Man muß ein enormes Maß an Schöpferkraft haben um mit einer inhaltlichen oder/und formalen Aussage in dieser Dimension bestehen zu können.
Kontext: www.festival-automne.com
Saturday, December 16, 2006
Monday, December 11, 2006
Puppen, Büsten, Statuen, Antiquitäten-Schaufenster in München
(Foto: Tina Karolina Stauner, 2006)
umfangreiches Portfolio: Puppen, Büsten, Statuen
Früher waren Puppen Kultobjekte und hatten magische und religiöse Bedeutung.
Die Geschichte des Puppen- und Figurentheaters begann 5000 - 1000 v.Chr. in Indien. Schriftlich dokumentiert wurde ab 11. Jahrhundert. Japanisches Puppentheater, genannt Bunraku, begann um das 16. Jahrhundert.
Magazin zum Thema Puppenspiel: www.puppenspiel-portal.eu
Deutsches Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst: www.fidena.de
Einer meiner ersten Berufspläne war Puppenmacherin. Ich fragte in einem kleinen Laden. Doch die Ausbildungsplätze waren rar. Und es wurde nichts daraus. Ich begann dann mit Theatermalerei: www.theatermalerei-stauner.blogspot.com
Thursday, December 07, 2006
Meditation... - Graffiti an der Mauer beim Muffatwerk München(Foto: Tina Karolina Stauner, 09/06)
Erinnerung an Meditation: Sich auf den Weg machen nach innerer Leere, in einen Zustand frei von Gedanken, das Gefühl von Eins-Sein mit dem Ganzen erleben. In Erleuchtung, Versenkung, Trance wie einfach ins Nachdenken. Neurologisch gesehen Veränderung der Hirnwellen. Im Zen nennt man das mystische Erfahrung. Ohne Lehre, ohne Geheimnis, ohne Antworten. Und einfach das Leben zu leben in seiner ganzen Fülle. Realistisch gesehen, heißt es, ist das Beschreiten des Zen-Weges jedoch eines der schwierigsten Dinge, die in einem menschlichen Leben unternommen werden können. Denn den Lernenden wird die Bereitschaft zur Aufgabe ihres selbstbezogenen Denkens und letztlich des Selbst abverlangt. Und Zen als Konzentration auf die alltäglichen Verrichtungen. Auf diese Weise kann sich die Erkenntnis der absoluten Realität einstellen.
Es gibt viel Theorie zum Thema. Hier Theorie zur Praxis:
www.zenmeditation.de
05.12.06 "Drei Schwestern" von Anton Tschechow, Regie und Bühne: Andreas Kriegenburg, Kostüme: Andrea Schraad, Musik: Laurent Simonetti - Kammerspiele, MünchenHysteriker, in Rußlands Provinz gestrandet, scheinen sich an der Grenze zum Wahn einzunisten. Eine Art Folkmusik hauptsächlich mit Akkordeon kontinuierlich im Hintergrund gespielt bringt das ganze Stück in eine tranceartige, somnambule Zwischenstimmung. In der die Bühnenfiguren samt Zuschauer, so sie sich darauf einlassen, ins Surreale driften. Wirkt ein riesiger blütenförmiger Deckenleuchter, bühnenraumbreit, im ersten Akt noch kitschig und störend auf mich in der schön sachlich-klaren Bühnenarchitektur in Weiß-, Beigetönen, so ist er im letzten Akt zum passend surrealistischen Dekor geworden, die ins sinnlose geratenden Handlungen überspannend. Handlungen, die regelrecht zu Stereotypien am Rande des Krankhaften werden. Alles wirkt wie auf einer anderen Bewußtseinsebene ausgeführt. In der die Schauspieler zeitweise große, weiße Masken tragen, die überdimensionale Köpfe machen mit riesigen Augenhöhlen und dunklen Augen. Ein surrealistisches Puppenspiel. Die kleine Schar, die sich da zusammengefunden hat, lebt beinahe wie in einer Welt für sich neben der Realität. Wären nur die Masken ohne die mehr oder weniger latent kitschige Dimension im Bühnenbild!
Im Programmheft Stellen aus Briefen Tschechows aus dem Jahr 1892 kommentierend dazu:
"Wer nichts will, auf nichts hofft und vor nichts Angst hat, der kann kein Künstler sein. Ob dies eine Krankheit ist oder nicht - es geht nicht um Bezeichnungen, sondern um das Eingeständnis der Lage." - "Wir haben weder Nah- noch Fernziele, unser Herz ist wie leergefegt." - "Man sollte ein Bad in Schwefelsäure nehmen, sich die Haut abziehen und sich ein neues Fell wachsen lassen..."
(Foto von www.muenchner-kammerspiele.de)
Sunday, December 03, 2006
06.12.06 Evan Parker in der Unterfahrt in München beim Konzert des Schlippenbach Trio(Foto: Tina Karolina Stauner)
06.12.06 Schlippenbach Trio, Unterfahrt, München
Nett, diese Freejazzer. - Tradition und Improvisation...Man spielt sich ein in den Improvisationsprozeß bis man auf hochenergetische Ebenen gelangt...Die Innovation in minimalen Details im Zusammenspiel. In der Interaktion ist Spielraum für Solo-, Duo- und Triophasen: Alexander von Schlippenbach am Klavier, das er während des Konzerts mit Gegenständen "präpariert", Evan Parker an Sopran- und Tenorsaxophon und Paul Lovens am Schlagzeug. Das Trio ist ein Klassiker der europäischen Improvisationszene. Besteht seit etwa 1970. Was mich am kontinuierlichen Mitverfolgen der Auftritte des Schlippenbach Trio interessiert erklärt sich durch folgende Aussagen: Der Posaunist und Komponist Vinko Globokar, der mit Aleatorik und Improvisation arbeitet und Avantgardetheoretiker ist, sagte einmal, beim freien Improvisieren interessiere ihn nur die erste Begegnung zwischen Musikern. Schon beim zweiten Zusammenspiel sei der Improvisationsprozeß nicht mehr frei und offen, sondern durch die gemeinsame Spielerfahrung belastet und eingeschränkt. Schlippenbach ist da anderer Ansicht. Im Gespräch mit dem Musikwissenschaftler und Musiker Peter Niklas Wilson sagte er: "Es bilden sich Klischees heraus, gewisse Dinge, die von der Erwartung her eintreffen mögen; man stellt sich darauf ein, und die Musik bekommt eine bestimmte Richtung. Wenn man es aber fertig bringt, durch solche Phasen hindurchzugehen und sich kritisch genug damit auseinandersetzt, dann kann man einen Schritt weiter kommen. Und dann kriegt die Musik plötzlich einen festen Boden unter den Füßen, der ihr sonst erstmal fehlt." So ist es auch beim Zuhören. - Das Zitat stammt von www.avschlippenbach.com - Die aktuelle CD heißt "Winterreise".
Friday, December 01, 2006
30.11.06 Hank Roberts, Jim Black, Marc Ducret - Unterfahrt, München
Vereinen Gegensätzliches von rohem Rock, traditionellen bis freien Jazzimprovisationen und feinen Kammermusikparts in ihrem Trio: duchsichtig dreiteilig: Hank Roberts mit einem oft in klassischer Musik klingendem Cello und manchmal versunken vor sich hinsummend und -singend, Jim Black in Extremen von hartem, sehr vordergründigem Rockrhythmus und leisen, zurückgenommen spielerischen Klängen und Marc Ducret an einer meist mehr als im Jazz der Rockmusik nahen und immer experimentellen E-Gitarre.
Erinnert sei an das Arcado String Trio mit Hank Roberts (späte 80er, frühe 90er Jahre). Erhältlich bei www.winterandwinter.com , die das JMT Label mit im Programm haben.
Und hier nebenbei einfach der Hinweis auf die aktuelle CD von Jim Black "Dogs of Great Indifference" (2006) mit seiner Formation AlasNoAxis.
Vereinen Gegensätzliches von rohem Rock, traditionellen bis freien Jazzimprovisationen und feinen Kammermusikparts in ihrem Trio: duchsichtig dreiteilig: Hank Roberts mit einem oft in klassischer Musik klingendem Cello und manchmal versunken vor sich hinsummend und -singend, Jim Black in Extremen von hartem, sehr vordergründigem Rockrhythmus und leisen, zurückgenommen spielerischen Klängen und Marc Ducret an einer meist mehr als im Jazz der Rockmusik nahen und immer experimentellen E-Gitarre.
Erinnert sei an das Arcado String Trio mit Hank Roberts (späte 80er, frühe 90er Jahre). Erhältlich bei www.winterandwinter.com , die das JMT Label mit im Programm haben.
Und hier nebenbei einfach der Hinweis auf die aktuelle CD von Jim Black "Dogs of Great Indifference" (2006) mit seiner Formation AlasNoAxis.
Tuesday, November 28, 2006
Ceramic Dog - Marc Ribot, Ches Smith, Shahzad IsmailyMarc Ribots neue New Yorker Band.
Die drei Musiker spielen jeweils auch in anderen Formationen. Derzeit ist Marc Ribot bei T-Bone Burnett wichtiger Faktor. Selber hat er noch die Band/das Projekt Spiritual Unity. Bei Ches Smith führt die Spur zu Ben Goldberg Quintet und Good For Cows. Shahzad Ismaily gehört zu 2 Foot Yard. Beide Musiker spielen bei The Night Porter. Doch die Aktivitäten der Ceramic Dog-Mitglieder sind noch sehr viel mehr in die Szene verzweigt. Und insbesondere Marc Ribot ist ja nicht nur New York-Spezialisten bekannt und ein Mann mit Vergangenheit.
Es gibt von Ceramic Dog noch keine CD. Sie touren seit einer Weile und ich hörte sie im Mai im Nightclub des Bayerischen Hof hier in München. Postrock aus Elementen von Punk, Funk, Psychedelik, Experimentellem, Improvisation, Minimalismus, Hardcorejazz bis Song. Marc Ribot hat das ganze Konzept unter seiner Kontrolle, gibt den Spielraum in dem Smith am Schlagzeug und Ismaily an Baß und Moog dem für sein markantes, grobkantiges Gitarrespiel bekannten Ribot tatsächlich gleichwertig sein können.
Es ist ein Weg aus Dekonstruktionslastigem vergangener Jahre in die regelrecht gegenteilige Dynamik zu gehen. Härte und Präzision, mehrere Ebenen, suggestive Rhythmustrukturen und -linien und schöne Melodieparts. Man gerät weit mit hinein in diese Shpären, wenn man die Band live erlebt. Marc Ribot betont auf seiner website: "Not a 'project': a real band." - Ja , gebündelte, konzentrierte Kraft und Energie.
- Marc Ribots website: www.marcribot.com
(Foto: Royal Festival Hall, London)
Sunday, November 26, 2006
25.11.06 "Majakowskis Tod", Dieter Schnebel, Musikalische Leitung: Ekkehard Klemm, Regie: Florentine Klepper, Bühne: Chalune Seiberth - Staatstheater Gärtnerplatz, MünchenKurze Notizen zum Unterschied der Leipziger Uraufführung und Inszenierung von Achim Freyer, die ich in den 90er Jahren besucht hatte, zur zweiten Produktion des Stücks in München:
Leipzig schrieb: "Wladimir Majakowski, 1893 in Georgien geboren, beendete sein Leben 1930 in Moskau durch einen Pistolenschuß ins Herz..."
München schreibt: "Wladimir Majakowski, geb. 1893, Futurist, Zeichner, Dichter und 'Trommler der Revolution', starb am 14. April 1930. Warum er sich umbrachte, oder ob er überhaupt freiwillig aus dem Leben schied, angesichts der Herrschaft Stalins - darauf gibt das gut einstündige Opernfragment von Dieter Schnebel keine eindeutigen Antworten..."
In Leipzig wurde die Oper mit dem vierten Teil "Totentanz" aufgeführt. Der mir besonders stark in Erinnerung blieb. Und war da nicht die pinkfarbene Tänzerin, die nach der Tänzerfigur des Tod kam?
In München ist der "Totentanz" nicht mit auf der Bühne. Das Stück endet nach drei Teilen mit einem ganz kurzen Nachspiel und einer schwarzen Fläche. In diesem Moment ist für mich der Schluß und der Blick ins Schwarze ohne den "Totentanz" irritierend abrupt. - Im Programmheft auf der letzten Seite eine Abbildung von "Schwarzes Quadrat" (1929) von Kasimir Malewitsch. Auf der Heftrückseite sind dann noch die Abschlußworte von "Totentanz" abgedruckt: "entschlafen ich - schlafen wir - Schlaf alle".
(Foto von www.staatstheater-am-gaertnerplatz.de)
Friday, November 24, 2006
23.11.06 Yo La Tengo, Muffathalle, München
Spätabends schaue ich noch beim Yo La Tengo-Konzert vorbei. Die letzten Nummern des Sets voll energiegeladenem Rhythmus ziehen direkt mit rein. Erst denke ich: Beinahe als wäre keine Zeit vergangen seit den frühen 90ern als ich die Band damals live hörte. Doch daß sie sich dann diesmal in den endlosen Zugaben einfach zerfasern läßt das Gegenteil spüren. Zu spät, daß die Schlagzeugerin Georgia Hubley zum Abschluß am Mikrofon steht und schön und etwas ironisch den Gene Clarksong "I tried so hard to please her" singt.
Spätabends schaue ich noch beim Yo La Tengo-Konzert vorbei. Die letzten Nummern des Sets voll energiegeladenem Rhythmus ziehen direkt mit rein. Erst denke ich: Beinahe als wäre keine Zeit vergangen seit den frühen 90ern als ich die Band damals live hörte. Doch daß sie sich dann diesmal in den endlosen Zugaben einfach zerfasern läßt das Gegenteil spüren. Zu spät, daß die Schlagzeugerin Georgia Hubley zum Abschluß am Mikrofon steht und schön und etwas ironisch den Gene Clarksong "I tried so hard to please her" singt.
Thursday, November 23, 2006
Jed Perl "New Art City", 2006
Heute endlich weite Teile von "New Art City" gelesen. Anders als im oberflächlichen Vortrag Jed Perls vor einigen Wochen dann im Buch Minutiöses, Details, Hintergrundinformationen. Für mich als gutem Kenner der New Yorker Malerszene der vergangenen 50 Jahre tauchen kaum oder noch nicht bekannte Nebenfiguren, Randexistenzen und weniger erfolgreiche Künstler auf, die im New Yorker Kosmos eine mitentscheidende Rolle spieleten. Ich kann anknüpfen an mir Vertrautes und gerate mitten hinein ins Leben der gesamten Kunstszene. Zusammenhänge, die ich für mich bisher grob skizziert hatte, werden bis in persönlichste Dialoge und engste Beziehungen deutlich. Es ist ein tieferes vordringen ins Manhatten und der dortigen bildendenen Kunst der Zeit von etwa 1950 an und der Entwicklung der Kunst und Kultur aus diesem Stadtkern, einem Zentrum weltweit, heraus. Schauplatz sind Ateliers, Galerien, Bars, Clubs, Straßen, Wohnungen, öffentliche Gebäude, auch Orte nahe der Stadt und das Buch führt in Szenen, die filmsequenzartig das gesamte soziale Netz, das die Maler entstehen ließen, zeigt und besonders auch die Verbindung zu Literatur und Philosophie.
Artikel von Jed Perl in The New Republic: http://www.newrepublic.com/authors/jed-perl
Heute endlich weite Teile von "New Art City" gelesen. Anders als im oberflächlichen Vortrag Jed Perls vor einigen Wochen dann im Buch Minutiöses, Details, Hintergrundinformationen. Für mich als gutem Kenner der New Yorker Malerszene der vergangenen 50 Jahre tauchen kaum oder noch nicht bekannte Nebenfiguren, Randexistenzen und weniger erfolgreiche Künstler auf, die im New Yorker Kosmos eine mitentscheidende Rolle spieleten. Ich kann anknüpfen an mir Vertrautes und gerate mitten hinein ins Leben der gesamten Kunstszene. Zusammenhänge, die ich für mich bisher grob skizziert hatte, werden bis in persönlichste Dialoge und engste Beziehungen deutlich. Es ist ein tieferes vordringen ins Manhatten und der dortigen bildendenen Kunst der Zeit von etwa 1950 an und der Entwicklung der Kunst und Kultur aus diesem Stadtkern, einem Zentrum weltweit, heraus. Schauplatz sind Ateliers, Galerien, Bars, Clubs, Straßen, Wohnungen, öffentliche Gebäude, auch Orte nahe der Stadt und das Buch führt in Szenen, die filmsequenzartig das gesamte soziale Netz, das die Maler entstehen ließen, zeigt und besonders auch die Verbindung zu Literatur und Philosophie.
Artikel von Jed Perl in The New Republic: http://www.newrepublic.com/authors/jed-perl
Thursday, November 09, 2006
Saturday, November 04, 2006
Pere Ubu, Nachtmix-Mitschnitt (Bayern2Radio, Zündfunk) vom 10.10.06, Feierwerk MünchenWenn überhaupt Pop- und Rockmusik dann uneingeschränkt Pere Ubu. Kraftvolle bis vorwärtstreibende schöne Songs. Man hört David Thomas Stimme an, wie er sich seiner Sache und der Stärke der Band sicherer ist denn je. Bestform. Selbst Uraltsongs der Band in der überarbeiteten Version in absolut den Zeitgeist mit reflektierender Qualität und gültig im aktuell zählenden Text- und Musikmaterial von David Thomas und Pere Ubu.
Ich hör das Konzert gerade nur im B2-Nachtmix-Livemitschnitt. Es ist dabei immerhin doch spürbar was die Band live vermitteln und übertragen kann... Radioprogramm:
www.br.de/radio/bayern2/index.html
www.ubuprojex.net
Tuesday, October 31, 2006
Theo Bleckmann, Anteroom, 2005
Als Coverbildgestaltung mehrere unterschiedliche Restauranträume, menschenleer, die Tische gedeckt für Gäste. Beim Ansehen der Bilder mit der Tischdekoration wirkt die Abwesenheit von Personen stark.
"Anteroom" heißt Warteraum, Vorraum: Bei dem tendenziell Ambient-Klangebilde "Anteroom", das Theo Bleckmann mit den Möglichkeiten seiner Stimme herstellt, bleibt offen, ob es in einen sakralen Raum, etwa für Mönche, paßt oder ob es so etwas wie die profane Stimmung eines verlassenen Bahnhofwartesaals suggerieren kann. Man kann sich auch plötzlich klar machen, daß eine Gesellschaft, die selbst wenn sie, wie auf dem Cover gezeigt, in Speiseräumen tafeln kann, nur im Wartesaal genannt Leben ist, für den Zeitraum, der jedem von uns bleibt. Man gerät in den Bereich in dem das Denken und Fühlen bei Meditation und Zen ist, wenn man dies will, aber gleichzeitig ist man gefährlich nahe an Terrain erschreckender Leere, Horror Vacui, Klaustrophobie bis Verzweiflung oder endloser Gleichgültigkeit. Im kurzen zweiten Stück der CD vielleicht auch einfach in einer nicht definierten Weite. Die Musik ist für Menschen, die sich in Grenzbereiche wagen und diese aushalten und ausloten. Für die Einzelgänger und Freidenker, denen es nicht darauf ankommt unauffällig in der Masse Mensch und ihren gesellschaftlichen Gruppierungen zu verschwinden, sondern die auch alleine in unerforschte Räume dringen. In denen man nicht genau weiß, was geschehen wird, was man erleben wird, wer einem begegnen wird.
Die beiden mehrschichtigen akustischen Klangräume der CD, betitelt "Anteroom" und "a small house can carry as much happyness as a large one", läßt Theo Bleckmann nur durch Aufnahmen der Experimente und Arbeit mit seiner Stimme entstehen ohne jede Verwendung von Elektronik.
- seine website: www.theobleckmann.com
Als Coverbildgestaltung mehrere unterschiedliche Restauranträume, menschenleer, die Tische gedeckt für Gäste. Beim Ansehen der Bilder mit der Tischdekoration wirkt die Abwesenheit von Personen stark.
"Anteroom" heißt Warteraum, Vorraum: Bei dem tendenziell Ambient-Klangebilde "Anteroom", das Theo Bleckmann mit den Möglichkeiten seiner Stimme herstellt, bleibt offen, ob es in einen sakralen Raum, etwa für Mönche, paßt oder ob es so etwas wie die profane Stimmung eines verlassenen Bahnhofwartesaals suggerieren kann. Man kann sich auch plötzlich klar machen, daß eine Gesellschaft, die selbst wenn sie, wie auf dem Cover gezeigt, in Speiseräumen tafeln kann, nur im Wartesaal genannt Leben ist, für den Zeitraum, der jedem von uns bleibt. Man gerät in den Bereich in dem das Denken und Fühlen bei Meditation und Zen ist, wenn man dies will, aber gleichzeitig ist man gefährlich nahe an Terrain erschreckender Leere, Horror Vacui, Klaustrophobie bis Verzweiflung oder endloser Gleichgültigkeit. Im kurzen zweiten Stück der CD vielleicht auch einfach in einer nicht definierten Weite. Die Musik ist für Menschen, die sich in Grenzbereiche wagen und diese aushalten und ausloten. Für die Einzelgänger und Freidenker, denen es nicht darauf ankommt unauffällig in der Masse Mensch und ihren gesellschaftlichen Gruppierungen zu verschwinden, sondern die auch alleine in unerforschte Räume dringen. In denen man nicht genau weiß, was geschehen wird, was man erleben wird, wer einem begegnen wird.
Die beiden mehrschichtigen akustischen Klangräume der CD, betitelt "Anteroom" und "a small house can carry as much happyness as a large one", läßt Theo Bleckmann nur durch Aufnahmen der Experimente und Arbeit mit seiner Stimme entstehen ohne jede Verwendung von Elektronik.
- seine website: www.theobleckmann.com
Wednesday, October 25, 2006
24.10.06 - Geoff Muldaur, Optimal München
Die Konzerte, die ich in den vergangenen Jahren von Geoff Muldaur besuchte, waren mit Ausnahme schöne, spezielle kleine Events. Er spielte in Clubs mit guter Bühnenatmosphäre, bei der er die Magie, die er in so manche der Interpretationen von Songs aus der amerikanischen Folk- und Bluesgeschichte zu zaubern vermochte, entfalten konnte. Feine akustische Gitarre und Fingerpicking und seine außergewöhnliche Stimme, von der Richard Thompson gesagt haben soll: "There are only three white Bluessingers - and Geoff Muldaur is at least two of them."
Im Plattenladen Optimal in München saß Geoff Muldaur bei heller, kalter Raumbeleuchtung auf der Bühne, es gab kein Stagelightdesign, weshalb die besondere Stimmung, die er bei seinen Auftritten eigentlich zu schaffen vermag, es etwas schwer hatte in dieser Raumsituation zu entstehen. Bei manchen Songs ging zwar die Faszination von ihm aus, die einen in den Bann ziehen kann, doch das Gesamtkonzept des Abends kam nicht so stimmig zur Wirkung, wie ich es von Muldaur kannte.
Die Konzerte, die ich in den vergangenen Jahren von Geoff Muldaur besuchte, waren mit Ausnahme schöne, spezielle kleine Events. Er spielte in Clubs mit guter Bühnenatmosphäre, bei der er die Magie, die er in so manche der Interpretationen von Songs aus der amerikanischen Folk- und Bluesgeschichte zu zaubern vermochte, entfalten konnte. Feine akustische Gitarre und Fingerpicking und seine außergewöhnliche Stimme, von der Richard Thompson gesagt haben soll: "There are only three white Bluessingers - and Geoff Muldaur is at least two of them."
Im Plattenladen Optimal in München saß Geoff Muldaur bei heller, kalter Raumbeleuchtung auf der Bühne, es gab kein Stagelightdesign, weshalb die besondere Stimmung, die er bei seinen Auftritten eigentlich zu schaffen vermag, es etwas schwer hatte in dieser Raumsituation zu entstehen. Bei manchen Songs ging zwar die Faszination von ihm aus, die einen in den Bann ziehen kann, doch das Gesamtkonzept des Abends kam nicht so stimmig zur Wirkung, wie ich es von Muldaur kannte.
Saturday, October 21, 2006

Ornette Coleman, 1961...
Ok, eintauchen in die Vergangenheit: Folge den Saxophonmelodien von Ornette Coleman... Nimm beispielsweise, selbst wenn eher weniger spektakulär, "Ornette!" aus dem Jahr 1962. Mitmusiker: Don Cherry, Scott LaFaro, Ed Blackwell. Gelbtürkisfarbenes abstraktes Cover mit experimentellem Ornetteschriftzug. Musikstücke mit zwar traditionsbezogenen Elementen doch im Grunde konsequente Innovation. Wie nur Monate vorher u.a. mit den Aufnahmen zu "Free Jazz" begonnen worden.
Ornette Colemans Saxophon war vom ersten Hören an für mich etwas Entscheidendes, Essentielles, wofür es keine Alternative gibt und wahrscheinlich auch nicht geben wird. Da passiert etwas Unersetzbares in einem ganz besonderen, zeitlosen Raum. Anders die sozusagen einfach cool zu sein scheinenden Baß-, Schlagzeug- und Trompetensolos der Band, die wie eine hübsche Zeitreise fast 50 Jahre zurück wirken. Und doch will ich manchmal nichts Aktuelles damit tauschen.
Natürlich sind wir immer einerseits in Die-Geschichte-wiederholt-sich-selbst...In der Harmolodic Colemans jedoch herrscht andererseits eine andere Zeitrechnung, gelten andere Gesetze...
"I've known people of whom it can be said they have never lost their sense of rage. But rarer, and therefore more in tune with the life forces of the universe, are those like Ornette, who have never lost their sense of wonder.", schreibt Nat Henthoff auf dem Cover.
weitere Informationen: http://www.harmolodic.com
Monday, October 02, 2006
26.09.06 Jed Perl - "New Art City" - Abenteuer von Malern und Schriftstellern im Manhatten der 1950er Jahre" - Vortrag im Haus der Kunst, München"The idea of the spirit of a city" (Perl)... - ich entdeckte die New York School für mich schon vor vielen Jahren. Abstract expressionism, action painting, color field. Jackson Pollock, Willem de Kooning, Franz Kline, dann Mark Rothko, Ad Reinhardt, Barnett Newman. Und andere. New York, nicht mehr Paris, war Metropole in den 50ern gewesen. Was dort begonnen hatte weckte mein Interesse, faszinierte mich, wirkte magisch auf mich. Ich verinnerlichte Werke dieser Zeit, las Biografien und besuchte Ausstellungen. Der Vortrag nun ergänzte meine Kenntnis nur noch durch einige prägnante Anmerkungen und Hinweise und ich wurde darauf aufmerksam, daß auch der Münchner Hans Hofmann eine Rolle zu spielen begonnen hatte damals bei den New Yorkern.
Und die Literatenszene: Beat Generation. Allen Ginsberg, Jack Kerouac und namhafte andere sogenannte "Subterraneans"sollen zu dieser Zeit die Bar San Remo zum Künstlertreff der Stadt gemacht haben. William S. Burroughs soll da noch in Paris geschrieben haben. (Recherchierte ich dann zuhause nochmal nach.)
"They weren't afraid of something that felt strange and difficult", sagte Perl.
Vom Spirit des New York der 50er brachte Jed Perl jedoch nicht so sehr viel zum Ausdruck. Ob ihm das dann im gerade veröffentlichten Buch "New Art City" gelang?
Mir fällt nach dem Vortrag Ornette Coleman ein. Er war 1960 bei den Aufnahmen der Third Stream-Kompositionen "Jazz Abstractions" als Musiker dabei und das Bild "White Light" von Jackson Pollock ist mit beim Coverdesign seiner zur selben Zeit entstandenen LP "Free Jazz".
Der Geist der Szene des New York der 50er Jahre hatte entscheidenden Einfluß auf das weitere Kulturleben insgesamt.
(Bild zeigt Jackson Pollock im Atelier in den 50er Jahren)



