Wednesday, October 26, 2016

"...Theater der Pop-Musik..." und der Musikszene : Autorensituation und Andershören im Musik-Journalismus - Über journalistische Texte, Bedeutungsverschiebung und manch falsches Interpretieren diverser Leser journalistischer Rezensionen

Faktisches Statement zu meiner journalistischen Arbeit im Independent-Bereich: Und zwar gegen Fehlinterpretation durch Unvermögen oder Absicht manch lesender Person und für journalistische Autotentexte und deren Eigenständigkeit und wenn intendiert unabhängigen Existenz vom direkten Kontext, in dem der Musiker, Künstler, Kulturschaffende agiert und in dem sich die Arbeit des Musikers, Künstlers, Kulturschaffenden darstellt.
 Fakt ist: Beruflich biete ich als Kulturjournalistin kulturinteressierten Lesern Texte, Bilder und Informationen.
Bedeutungsverschiebungen im Musik-Journalismus und im  "...Theater der Pop-Musik..." (Diedrich Diederichsen)

Jedem Musiker, Künstler, Autor muss klar sein, dass es bei der Rezeption seiner Arbeit zu diversen Bedeutungsverschiebungen kommt. Zu Bedeutungsverschiebung beim Gebrauch von Musik und Songs findet sich bei Diedrich Diederichsen folgender Satz: "Auch die Bedeutungsverschiebung, die durch Wiederhören und Interpretieren entsteht und als ein wichtiges Argument für die musikalische Offenheit gilt, ist ja immer eine des Andershörens in Bezug auf ein vorangegangenes Hören." (aus "Über Pop-Musik", 2014) Aber dies gilt nur für das Hören. Ein Andershören jedes Hörers ist selbstverständlich möglich und erlaubt, jedoch ist selbstverständlich nicht erlaubt jedes individuelle Andershören meinem Hören und Interpretieren und meiner journalistischen und kulturellen Arbeit zu unterstellen.  Möglicherweise stammt diese Spezies der Lesenden aus dem Mainstream. Aber wahrscheinlich nicht nur von dort. Mehr oder weniger falsches, teils reaktionäres Interpetieren, Rezipieren und Denken jeder Couleur trifft man auf breiter Linie,  das freies und kritisches kultur-und musikjournalistisches Arbeiten nivellieren, verfälschen oder unterdrücken will. Jedenfalls ist das mir schon begegnet.

Verfälschung und willkürliche Interpretation journalistischer Texte durch manche Leser

Als anspruchsvolle, engagierte Journalistin lege ich natürlich Wert darauf veröffentlichen zu können ohne dass unzumutbar Verfälschendes über mich in den Kontext gebracht wird. Dieser Kommentar ist gegen Personen, welcher politischen Richtung oder Weltanschauung auch immer, die Kunst und Kultur, wie auch z.B. Musikjournalismus, nicht wie ich konstruktiv reflektieren können und die journalistische Texte in willkürliche, unrichtige Relation bringen und dadurch seriöse kulturelle Arbeit und kulturjournalistische Tätigkeit beeinträchtigen.
Ich arbeite und veröffentliche als freie Journalistin und Autorin für anspruchsvolle, eigenständig erwachsen reflektierende Leser und Kulturinteressierte. Und lege insbesondere Wert darauf rezensieren, berichten etc. zu können ohne dabei mit den Inhalten künstlerischer Veröffentlichungen anderer Personen willkürlich in irgendeinen unwahren, fehlinterpretierenden Zusammenhang gebracht zu werden. Meine beobachtend-kritische Perspektive in der Kultur- und Musikszene und den journalistischen Impetus eines Teils meiner kulturellen Arbeit lasse ich natürlich nicht in Abrede und in Frage stellen.

Interpretationsraum beim Rezensenten und Rezipienten und Künstler

"Performance und Pose: Das Theater der Pop-Musik - ...Rezensionen von neuen Werken der Pop-Musik lesen sich dann auch als Mischung aus der Beurteilung einer künstlerischen Leistung und der des Lebens des Betreffenden, seines Handelns, seiner strategischen Entscheidungen. Oft gelten bei letzterer ethische und politische Kriterien...wobei die Beurteilenden wissen, dass dieses Leben, welches sie exemplarisch beurteilen, ein halb fiktives ist...im Sinne der Spielregeln der Pop-Musik..." Falsches Interpretieren findet sich dabei bei diversen Rezipienten von journalistischen Rezensionen.  "...Entscheidend für Kritik kann allein sein, was sie aus der Arbeit unter dieser Spielregel macht,  bei der nie geklärt sein kann, ob ein Pop-Musiker für sich spricht oder in einer Rolle..." (aus "Über Pop-Musik", 2014, Diedrich Diederichsen)  Als Autorin und  Journalistin bin ich in Reflexion Beobachterin in der Musikszene und mit Text und Bild Dokumentarin von Musikkultur und gebe Informationen weiter. Ich höre mehr Folk, Blues, Jazz und Neue Musuk als Pop.

Ich bin Autorenjournalistin. Aber manchmal ist auch schon nur eine kleine sachliche Nachricht wichtig. Neben Journalistischem interessiert mich hauptsächlich literarische und künstlerische Arbeit.

Zitiert ist aus "Über Pop-Musik" von Diedrich Diederichsen, Kiepenheuer & Witsch, 2014

© Tina Karolina Stauner, 2017

Wednesday, October 19, 2016

Folkdays aren't over..."Schwarzes Gold": Als Schallplatten und Folkways auf den Markt gebracht wurden und wie dieser Part der Kulturgeschichte in mein Leben kam - 65 Jahre Schallplatte in Deutschland

Das Plattenlabel Folkways

Schallplattenlabels mit Spezialisierung auf bestimmte Genres gibt es von Anfang an. Im Folkbereich wurde 1948 als unabhängiges US-amerikanisches Plattenlabel Folkways Records & Service Corporation, kurz Folkways, von Moses Asch und Marian Distler gegründet. Moses Asch hatte bereits 1939 Asch Records, das 1941 mit Stinson Records zu Asch-Stinson wurde und bis 1945 existierte.  Vorübergehend besaß Asch ab 1946 das Disc Label. Zum Sortiment gehörte von Anfang an Jazz, Folk, Ethno und Weltmusik,  Squaredance, Serien über Musikinstrumente, Klänge der Natur, Lieder der Frauenbewegung, Musik der klassischen Avantgarde, Mitschnitte von politischen und gesellschaftlichen Ereignissen wie etwa die Anhörung Bertolt Brechts, der ab 1949 mit Helene Weigel das Theater Berliner Ensemble managte und bespielte, vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe 1947. Zum Spektrum zählen auch  Reissue, Songbooks, Videos und Lehrmaterial. Am 28. Februar 1987 übernahm die Smithsonian Institution  nach Asches Tod das Plattenlabel mit  einem Katalog von 2.168 LPs  als Kulturgut.
Eine der ersten Aufnahmen von Folways war am 25. April 1944 der Song  "This Land Is Your Land" von Woody Guthrie, der mit Pete Seeger einer der bedeutendsten gesellschaftskritischen Protestsänger der Folkszene Amerikas war. Eine aktuelle Veröffentlichung des Labels ist "Classic American Ballads" aus dem Jahr 2015  mit 25 Tracks, die das Spektrum des Labels mit namhaften Musikern repräsentieren.

Folkways featuring women

Um Entdeckenswertes von Musikerinnen bei Folkways zu nennen: Ein Tipp ist ein Sampler, der 1995 veröffentlicht wurde, und betitelt ist mit "Heartbeat: Voices of First Nations Women". Performer waren Native Women der United States und Canada mit traditioneller, zeremonieller und sozialer Musik mit Schlaginstrumenten, Gitarre und Flöte und Storytelling der American Indian, Aztecs, Iroquoian Indians, Maya und genannt werden weiter kulturelle Regionen und Gruppen wie Apache, Assiniboine, Athapascan, Cherokee, Cree, Dakota, Iroquois, Karuk, Navajo, Oneida, Seminole, Tuscarora, Warm Springs, Wasco etc.
Zwei sehr nennenswete Alben sind zum einen "Happy Woman Blues" von Lucinda Williams aus dem Jahr 1980. Ein wunderschönes frühes Album der aus Lake Charles, Louisiana stammenden Williams mit acoustic Blues, Folk und Country. Aufgenommen wurde es in den Sugar Hill Studios mit den Musikern Mickey White, Rex Bell, Andre Matthews, Ira Wilkes, Mickey Moody und Malcolm Smith. Zum andern bietet "Irish Folk Songs for Women, Vol. 2" von Lori Holland aus dem Jahr 1960. mit irischen oder keltischen Folkballaden zur Gitarre traditionelles Liedgut.  
Folkway geht es darum "to document and celebrate the sounds of the world around us".
"We believe that musical and cultural diversity contributes to the vitality and quality of life throughout the world.", konstatiert Folkways. Im Katalog hat das amerikanische Label auch Musik aus unseren Breitengraden mit Musikern und Musikerinnen  aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wie  Ruth Welcome, Dick Marta und Wiener Konzertschrammeln unter dem Albumtitel "Café Continental".

Schallplatten im Alltagsleben

Schallplatten hatte ich schon als Kind. Sie wurden mir mit Märchenerzählungen und Hörspielen ins Leben gebracht. Abgespielt wurden sie anfangs auf einem Monoplattenspieler in einem kleinen Musikschränkchen, das in den 1960er-Jahren in Wohnzimmern in war. Das war damals in der Provinz. Es waren dort auch Operetten, Messen und Volksmusik im Schrank. Als ich begann nicht mehr auf dem Land sondern in einer Kleinstadt zur Schule zu gehen kaufte ich mir die ersten Schallplatten, die in meinem eigenen Zimmer mit Einzug hielten. Es waren einige deutsche Schlager. Doch es dauerte kein Jahr, bis ich die internationale Musikszene entdeckte und Scheiben der amerikanischen, englischen und französchen Pop-und Rockmusik mit nach Hause trug zusammen mit Englsch- und Französischbüchern. Auch die erste Jazz- und Folkplatte kaufte ich schon in dieser Zeit zusammen mit einer Stereoanlage. Und natürlich kam ich an keiner Jukebox vorbei ohne Platten zum Horen auszuwählen. Schallplatten gehörten bei mir praktisch schon immer mit zum Alltagsleben und sie teilten mir bald weltweite Musik mit. Noch bevor ich begann in der Großstadt zu wohnen und bevor ich Musikjournalistin wurde.

Platten und Fakten

Als analoger Tonträger für Musik sind Schallplatten aus Vinyl. Vinyl ist normalerweise 180g schwer und schwarz. Eine Langspielplatte wird mit 33 1/3 Umdrehungen abgespielt und hat 30 cm Durchmesser. Die hineingepressen Rillen für die Nadel enes Tonabnehmers eines Plattenspielerarms sind für Schallsignale. Jeder Plattensammler zelebriert natürlich, dass es auch um das Cover geht. Artwork und Design von Cover ünd Booklet sind wichtiger künstlerischer Teil  der Veröffentlichung. Soweit die einfachen Fakten über die Scheiben, die auch "Schwarzes Gold" genannt werden.

Frühe Schallplatten

Vor 129 Jahren wurde durch Emil Berliner das Patent für Grammophon und Platte, damals noch aus Zinkblech und Hartgummi, angemeldet. Erstmals soll in den 1920er Jahren eine Firma Platten ausprobiert haben. Am 21. Juni 1948 veröffentlichte Columbia Records in den USA eine der ersten Schallplatten mit einer Aufnahme von  Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert in e-Moll mit Nathan Milstein und dem New York Philharmonic Orchestra unter Dirigat von Bruno Walter. Seit 65 Jahren gibt es Schallplatten in Deutschland. Nach dem Krieg kam man immer mehr aus der internationalen Isolierung und auf der Musikmesse am 31. August 1951 wurden durch die Deutsche Grammophon-Gesellschaft die ersten Vinylscheiben präsentiert.
Allgemein populär wurde die Langspielplatte, kurz LP genannt, in den 1060er Jahren durch Pop und Rockmusik der Musikcharts. Und natürlich auch durch Jazz und Klassik. Die ungefähr 30 Minuten Spielzeit einer Schallplattenseite dokumentierten nun auch Musikstücke wie Symphonien und Opernakte.

Platten und Kommerz

Zu Beginn der 1980er Jahre wurden jährlich über eine Milliarde Schallplatten in der Phonoindustrie verkauft. Mitte der 1980er Jahre kam dann die Compactdisc, kurz als CD bezeichnet, als Silberling in kleinem Format dazu und verdrängte ziemlich schnell die Vinylscheiben. Mitte der 1990er Jahre wurden wegen CDs nur noch ca. 30 Millionen Vinylscheiben im Jahr auf dem Weltmarkt umgesetzt, davon ca. 400 000 in Deutschland. Derzeit  werden jahrlich etwa 100 Millionen CDs verkauft. Seit Jahren steigt ergänzend der Schallplattenumsatz wieder. Als Tonträger gibt es natürlich auch Tonbänder und Cassetten und aktuell boomt nun der digitale Musikmarkt. Doch manche schwören grundsätzlich  auf die wärmere Asthetik von Vinyl trotz Störgeräuschen. Musiker bieten von einem Album momentan oft gleichzeitig CD, Digital Download und Schallplatte an.

www.folkways.si.edu

Tuesday, October 18, 2016

Folkdays aren't over...Bob Dylan - Früher Protestsongs und Folkbewegung, heute Literaturnobelpreis

Wie lange währt Bob Dylan's Never Ending Tour schon? Jedenfalls erhält er nun den Literaturnobelpreis. Der Singer-Songwriter, der auch  Schriftsteller und Schauspieler ist, seine Werke als Maler und Filmemacher zeigt und als Radio-DJ Songs vorstellt. Seine realistischen und fantastischen Geschichten und Sichtweisen bekommen seit Jahren eine etablierte Auszeichnung nach der anderen.
Bob Dylan wurde 1941 als Robert Allen Zimmerman geboren und begann 1961 in Greenwich Village in New York in der Zeit der Beatniks als kleiner Folky mit teilweise einfach Coverversionen von Songs von Vorbildern wie Woody Guthrie. Er fing an als Protestsänger und stilisierte sich zum Propheten, mal mit Folk, mal mit Blues, mal mit Rock. Immer mit hochkarätigen Lyrics, die ihm, einst Undergroundpoet,  nun also den Literaturnobelpreis einbrachten. Eine Auszeichnung, die eine noble Akademie mit einer Stockholmer Jury vergibt. Realismus, Surrealismus und Visionen in Folksongtexten kann literarische Qualität haben. Lyrics können die Qualität von Lyrik und Prosa haben. Ein Songwriter kann ein Poet sein.  Nachlesbar und zu hören in Bob Dylan's umfangreichem Œuvre. Das wussten anfangs nur wir Insider und nun wird das fast allen mitgeteilt.  Nicht deutsche Schmierenstücke interessieren, sondern internationales literarisches Niveau, das nicht zuletzt amerikanische Kunst und Kultur mit definiert.

Bob Dylan's Rückgriff auf die Epoche des Great American Songbook: "Fallen Angels"

Bob Dylan's aktuellstes Album "Fallen Angels" ist eine Selection Songs der 1940-er und 1950-er Jahre, die auch Frank Sinatra im Repertoire hatte und außerdem eine Ausnahmeergänzung  "Skylark". Dylan bietet exquisite Coverversionen mit angeswingten, genauso schönen wie leicht schrägen Balladen statt Eigenkompositionen und Lyrics des Individualisten, der er ist. Und das alles mit ziemlich  hochmütiger Lakonie und Extravaganz transformiert in seine Welt des Folk, Country-, Rock und Bluegrass. Dass es da manchmal nicht nur elitäre Kollaborationen und edle Romanzen gab, sondern dass auch die eine oder andere miserable Farce und infame Tragödie inszeniert wurde, passt nun alles als Literatur in den Kontext des Literaturnobelpreises. Samt seiner eigenen Höhen und Tiefen, seiner genialen Erfolge und seiner künstlerischen und persönlichen Sinn- und Lebenskrisen. Eingespielt wurde das hochfeine Album wieder in den Capitol Studios in Hollywood mit bekannter Tourband nebst Bläserensemble. Sein 86-jähriger Toningenieur hatte einst u.a. mit Sammy Davis Jr. zusammengearbeitet. Fragt sich, warum der 75-jährige Dylan, begnadet aüßergewöhnlicher Songwriter der er ist, derzeit nicht seinen eigenen klassischen, spröden Folk und Blues schreibt und spielt oder in der trotzigen Rockmusik ist, sondern sich davon entfernt und sich mit Crooner-Ästhetik abgibt!? Cooler Entertainer sein, statt nölender Weltverbesserer, zynisches Seelenschmerzsensibelchen und intellektueller Musikpoet vermutlich.

"Shadows In The Night": seine Hoheit  mit gelassener und selbstsicherer Lebens- und Musikererfahrung

Schon 2015 gab sich Dylan mit "Shadows In The Night" als eine Art Crooner mit Balladen und Nähe zum Musical. Die Stücke sind Neuinterpretationen von Frank Sinatra-Klassikern.
Dylan, selbst längst eine Ikone, scharte für diese CD live im Aufnahmestudio mit seinen langjährigen Bandmitgliedern Tony Garnier (Bass), Stu Kimball und Charlie Sexton (Gitarre),  Donnie Herron (Pedal-Steel-Gitarre) und George G. Receli (Perkussion) und einer Bläsersektion insgesamt gut ein Dutzend Mitmusiker um sich. Der Singer-Sonwriter klingt authentisch und existenzialistisch auch wenn er sich mit Adaptionen abgibt. Swinging Dylan nuschelt mit altersrauer Stimme  aber vielleicht viel zu schaurig-schön um wahr zu sein. Der Literaturnobelpreis für sein Werk als Writer und Singer-Songwriter, der im Folk, Blues und Rock zuhause ist, wurde aber gerade wahr.


Bob Dylan
"Fallen Angels"
"Shadows In The Night"
(Sony Music)

 www.bobdylan.com

Saturday, October 15, 2016

Folkdays... - Ethno, Jazz, Crossover, Neue Musik...

 "Hommage to an endangered treasure"-  Martina Eisenreich mit "Rainforest"

Die Münchner Multiinstrumentalistin und Komponistin Martina Eisenreich  arbeitet crossovernd für Hörspiel und  Bühne. Mit ihrer CD-Veröffentlichungsreihe "Schöne Töne" hat Eisenreich nach "Inka Moods" nun  ein Konzeptalbum zum Thema Regenwald mit Quadro Nuevo,  Elbtonal Percussion, Martin Kälberer, Lisa Wahlandt und anderen, insgesamt mehr als ein Dutzend World Music-Künstlern, eingespielt. Das Album heißt einfach "Rainforest", ist aber relativ komplex. Den klassisch-herkömmlichen kompositorischen Elementen sind auch Originalnaturgeräusche und musikethnologische Aufnahmen hinzugefügt. Das Gesamte ist eine musikalische Soundreise in die Waldlandschaften und die Musikkultur Südamerikas, Afrikas und Asiens. Vielleicht ein etwas großspurig angelegtes Musik-Projekt über kulturelle und landschaftliche Aspekte von drei Kontinenten. Aber doch beeindruckend, wie zu jeweils einem Thema eine akustische Atmosphäre einer Naturlandschaft musikalisch visualisiert und vorgestellt wird. Vorhandene Musikstücke, Liedmaterial und Klangmuster werden modifiziert und mit neuen Kompositionen verschmolzen. Der Einsatz von Holzinstrumenten ist prägend: Marimba, Xylophon, Klanghölzer, Laubtrommeln, Klarinetten, Harfe, Violine und Kontrabass spielen eine wichtige Rolle. Und es werden diverse seltene Klanginstrumente, z.B. Singende Säge und auch afrikanische und südamerikanische Musikinstrumente mit einbezogen wie  Kalimba und Berimbau neben hierzulande üblichen Instrumenten wie Gitarre und Bass.
In dem Künstlerkollektiv, das "Rainforest" hervorbrachte und kreierte, etablieren sich als Produzenten neben Martina Eisenreich die beiden Musiker Mulo Francel (Quadro Nuevo) und Wolfgang Lohmeier, der besonders auch für merkwürdige Percussion- und Klanginstrumente bekannt ist. Das Team hält viel von analog-authentischen Aufnahmen. Die Tracks , gedacht als "HOMMAGE TO AN ENDANGERED TREASURE",  haben bezaubernde Namen wie "Forest of Fairytales", "Eipo Love Song" oder "Dancing Water" und sind strange Ethnoexperimente mit internationaler Spannweite aus süddeutschen Gefilden.

Martina Eisenreich
 "Rainforest"
GLM Music

Tuesday, October 04, 2016

A little bit of Pop, a little bit of Rock: hier hübscher Pop aus einer  Off-Broadway Production  mit  Suzanne Vega und dort kantiger Alternativ-Rock mit Thalia Zedek

Suzanne Vega featured die Autorin  Carson McCullers  in Popsongs

War Suzanne Vega einst mit schönen, gleichzeitig oft sozialkritischen Songs purem Stadtleben und Realismus zugewandt, soll sie sich aber eigentlich ziemlich für Träume und Surrealismus interessieren. Ihre Träume scheinen sie leicht und lässig in die Charts zu bringen. War sie anfangs einfacher Folky, so hat sie längst perfekte Popsongs.  Im Kontext von Neo-Folk begann sie vor Jahrzehnten sich auch im Mainstream bekannt zu machen und das sogar mit anspruchsvoll arrangiertem Liedgut. Gelernt hat sie sowas auch durch den von ihr besonders erwähnten Leonard Cohen.
Die 1959 geborene Suzanne Vega stammt aus Santa Monica und wuchs in New York auf. Dort engagierte sie sich außer für Musik in ihren Studien auch besonders für Tanz und Literatur. Mit ihrem neuen Album stellt Vega die Autorin Carson McCullers  vor, von der sie schon immer fasziniert ist. Gesellschaftliche Außenseiter waren oft Protagonisten von McCullers Erzählungen, Kurzgeschichten, Theaterstücken, Essays und Gedichten. Wie McCullers, die von 1917 bis 1967 lebte,  hat Vega Geschichten zu erzählen. Zu Beginn mit ihrer akustischen Gitarre auf Independent-Bühnen im New Yorker Künstlerviertel Greenwich Village und dann zusammen mit Bandmusikern in internationalen Konzertforen, wo derzeit immer wieder Gitarrist Gerry Leonard mit auf der Bühne ist. Von Suzanne Vega gibt es nun  das Performence-Stück  “Lover, Beloved: An Evening With Carson McCullers”, für das sie u.a. mit Duncan Sheik,  Michael Jefry Stevens und  Kay Matschullat zusammenarbeitet. Die CD mit daraus veröffentlichten Songs bringen Folk-Rock, Pop und Jazz auf einen Nenner und stellen die clevere Performerin Suzanne Vega wieder mal als eine kleine Queen of Pop vor.

Only Rock 'n' Roll..."Eve" von Thalia Zedek

Thalia Zedek spielt sowas wie Rock n' Roll-angehauchten Postpunk. Früher hatte sie Bands wie Live Skull und Come, mittlerweile gibt es Solo-Alben und das aktuelle ist mit "Eve" betitelt. Den ungeschliffenen, oft auch bluesigen, düsteren Sound ihrer Gitarre im Griff und mit spröder Stimme performt sie sperriges Songmaterial.  Only Rock 'n' Roll...Das ist noch immer wie seit Urzeiten im einfach durchstrukturierten und hartkantigen Rock so. In der Frontposition eine Frau ist allerdings für viele noch immer nicht selbstverständlich. Sollte es aber sein. Thalia Zedek hat die Standfestigkeit dazu. Dass die 55-järige allerdings dabei manchmal etwas angefriffen wirkt ist nicht zu überhören und vermutlich nicht nur Stilmittel sondern wird durch Lebenserfahrung mit eingebracht. So sind ihre Songs nicht unbedingt überbordend frohsinnig, sondern sie reflektiert eigenbrötlerisch auch die desolateren Seiten des Lebens. Ob Echtheit oder Immitat. Das einzelgängerisch Wirkende bleibt dabei nicht auf verlorenem Posten sondern ist Stärke. Im Songwriting, Rock 'n' Roll und Punk interessiert man sich das eine oder andere Mal für innere Befindlichkeiten und nicht nur hübsche, gelackte Oberflächen. Ästhetik kann spröde sein und fundiert durch  authentisches oder authentisch wirkendes Material ohne Oberflächenhochglanz. Bei den Aufnahmen zu "Eve" wurde Zedek unterstützt  von Andy Hong  im Kimchee Studio. Kongeniale Mimusiker waren David Michael Curry an der Violo,  Jonathan Ulman am Schlagzeug, Mel Lederman am Piano und Winston Braman am Bass.

Suzanne Vega
“Lover, Beloved: Songs From An Evening With Carson McCullers”
(Cooking Vinyl)
Thalia Zedek
"Eve"
(Thrill Jockey)

www.suzannevega.com
www.facebook.com/ThaliaZedekBand

Monday, October 03, 2016

Folkdays aren't over...  Country und Americana mit "Concert Across America" gegen Gewalt gefeatured von Rosanne Cash

Am 25. September 2016 gab es mit 350 Events und über 1000 Musikern und Highlights wie Jackson Browne, Eddie Vedder und Rosanne Cash eine Konzertserie gegen Gewalt in ganz Amerika. Die Country-Musikerin  Rosanne Cash, Tochter von Johnny Cash,  hat auf ihrer Website Informatinen über dieses Konzertprogramm.  Ich war in Deutschland friedlich über die Jahre immer wieder mit Tausenden auf Festivalgeländen, mit Hunderten in Konzerthallen und Theatern, mit Dutzenden in Clubs und auf der Bühne teils auch Musiker der Country-Szene. Die unter dem Slogan "Concert Across America" angekündigten Events gefeatured von Cash mache ich deshalb auch hierzulande bekannt. Berichte über die Konzerte vom 25.09. finden sich noch kaum. Es ist bisher der Auftritt von Jackson Browne, Marc  Cohn, John Leventhal, Joan Osborne und Rosanne Cash im New Yorker Beacon Theater dokumentiert, was Cash schon fotografisch veröffentlicht hat. Sie versucht zu vermitteln, dass Musik dazu beitragen soll die Welt zum Besseren zu verändern und setzt auch ihre diesbezüglichen Mittel und Wege ein. Vielleicht old-fashioned, aber dem kann man nur zustimmen. Natürlich auch in Deutschland. Johnny Cash begann in den 50er Jahren, während er in Landsberg bei der  Army stationiert war, mit einer Gitarre Musik zu machen. Er wurde in der Musikszene Amerikas mit der Country-Outlaw-Bewegung eine internationale Musikergröße.  Rosanne Cash nahm in den 70-er Jahren in München eines der Alben ihres umfangreichen Œuvres auf. In einem Interview mit dem Country Music Magazin sprach Rosanne Cash über Songwriting und redet von "ein bisschen Text" und "musikalischen Ideen". Was Understatement sein dürfte, weil bei Cash einiges ziemlich durchgedacht ist.  Rosanne Cash ist Mitglied der Nashville Songwriters‘ Hall of Fame.


Protestsong und Idylle: "The River & The Thread" 


Ihr jüngstes Album veröffentlichte Rosanne Cash 2014. Die Musikerin, die weiß, wie man eine Gibson spielt, legt mit "The River & The Thread" einfühlsame Songs vor, die in ihren Bann ziehen. Thematisch zeigt sie speziell Interesse an der Kultur der amerikanischen Südstaaten und auch an Politischem wie dem sogenannten "New Deal". Sie findet sich also auch in der Tradition des Delta-Blues und des sogenannten Protestsongs und nicht nur in schönen, idyllischen Country-, Folk- und Rocksongs. Teils nimmt sie den Sound von Swamp, Gospel oder Appalachian Folk mit hinein. Wichtiger Mitstreiter bei der Einspielung von "The River & The Thread" war der exzellente Gitarrist, Multiinstrumentalist und Produzent John Leventhal, der auch ihr Partner ist. Und es tauchen namhafte Gastmusiker wie Kris Kristofferson, Tony Joe White, John Prine und Rodney Crowell auf. Die 1955 geborene Rosanne Cash präsentiert sich einmal mehr ungemein kraftvoll und mesmerisierend mit berührendem und erlesenem Songmaterial. Natürlich stellt sie weiterhin selbstbewusst in den Fußstapfen ihres namhaften Vaters als Musikerin eine markante Persönlichkeit in der Countryszene dar.


Rosanne Cash
"The River & The Thread"


www.rosannecash.com
www.Concertacrossamerica.org

Sunday, October 02, 2016

Folkdays aren't over... Country Music mit Dori Freeman: "Fine, Fine, Fine"? Bringt mich zumindest zu diskursiven Anmerkungen zum Thema Country. Und da sind auch die Country-Rednecks und die Country-Outlaws...

Freeman wer? Die mit American Roots Music, also Bluegrass, Folk, Blues, Rhythm and Blues, Rockabilly und Old Country, in der Crooked Road-Region der Blue Ridge Mountains of Appalachia aufgewachsene Dori Freeman taucht nun offenbar auch in der Metropole New York auf, was die Studioarbeit ihres Debuts zeigt. Innerhalb von nur drei Tagen haben Teddy Thompson und Dori Freeman mit einigen Musikern alle Songs für eine CD eingespielt und in der Instrumentierung zu Gitarre, Bass, Schlagzeug auch Steel Guitar, Fiddle und Piano hinzugenommen . Freeman ist eine der jungen Frauen, die sich im klassisch amerikanischen Songwriting versuchen.
Ihre Chancen sollten eigentlich nicht unbedingt schlecht sein: Sie stammt aus einer Musiker- und Künstlerfamilie, verfügt über eine selbstbewußte Stimme, spielt souverän Gitarre und schreibt ihre Songs selber. Und kein Geringerer als der Singer-Songwriter Teddy Thompson, Sohn von Richard und Linda Thompson, hat ihr erstes selbstbetiteltes Studioalbum produziert. Als Inspiration für ihr Songschreiben nennt Freeman Namen wie Peggy Lee, Iris Dement, Doc Watson, Rufus Wainwright und Father John Misty. Dori Freemans Lieder dürften relativ persönliche Aussagen über ihre bisherigen Lebenserfahrungen sein. Jedenfalls soll sie das mitgeteilt haben und dazu gesagt haben: "Mostly the lonely, sad parts. If you're going to write songs that people want to keep listening to then you can only write about exactly what you know."
Ihre Haare mal im ganz kurzen Graçon-Stil, mal im A-Line Bob Cut erzählt die 24-jährige aus großen Augen blickend manchmal auch nur allein mit ihrer akustischen Gitarre kleine Geschichten und präsentiert also einfach sogenannten Americana. Musikalisch klingt das Ganze schon recht könnerhaft, doch die Lyrics sind vielleicht nicht immer das Durchdachteste. Freeman kann dabei sehr baladesque aber auch upbeat sein. Und möglicherweise versucht sie haupsächlich mitzuteilen: "Go On Lovin'", wie einer ihrer Country Songs betitelt ist. Und Freeman ist oft ziemlich country.

Allerdings fange ich sofort an mir wieder einmal Gedanken über die Country-Scene zu machen: Wie soll man das Label auf der Freeman ist einschätzen, das sich Free Dirt Records nennt? Ist Freeman naiv oder ausgefuchst? Ganze Teile der Country-Music waren jedenfalls schon immer reaktionär und es standen sich immer die Rednecks und die Outlaws gegenüber. Selbst Philosophen wie Theodor W. Adorno haben sich in theoretischen Schriften zur Kultur der Folk- und Country-Music Gedanken gemacht. Nur einen Satz daraus (einem Artikel von Josh Jones entnommen ) : "The flattening effect of mass culture, Adorno suggests, renders every gesture performed within it—whether of protest or acquiescence—as fundamentally trivial… and marketable." Country ohne Rednecks, Outlaws und Philosophen im Kontext geht kaum. Selbst in der Grand Ole Opry. Möchte man etwas über Old-Time-Music und Country wissen, könnte man beim 83-jährigen Willie Nelson noch persönlich nachfragen, Waylon Jennings und Johnny Cash leben schon nicht mehr. Um nur mal drei Crößen des Genres genannt zu haben deren Musik noch überall ist. Und der 40-jährige Teddy Thompson? Ein Redneck sollte Thompson in der Country-Tradition eigentlich nicht sein. Einige Monate nach Produktion von Dori Freemans Album veröffentlichte er nun zusammen mit Kelly Jones ein weiteres. Soll man einmal mehr hinterfragen wozu simple Country- Music eigentlich gut ist? Auch Intellektulle haben sich jedenfalls von der dem ländlichen Süden Amerikas zugeordneten Musik, einer traditionellen Volksmusik aber auch in Europa, nicht immer ferngehalten. Die Mixtur von Pöbel, White Trash und Intellektuellen war dabei noch nie die unproblematischte. Und welchen Stellenwert haben eigentlich Frauen in der Country-Scene? Jedermann wollte Tammy Wynette mit "Stand By Your Man". Doch die Fraktion zu der Pesönlichkeiten wie Emmylou Harris gehörten hält es immerhin etwas komplizierter nicht nur mit Sensibilität und Sentimentalität. Traditionell wurde Wert auch immer darauf gelegt, dass es Songwriter und Songwriterinnen gibt als sogenanntes Sprachrohr der Minderheiten und der Schwachen, die nicht zum Mainstream Money gehören. Da tun sich aber manchmal dann Abgründe auf angesichts der alles vereinnahmenden Mainstream Music Industry und des Cultur Clash der immer wieder die Kultur von Proletarien und Intelligenzija betrifft. All die schönen Country-Songs sind jedenfalls nicht so einfach über einen Kamm zu scheren.

Freemans CD hatte ich zufällig zum Rezensieren und ließ mich nun gerade mal über die Country-Scene reflektieren. Sonst noch keine Ahnung bisher, wer diese Musikerin ist.

Dori Freeman
Free Dirt Music / Galileo Music Communication