Tuesday, March 20, 2012


The many Worlds of Dennis Hopper

Größtes, schwerstes Buch, das ich besitze ist ein gewichtiger Bildband mit Fotografien des Künstlers, Schauspielers, Regisseurs und Drehbuchautors Dennis Hopper, der von 1936 bis 2010 lebte. Zu seinem bildnerischen Werk gehören Malereien und Fotografien. Das Buch "Photographies 1961 - 1967" zeigt hauptsächlich Schwarzweißbilder, auf denen der Amerikaner Menschen seines privaten und beruflichen Umfelds porträtierte und auch streetphotography und still life. Das Besondere wie das Alltägliche. „Ich habe etwas gemacht, von dem ich dachte, dass es eines Tages von Bedeutung sein könnte. Es sind wirklich diese Fotos, die meine Kreativität beflügelt haben.“, so Dennis Hopper. (Taschen Verlag)

Sunday, March 18, 2012

CUT-UP: Cut-up nennt man eine Methode, den Zufall und die moderne Montage in die Literatur einzubeziehen. Sie wurde von Brion Gysin zufällig 1959 entdeckt. Ähnliche Ansätze waren von Max Frisch und James Joyce bereits entwickelt worden. William S. Burroughs wurde zu einem der bekanntesten Protagonisten des Cut-up.
Cut Up wurde von Arte www.arte.tv als ein spielerisch-frecher Streifzug durch unsere Gesellschaft mit neuem Blick auf ganz gewöhnliche Dinge bezeichnet. Ich habe die Methode Cut-up in ein Fotoprojekt transformiert. (Als Journalistin bin ich Dokumkentarin der Realität und Bildinhalte geben nicht immer meine Meinung wieder.)
Fotoprojekt - HARTE SCHNITTE: Cut-Up-Reportage und -montage (fotojournalistisch künstlerische Beobachtungsskizzen): www.ichschneide.blogspot.com
Ausstellung demnächst.


© Tina Karolina Stauner

Ich sehe. Ich dokumentiere. Realitätsbeobachtungen nebenbei. Harte Schnitte. Mini-Collagen. Puzzle. Kaleidoskop. Abzüge erhältlich. Klein 110.- Euro. Und andere Gößen auf Anfrage.

Thursday, March 01, 2012

TINA KAROLINA STAUNER - "G E S P E N S T E R"
Gespenster und Geister - Die frühe Phase meines abstrakt-figurativ expressionistischen bildnerischen Arbeitens und die Künstlergruppe Cobra

Einige Jahre faszinierte mich in meiner künstlerischen Praxis ein ähnliches Konzept und eine Arbeitsweise wie die Künstlergruppe Cobra sie schon praktiziert hatte: Unmittelbarkeit, Automatismus, Impulsivität, Spontaneität, Intuitivität, Intuition. Emotions- und empfindungsbetonter schnell ausgeführter Gestus. Gegenstände wie Figuren, Leiber, Masken, Phantome, Gespenster, Geister in einem oft durch Literatur inspirierten phantastischen, manchmal satirischen, immer seltsamen bildnerischen Kosmos. Erst nach dieser Zeit gewann zunehmend auch Realismus in der Kunst für mich an Bedeutung.

Cobra war eine Gruppe, die von 1948 bis 1951 existierte. Der Name bildete sich aus den Anfangsbuchstaben der Städte Copenhagen, Brüssel und Amsterdam, aus denen die Gründungsmitglieder stammten. Zu denen neben Asger Jorn und Constant auch Christian Dotremont, Joseph Noiret, Karel Appel, Carl-Henning Pedersen und Corneille gehörten. Es schlossen sich u.a. Pierre Alechinsky und Lucebert an.

Das Programm von Cobra: In einem informellen und abstrakt-figurativen Expressionismus progressiv ohne akademische Normen arbeiten: "Die Kunst schöpft in der lebendigen Einbildungskraft, an der Grenze zwischen Bekanntem und Unbekanntem, Bewußtem und Unbewußtem, Wissen und Mysterium ihre neuen Kräfte...".



info: www.gespensterundgeister.blogspot.com

"G e s p e n s t e r" präsentiert von f i x p o e t r y Salon

Sunday, February 19, 2012

Poetryletter "COLD PLAY" bei fixpoetry

Poetryletter 218 "COLD PLAY" bei fixpoetry:
www.fixpoetry.com/poetryletter
Artwork: Tina Karolina Stauner
www.memoryvision.tumblr.com
Gedicht: Markus Breidenich
www.markusbreidenich.de
Layout: Korrina Feierabend
www.korinnafeierabend.de

Der Poetryletter ist in Form eines hochwertigen Druckes auf 190g William Turner Papier in den Maßen 30 x 40 cm auf FIXPOETRY.com www.fixpoetry.com zu erwerben.
Artwork aus
whiteoutproject.tumblr.com/
www.fixpoetry.com/autoren/illustration/feuilleton/tina-karolina-stauner

© Tina Karolina Stauner

aus "ZEN HARD-EDGE"
www.zenhardedge.blogspot.com
© Tina Karolina Stauner

Wednesday, December 14, 2011


Ellsworth Kelly
black curve in relief, 2009

Purismus des Formenkanons: Ellsworth Kelly im Haus der Kunst München -
schwarz & weiß
07.10.11 - 22.01.12
www.hausderkunst.de

Sunday, November 27, 2011

Musikalische Episoden - Strings, skins, breath, circuitry.
Fred Frith "Clearing Customs" (Intakt)

"Clearing Customs" ist eine gut einstündige Improvisation, die auf einer Komposition von Fred Frith, einem graphisch strukturierten Grundmodell, aufbaut. Musikalische Ereignisse diverser Art wurden dabei entlang einer timeline miteinander verknüpft. Frith und sechs Mitmusiker aus verschiedenen Kulturkreisen improvisierten unter Einbeziehung von Instrumenten wie der chinesischen Zither Guzheng oder der indischen Trommel Mridangam und mit sehr betontem Trompetensound und elektronisch Ambienthaftem. Bezeichnet wird das Stück auch als Suite eines multinationalen Septetts und wurde im Rahmen des SWR NEWJazz Meetings 2007 in konzentrierter Arbeit und entspannter Atmosphäre aufgenommen. Mit Wu Fei an Guzheng und Gesang, Anantha Krishnan an Mridangam und Tablas, Marque Gilmore an Drums, Tilman Müller an Trompete, Patrice Scanlon und Daniela Cattivelli an Electronics und Fred Frith an Gitarre und Home-Made Instruments. Das ist: Strings, skins, breath, circuitry. Borderless, jazzy, folky, noisy, ethno-elektroacoustic lyrical abstract sound. Mal schwerelos treibend, mal druckvoll groovend. Explizit sollte der kulturelle Background und die musikalische Ausbildung der Musiker extrem weit auseinanderliegen. So konnten Grenzen aufgehoben werden und konnte in besonders weitblickender Kreativität gespielt werden. Musikalische Episoden, Östliches und Westliches, traditionell Jazziges und elektronisch Improvisiertes wurden zu einem organischen Ganzen.

www.fredfrith.com

veröffentlicht: www.skug.at www.culturmag.de

Saturday, November 26, 2011


f i x p o e t r y präsentiert meine künstlerische Arbeit im Salon:
f i x p o e t r y Salon
Gefeatured wird "whiteout" und "Bunker" aus dem Projekt "Zen Hard-Edge": f i x p o e t r y Tina Karolina Stauner

Tuesday, October 25, 2011

Nick Lowe - Fake-50s/60s

Nick Lowe, das ist der, der 1978 in der Nach-Punk-Aera mit der genialen Platte "Jesus of Cool" auftauchte. Der Londoner, der damals im New Wave die Energie von Rock n' Roll und Punk mit Songs wie " I Love The Sound Of Breaking Glass" weitertransformierte ist nun 62-jährig, weißhaarig, schwarzbebrillt, mit einem sehr gelungenen 13. Album "The Old Magic" da. Klingt cool-modernistisch und timeless-oldfashined. Mit viel Leichtigkeit, Souveränität, Können. Nick Lowe zeigt wieder Sensibilität, Gefühl und Liebe für swingenden Rock n' Roll mit einem Touch Country, mit einer Idee Pop, mit einem Kick 50s und 60s und mit ironischen Texten. Das wirkt wie eine kleine Zeitreise. Nachmittags zur Kaffeepause anhören: Inspiriert auf jeden Fall zu guter Laune! Die Band spielt vorzüglich, straight, mit Verve, aber ein bisschen laid-back. Lowe ist an der Rhythmusgitarre, in der Besetzung noch zwei weitere Gitarristen. Zudem Schlagzeug, Upright Bass, Orgel, Piano, Vibraphon. Und Lowe hat besonders mit "Sensitive Man" wieder mal einen so was von wunderbaren Song.

Nick Lowe "The Old Magic" (Proper/Rattay)

www.nicklowe.com

veröffentlicht: www.skug.at www.culturmag.de

Sunday, October 23, 2011

Flashbacks - Dieter Dorns Theater
"Theater ist politisch oder es ist kein Theater"?

Für wen die Theaterzeit von Dieter Dorn und seine Intendanz am Bayerischen Staatsschauspiel nicht sofort der Vergessenheit angehört, ob nun mit Aktuellem vergleichend, negativ kritisierend oder positiv schätzend, der kann den Bildband "Sinnliche Aufklärung - Dieter Dorn und das Bayerische Staatsschauspiel 2001-2011" zur Hand nehmen: Schauspielerporträts, Szenenfotos, Bühnenbildaufnahmen, Texte zum Theater dieser Jahre und eine Auflistung der Stücke. Die durchwegs starken Fotos stammen von den beiden Fotografen Thomas Dashuber und Oda Sternberg. Das Buch beginnt mit dem Satz: "Theater ist politisch oder es ist kein Theater." (aus "Theater als Gesellschaftskunst", Hans-Joachim Ruckhäberle) (Hirmer Verlag)

Interview am 07.06.2011 von faz.net mit Dieter Dorn:
Interview

Fotograf Thomas Dashuber: www.dashuber.de

Friday, October 21, 2011

Risidenztheater München: Theater, dieser "rettende kultische Ort" müsse "ein Gefühl für die Bedrohlichkeit der Welt erhalten", so Martin Kusej. Das ehemalige Staatsschauspiel München kann seit diesem Oktober 2011 nun als Residenztheater unter neuer Intendanz von Kusej in den Fokus genommen werden.

"Krise heisst Höhepunkt" ist einer der diversen Spielzeitanfangs-Werbeslogan des Residenztheaters. Kräftige rote Schrift auf schwarzem Grund. Die Werbekampagne in den Straßen der Stadt im Vorfeld ließ nicht daran zweifeln, dass man alles andere als bloß elitär l'art pour l'art präsentieren will. Natürlich. Dass es definitiv intellektuell um Auseinandersetzung und Widerstand gehen soll. Dies allerdings besten Stils. Und auch als Kontrapunkt zu zu mainstreamigen Events. Die Münchener Kulturszene muß dabei vielleicht erst mal zeigen, dass es das Residenztheater wirklich wert ist.

"Zur Mittagsstunde" - American Crime auf deutscher Theaterbühne mit souveränen Schauspielern mit einer guten Brise Coolness und Exklusivität.

Aufführende und Regie sind ein namhaftes Team. Die Souveränität nicht überstrapaziert prätentiös sondern klar, präzise und zeitgemäß. Theater und Relevanz.
Nachdem ein zum Aussenseiter gemachter Farbiger 37 Kollegen umgebracht hatte war John Smith, der ehemalige Vorgesetzte dieser Personen, einziger Überlebender. John, hervorragend gespielt von Norman Hacker, ein von Schuldgefühlen beladener Traumatrisierter mit verdächtiger Bekehrung zu Gott. John hatte während des Überfalls eine rettende Gotteserfahrung und ist nun geradezu missionarshaft unterwegs und kommt jedem damit suspekt vor: seiner Ex-Frau, seiner Ex-Geliebten, einer Ex-Kolleginnentocher und Prostituierten, einer Showmasterin, einem Anwalt und einem Polizisten. John aber ist und bleibt erleuchtet, spricht vom Licht Gottes und von Gottes Stimme. Früher ein grässlicher, machohafter Charakter, ist John nun ein Weichgespülter, der in Sachen übermäßiger Güte unterwegs ist und auf andere dabei lächerlich wirkt. Er scheint nach dem Überfall in einem Ausnahmezustand zu bleiben.
Die Textvorlage von Neil LaButes "Zur Mittagsstunde" ist so exzellent wie die Leistung der Schauspieler auf der Bühne des Residenztheaters. Von Wilfried Minks stammt sowohl Bühnenbild als auch Regie. Und zwar alles hochgradig perfekt . In der Tradition des amerikanischen Realismus. Genau so lässt sich tatsächlich auch die Substanz der Arbeit des amerikanischen Malers Edward Hopper weiterentwickeln und umsetzen. Die Bühne ist fast wie mit den Augen und der Lichtregie eines Hoppernachfolgers gesehen. Die Schauspieler in Kostümen von Renate Martin und Andreas Donhauser sind geradezu Figuren aus einem hopperesken Gemälde. Präziser Realismus.

"Voices" - "Eine moderne Passion" als abgründiges Pop-Musical

Der Regisseur Calixto Bieito hat in Zusammenarbeit mit Marc Rosich und der Bühnenbildnerin Rebecca Ringst eine Collage auf die Bühne des Cuvilléstheaters gebracht, die aus Musik, Texten und Szenen zum Begriff 'Passion' zusammengesetzt ist. Zentrale Themen sind Schmerzerfahrung, Leid, Abgrund, Angst, Trauer. Und zwar ohne Religion. Collagenhaft wie das Inhaltliche auch formal die Bühnenrückwand, bestehend aus vielen beweglichen, schwarzen Lautsprecherboxen und eingefügten Monitoren, auf denen Augen und Lippen zu sehen sind. Die vom Kopenhagener Betty Nansen Teatret aufgeführten Bühnenszenen von "Voices" vor dieser Wand wirken teils übermäßig pathetisch, teils auch amüsant skurril. Manchmal in einer Stimmung wie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Szenen wie eine Höllenvision zwischen Barock und Punk. Ein "Tanzen-auch-auf-Gräbern": Tanzen, singen, schreiben, damit in einer sinnlos scheinenden Gegenwart die Vergangenheit nicht auffrisst und in der Zukunft: "Der Tod wird mich lebend antreffen.", sagt eine Protagonistin. Unzählige Texte und Songs sind aneinandergeschachtelt von so konträren Charakteren wie beispielsweise Thomas Bernhard und Johnny Cash, PJ Harvey und Cesare Pavese, J.S. Bach und Cormac McCarthy. Eine Inszenierung an der Borderline von Kitsch, Kunst, Kommerz und Psychogramm. Und mit Kinderchor. Calixto Bieito hat aus diesem schwerlastigen, düsteren Stück eine Art nahegehend unterhaltsames Musical zusammengestellt.


Marstall München, "Eyjafjallajökull-Tam-Tam" von Helmut Krausser
Foto: © Tina Karolina Stauner

"Eyjafjallajökull-Tam-Tam" - "...der Raum blinzelt den Flaneur an..." (Walter Benjamin)

Als Theaterbesucher irrt man umher zwischen Schauspielern, die Flugpersonal und Passagiere sind, zwischen zwei Hallen, vielen Türen und Gängen, die nirgends weiterführen und zwischen Stückszenen, Fernsehschirmbildern und Videoleinwandprojektion im Düsteren und zwischen blauer Beleuchtung . Das ganze Areal des Marstall ist vom Ausstatter Alain Rappaport zur Bühne gemacht auf der sich die Stückemacher und das Publikum ohne formale Trennung gemeinsam aufhalten. Jeder ist mittendrin, wählt jederzeit frei aus, wo er was miterleben will. In einer labyrinthartigen Abflughalle. Flugverbot für alle. Alle sitzen fest. In "Eyjafjallajökull-Tam-Tam", geschrieben von Helmut Krausser und inszeniert von Robert Lehninger, vermischen sich Kommunikationsszenen, Theaterszenen, Beobachtende. Schließlich Pogo mit Band auf einer Bühne und eine Art Endspiel zur akustischen Gitarre um's Lagerfeuer. Ist das Krausser light? "Wenn's überhaupt Kunst wäre.", wird einem gestrandeten Künstler im Stück gesagt. Vielleicht so etwas wie eine Lockerungsübung zwischendurch für Autor, Regisseur, Performer, Zuschauer. Transiträume sind so. Flugplatzhallen sind Transiträume. Nicht-Ort als Schutzraum, Halt oder Endstation, Abgrund. "Transitorische Räume sind die gültigen Orte unserer Gegenwart - ästhetisch austauschbare Orte flüchtiger unverbindlicher Begegnungen, die man einsam durchquert, während man zugleich in der Masse all der Anderen geborgen scheint..." (Marc Augé) Das Stück ist für das ganze neue Ensemble des Residenztheaters geschrieben, das sich damit vorstellt. Zwei zentrale Stückfiguren sind Künstler, die sich der Erschaffung von Neuem, Autonomem verschrieben haben. Der Zuschauer wird Flaneur. Gesprächsthemen der Szenen sind Leben und Tod, Galaxien des Alltags und der Welt und des Alls. Nach knapp eineinhalb Stunden mischt man sich draussen ins Innenstadtleben, so wie man sich vorher unter die Reisenden und Wegelagerer in der Abflughalle des Stücks gesellte.


Marstall München, "Wir Glückskinder der ersten Globalisierung"
Foto: © Tina Karolina Stauner

"Wir Glückskinder der ersten Globalisierung", Veranstaltungsreihe von zu mit über Alexander Kluge - "...In den Lücken des Eises hatten sich unsere Vorfahren für Millionen Jahre zur Verteidigung eingerichtet, Lebenskraft gestaut.Jetzt löste sich der Bann, der Planet erwärmte sich. Die Lebewesen breiteten sich über den Erdball aus, zu Wasser, zu Lande. Dies war die erste Globalisierung..." (Kluge)

Ein Musikprojekt von Gustav und der Film "Landschaften mit Schnee und Eis" von Alexander Kluge treffen zum Thema 'Hitze Kälte" aufeinander. Das Wiener Songwriter- und Medienkünstler-Zuckerstückchen Gustav mit den schwer inhaltlichen Texten und leichten Popmelodien hat sich mit einem Kaliber wie Kluge auseinandergesetzt. Gustav, namentlich Eva Jantschitsch, hat die Show 'Kluge Hitze Kälte' zusammengestellt. Und das dann mit Band und mit Projektion im Marstall sehr hübsch auf die Bühne gebracht. Dafür verwendet wurden von Gustav produzierte Filmaufnahmen und Sequenzen aus "Landschaften mit Schnee und Eis" von Kluge mit Glühbirne, Streichholz, Eiszapfen etc. in Nahaufname zu Laptop-Musik mit Gitarre, Bass, Schlagzeug, Flügel, Keyboards und Akkordeon in der Band. Ein stimmungsvolles Bühnen-Klang- und -Bilderbuch. Im zweiten Teil des Abends gibt es den ersten Teil des genannten Kluge-Films mit Musik von György Kurtág, György Ligeti , Morton Feldman u.a. Wenn auch nicht jeder Gustav-Fan bleibt und dann die Filmrezeption will. Kluge, der fast 80-jährige gesprächsgewandte Filmemacher, Fernsehproduzent, Schriftsteller und Drehbuchautor kommentiert zwischendurch die Veranstaltung. Und er, einst Adorno-Schüler, wiederholt aus einem Gustav-Song den Satz: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen Hasen". Und es gibt Stichworte wie: Mehr Glück als Verstand, Spiel im Kopf, kleiner Mann im Ohr, Schnee, Lampe, Katze, Welt... - "...Globalisierung. Von diesem Glücksfall tragen wir einen Hoffnungsvorrat in uns, in den Kochen, den Augen, den Ohren, in unserem Gehirn, auf der Haut, in jeder Regung." (aus "Die Lücke, die der Teufel lässt", Kluge)
Die Kluge-Reihe wird in mehreren Terminen fortgesetzt mit Diskussion, Lesung, Film.

"Ich denke Slavoj Zizek hat Recht, der Philosoph aus Ljubljana, der feststellt, dass wir in einer Welt süchtiger Überbietung leben, in der Schocks und Katastrophen ihre provokative Kraft verloren haben." (Kusej)

Ein höchst informatives Buch "Bühnenbauer" von Wilfried Minks und Ulrike Maack über die Arbeit von Wilfried Minks wurde 2011 bei Suhrkamp veröffentlicht. Auf den schwarzen Papiereinband ist auf die Rückseite weiß gedruckt: "Ich habe die Bühnenbilder von ihrer illustrativen Aufgabe befreit und ihnen Autonomie gegeben."

www.residenztheater.de
www.martinkusej.de
www.kluge-alexander.de

veröffentlicht: www.skug.at

Thursday, October 13, 2011

Theater dieser "rettende kultische Ort" II ... Theater über und gegen die Gefahren in dieser Welt - Kammerspiele München: gesellschaftlich diskursives Theater

Seiner zweiten Spielzeit in den Kammerspielen München stellt Johan Simons Fragen voran wie : "Was heißt es einen Spielplan zu entwickeln in dieser Zeit, wo die Demokratie weltweit unter Druck steht?" Natürlich soll Theater politisch und gesellschaftlich diskursiv und von Relevanz sein. Dann gibt es auch einen guten Grund ein Theater zu besuchen.

"E la nave va", Schauspielhaus, 29.09.11

"Im Bewusstsein 'am Rande des Vulkans' zu sitzen weigert sich Fellini dennoch an das Ende der Welt zu glauben.", so ein Infotext. Das weigert sich wohl fast jeder auf seine Art. Johan Simons Inszenierung "E la nave va" tut dies in Karikaturistenmanier.

Die Lebenswelt von abgehobenen Opernstars samt Umfeld und von serbischen politischen Flüchtlingen und einfachen Maschinenraumarbeitern trifft auf einem Transatlantikdampfer für kurze Zeit aufeinander. Basierend auf zwei von Simons ineinandergefügten Werken: "Der haarige Affe" von Eugene O'Neill 1921 geschrieben und "E La Nave Va", ein Film 1983 von Frederico Fellini gedreht, 1914 spielend. Zwar tradiertem Theater nahe, insbesondere das Bühnenbild von Bert Neumann, aber gekonnt und stark karikaturhaft hat Simons inszeniert. Überspitzende Ironie, Halb-Gesichtsmasken, geziertes, bizarres Gehabe, puppige, marionettenhafte Bewegungen, so zeigt sich eine Schickeria auf Deck, das eine sehr schiefe Ebene ist, auf der sich alle nur schwerlich und nicht immer halten können. Das allerdings unterhaltsam und bewußt comicfigurenhaft Grandeza und Eleganz. Hervorgehoben durch die Kostüme von Nina Christine von Mechow. Herausgearbeitet wird die Konfrontation von Gesellschaftsschichten, der sich die elitäre Kulturszene, die die Schiffsbestattung eines Weltstars feiert, letzlich entzieht. Unterschicht bleibt chancenlos. Gerade hat Österreich Serbien den Krieg erklärt, die serbischen Flüchtlinge werden nicht gerettet sondern ausgeliefert und ein Arbeiter wird von dem Tiermonster, das Unterdeck mittransportiert wird, umgebracht, kann sich nicht wie gewollt etablieren. Sehr amüsant perfekt überzeichnet umgesetzt auf der Bühne.

"Gift", Schauspielhaus, 04.10.11

Reden, reden, reden. Und wenn es der falsche Ort ist und die falsche Zeit: einen anderen Ort und eine andere Zeit gibt es nicht.

"Gift" in Zusammenarbeit mit NTGent und von Lot Vekemans geschrieben ist ein Dialog. Ein seit einem Jahrzehnt getrennt lebendes Ehepaar trifft sich wieder. Anlässlich wegen Bodenvergiftung gesetzten Grabumbettungstermins eines Kindes. Das Paar führt ein Gespräch auf einer Art Sitztreppe eines Krematoriums. Von dem Bühnenbildner Leo de Nijs als Realismusversatzstück für die Bühne designt. Unter Regieführung von Johan Simons und weitgehend bei auf der Bühne und im Zuschauerraum gleich hellem Scheinwerferlicht wird Beziehungssituation diskutiert oder zerredet, psychologisch ausgelotet und Lebensentwurf hinterfragt. Als hätte Gift auch das Beziehungsleben bzw. Nicht-Beziehungsleben verseucht. Das Paar in einem Gespräch, das "Tanz der Unvollkommenheit" als Wechselspiel aus Schmerz, Wohlbefinden, Trauer, Leichtigkeit, Grausamkeit vorführt. Neben Humorschwierigkeitsgrad Sarkasmus klinkt sich schließlich unterbrechend als Dritter aus dem Zuschauerraum kommend ein Countertenor mit Bernsteins „It must be so“ ein. Der die Situation allerdings nicht wirklich aufbricht. Schön wer ein Lied hat: "The dawn will find me / Alone in some strange land".

"Dunkelkammer", Spielhalle, 30.10.11

Theater wie Neues aus Bildern und persönlicher Erinnerung entstehend, sich entwickelnd wie in der Dunkelkammer eines Fotografen.

Freie Spielform und Videoprojektion verwendet Dries Verhoeven in "Dunkelkammer". In der abgedunkelten Halle, die Rauminstallation ist, sitzen die Zuschauer im Kreis auf Drehhockern um einen Freiraum in der Mitte des Raums, der für Szenisches vorgesehen ist. Umgeben von Videobildern an allen vier Wänden. Bei Verhoeven darf nicht nur das Theater als Ort fehlen sondern auch der Schauspieler. Die Performer sollen nur sich selber darstellen. Hier agieren Blinde, teilweise auch im Publikum. Dieses Ensemble hat zudem die Texte geschrieben neben Tim Etchells.

"Dunkelkammer" ist ein Sück, bei dem es um Sehen oder auch Nicht-Sehen geht. Für die Produktion sind Blinde in der Innenstadt Münchens unterwegs und dabei gefilmt wird Straßenleben, das dann in der Halle im Großformat zu sehen ist wie auch die Köpfe der Akteure im Raum in filmischer Nahaufnahme. Großstadt-Alltagssituationen und -impressionen. Also eigentlich nichts Aussergewöhnliches und Inszeniertes und doch stellt sich bei mir sofort eine besondere, wie surrealistische Stimmung ein, bei der ich zwischen den Passanten, Performern und Zuschauern Louis Aragon, André Breton, Philippe Soupault im Dunklen auftauchen sehen möchte. Könnten alle Surrealisten nicht als Wiedergänger aus der Vergangenheit hereinkommen?! Das Handeln und die Kommunikation der Blinden im Stück scheint nicht immer Sinn zu ergeben, ist manchmal wie gleichzeitig an der Realität vorbei und in der Realität. Was sehr reizvoll wirkt. Alles geradezu surrealistisch. Die Stimmung zwischendurch auch getragen von wunderhübschen Klaviermelodien.

Verhoeven, der München als sehr reserviert erlebte verglichen mit Brüssel, spricht von "klarer Vision vomTheater als Gesamterfahrung". In der Nähe der Maximiliansstraße, die so ungefähr das "Epizentrum der deutschen Repräsentationskultur" sei, machte er sich Gedanken darüber, dass das Auge einerseits verwöhnt werden will, dass es aber andererseits das "Verlangen nach wertfreiem Blick" gebe. Verhoven: "Es sind nicht unsere Augen, die sehen, es sind unsere Gehirne, die die Information, die als Licht auf unsere Netzhaut fällt, in Bilder übersetzen. Das ist unsere Dunkelkammer. Dort werden unsere Negative in einer komplexen Prozedur entwickelt."

“Can the knowledge deriving from reason even begin to compare with knowledge perceptible by sense?” (Louis Aragon)

www.muenchner-kammerspiele.de

veröffentlicht: www.skug.at

Wednesday, October 12, 2011

"When Past & Future Collide"
John Cale live und ein gutes Maß an Perfektion

John Cale brachte und bringt derzeit sein "When Past & Future Collide: Paris 1919" auf die Bühne. Am 06.10.11 in Essen bei der Ruhrtriennale und am 21.11.11 in Malmo in Schweden in der Oper. In Essen in der Lichtburg, einem Kinosaal, konnte ich beobachten mit welcher Perfektion das bereits bekannte musikalische Konzept unter sehr sicherem Dirigat von Harry Curtis mit den Bochumer Symphonikern umgesetzt wurde. Da dieses Orchester weiß, was es tut, bestand für Cale kein Risiko. Dass man "Paris 1919", jenes zwielichtig-melancholisch-literarisch-orchestrale Album aus dem Jahr 1973, damals u.a. mit Bandmitgliedern von Little Feat eingespielt, musikalisch in eine neue, extremere Dimension weiterentwickeln könnte, könnte, denn getan wurde dies nicht, ist natürlich, wem Neue Musik vertraut ist, klar und eine andere Sache. Es muß nicht zwingend vorgenommen werden, doch sollte wohl einmal.
Die Welt von Dandys, Movie queens, Literaten und Bohemians von"Paris 1919" ist wie ein reichhaltiger Pool poetischer Energie, der immer noch immense Mitteilkraft spüren lässt und über die Jahre nichts an Aussagekraft eingebüst hat. Es ließe sich daraus zitieren und zitieren und zitieren. Hier nur dies: "Nothing frightens me more/ Than religion at my door" aus "Hanky Panky Nohow".
Die derzeitige Band neben Cale an seinem Piano und akustischer und elektrischer Gitarre bestehend aus Gitarist Dustin Boyer, Schlagzeuger Michael Jerome und neuem Bassist Joey Maramba präsentierte sich, vermutlich nicht nur in Essen, erfreulich um einiges präziser als bisher. Was beim zweiten Song-Set des Abends nach dem ersten Teil "Paris 1919" gerade auch einigen Stücken aus dem aktuellen "Extra Playful" zugute kam. Die Konfrontation des frühen Songmaterials mit brandaktuellem war ein spannungsgeladenes aneinandergeraten von düsterer Romantiktiefe mit Orchester und oberflächlich hell-profanem Pop. Auf der aktuellen CD "Extra Playful" werden drum loops, electronic elements, vocoder effect verwendet. Und Cale ist damit endlich raus aus seiner für mich mehr als fraglichen "Circus"-Phase.

www.john-cale.com
www.harrycurtis.com
www.bochumer-symphoniker.de

Tuesday, October 11, 2011


Residenztheater München, Spielzeitbeginn 2011
Foto: © Tina Karolina Stauner

Thursday, September 29, 2011

John Vanderslice, Kranhalle München, 20.09.11

Nenn es halt weiße Wildnis, wie Vanderslice
Seit Wochen ist mir nach purem amerikanischem Songwriting live. Doch kein Konzert weit und breit in der Stadt. Schließlich John Vanderslice in der Kranhalle des Feierwerk. Vanderclice ist nicht hundertprozentig was ich will. Aber annähernd. Also gehe ich hin.

Vanderslice befindet sich bereits auf der Bühne als ich reinkomme. Kleine Besetzung. Nur er mit Gitarre und der Schlagzeuger Jason Slota. Der nebenbei auch Moog spielt. Vanderslice wechselt zwischen E-Gitarre und akustischer Gitarre. Und es ist genau das, was ich erwarte: ein hübsches Konzert. Für einen kleinen Kreis von Zuschauern. Für substanzielles, oder wenigstens tendenziell substanzielles amerikanisches Songwriting gibt es in München offenbar nicht immer Publikum. Es sind grade mal etwa 30 Leute da. Die Generation in Vanderslices Alter Mitte 40 oder auch darüber fehlt fast völlig. Irritierenderweise haben sich nur einige der Generation der 20-somethings im Konzert versammelt.
Gab es nicht auch schon früher diese Konzerte für Insider?! John Martyn mit akustischer Gitarre solo und zwei Dutzend im Saal. Aber exzellentes Konzert.

John Vanderslice hat nicht ganz die Klasse eines John Martyn. Aber Vanderslices Texte sind nicht belanglos und er beherrscht mindestens passabel seine Gitarre. Er leitet in eine poetische Welt, in der auch politische Aussagen Platz bekommen. Er ist manchmal offen regierungskonträr, thematisiert gern provozierend, wie z.B. Pornosucht, und zeigt sich nicht mainstream-kompatibel: "The sky was growing pale / So we held on to the twisted trail / The ground was getting cold / It was too far out to turn around and go home // The moon rose dim above / It was impossible to tell what time it was..." ("White Wilderness")
Beim letzten Song werden Percussioninstrumente unter den Zuschauern verteilt, Vanderslice und Slota gehen zum Spielen mitten ins Publikum und um alle kreisen lauter Lichtpünktchen. Nettes Konzert.

www.johnvanderslice.com

veröffentlicht: www.skug.at

Monday, September 12, 2011


"Noisy Love Songs" Okkyung Lee (Tzadik/Sunny Moon, 2011)
Pastellartig-klangliche düstere Kontemplation

"Nach dem Regen fällt ein Tropfen - Grün!"

"Noisy Love Songs" als Teil der New Yorker Avantgarde tendiert stärker zum Ruralen, zum Vergangenen als zum Urbanen, Zukünftigen. Die Gegenwart ist dabei als eine Atmosphäre erlebbar, die sich der Langsamkeit, Introspektion, Introvertiertheit mehr annähert als dem Hektischen, Extrovertierten, Exzentrischen. Nicht aus avantgardeistischer Perspektive sondern der der Romantik muß man die Songs vielleicht noisy nennen. Es herrschenen vor Filigranes, Feinheiten, Gedämpftes, nicht Grobes, Hartes, Lautes. Es geht hier um Sanftes aus heutiger Großstadtsicht. In Farben wären diese Klänge möglicherweise Schattierungen in Weiß- und Gelbtönen. Darauf spielen auch Adjektivfragmente der Songbezeichnungen an. Die Stücke klingen aber auch manchmal düster und dunkel. Den Kompositionen ist verhalten experimentierend Improvisierendes hinzugefügt.
Okkyung Lee ist eine 1975 in Korea geborene, in Amerika klassisch ausgebildete Komponistin und Cellistin. Doch sie ist schon seit einem Jahrzehnt in der New Yorker Avantgarde des Jazz und Free Jazz heimisch. Spielte mit in der Szene anerkannten, namhaften Musikern/Musikerinnen wie z.B. Derek Bailey, Carla Bozulich, Nels Cline, Anthony Coleman, Laurie Anderson, Fred Frith, Thurston Moore, Jim O'Rourke, Evan Parker, Zeena Parkins, John Zorn. Auf "Noisy Love Songs" sind folgende Mitmusiker zu finden: Cornelius Dufallo (Violine), Christopher Tordini (Bass), Satoshi Takeishi, Ikue Mori, John Hollenbeck (Percussion, Electronics), Peter Evans (Trumpete), Craig Taborn (Piano).
Der Grundstimmung und den Bewegungen der Musik von "Noisy Love Songs" sind asiatische Sport- und Meditationsübungen mit ihren eigenen rhythmischen und inhaltlichen Gesetzen in Zeit und Handlung durchaus verwandt. Ein Song heißt auch "Kung".
Andere Songs der CD lehnen sich an an Worte wie Nacht, Regen, Baum, Karussell, Fluss, Stahl, Stille, Körper. Sprechen die körperliche Sinnlichkeit mehr an als das mental Aanalysierende. Weitere Worte wie Morgen, Antwort können vielleicht evozieren, dass es wert ist den Morgen zu verbringen abseits der Mühlen eines effekthascherisch grell-bunten Weltgetriebes. Mit Abwarten, Tee trinken, Musik und Literatur. Man trinkt Tee, um den Lärm der Welt zu vergessen. Bestens zu dieser Aussage passt "Noisy Love Songs". Musik für Menschen, die nicht den Lärm der Welt herausfordern wollen sondern einen asiatisch-amerikanischen Klangraum der Zurückgezogenheit. Dabei aber jederzeit bis über die Grenzen zum Atonalen gehen. Alles kann dabei Selbstgegenstand des Absoluten sein, alles Seiende kann in sich gespiegelt sein. Musik die durchaus auch Zen-Gedichten entspricht. Musik, bei der man feine Unterscheidungen wahrnehmen können muß wie bei dem Spektrum asiatischer Tees.

Sollte ich der CD Text hinzufügen wollen, dann denke ich an den Zen-Literaturkontext.
"...Am frühen Morgen / Höre ich / den Gesang / Der Fischer / Auf dem Izumi-Fluß" (Otomo no Yakamochi)
"Frühlingsregen! / Reden und gehen / Zusammen mit Regenmantel und Regenschirm" (Buson)
Okkyung Lee hingegen hat ein Zitat aus Samuel Becketts 1946 geschriebender Kurzgeschichte "First Love" verwendet.

Buddhismus und Zen wurde in Korea im 9. Jh. durch den Mönch Toui eingeführt. Der chinesischen Tradition der Tang-Zeit folgend errichteten weitere Gründermönche Tempel in den Bergen Koreas, weshalb ihre Schulen „Berg-Schulen“ genannt wurden.

Okkung Lee Blog
Okkyung Lee-Filme von Andrew Lambert
Zen und Buddhismus in Korea
Teegeschichte

veröffentlicht: www.skug.at www.culturmag.de

Sunday, September 04, 2011


Qluster "Fragen" (Bureau B/Tapete, 2011)

Die Geschichte einer der entscheidenden deutschen experimentellen Elektronikgruppen mit über 40-jähriger Tradition ist betitelt mit Kluster, Cluster, Qluster: KLUSTER (Hans Joachim Roedelius, Dieter Moebius, Conrad Schnitzler), CLUSTER (Roedelius, Dieter Moebius) und QLUSTER (Roedelius, Onnen Bock).
Die bisherige Kollaboration Cluster gibt es nicht mehr. Die neue Formation heißt Qluster und ist Roedelius (u.a. mit Kluster/Cluster, Harmonia, Aquarello und als Solomusiker im Krautrock und Ambientspektrum) und Onnen Bock (u.a. mit Zeitkratzer, Christina Kubisch im Avantgardebereich und Tontechniker für die Berliner Philharmoniker und die Volksbühne).
Derzeitiges Konzept von Qluster ist die Veröffentlichung einer Trilogie "Rufen - Fragen - Antworten" mit einer Klavier-, einer live-, einer analogen Synthesizer-Aufnahme. Das Instrumentarium dafür Piano, Elektroakustik, analoge Synthesizer z.B. Roland Jupiter 4, Jamaha CS 70 M, Korg MS 20.
Die CD "Fragen" ist Improvisation und Abstraktion von Roedelius und Bock mit analogen Keyboards. Instrumente, die die Erzeugung jeder Klangart, auch bläser- und streicherartig, mit einschließen. Vordergründig sind bei "Fragen" oft horizontale Klangschichten über mehr oder weniger oder gar nicht betonten vertikalen Klangrhythmen.
"Fragen" veranlasst einen regelrecht Räume zu visualisieren. Große, helle Räume. Eher geschichtsträchtige. Klangräume der Rockmusik oder durchaus des westlichen oder östlichen Sakralen. Manchmal tauchen in der Vorstellungswelt Fragmente von Kirchenraum auf oder von Tempel. Manchmal Konzertsaalarchitektur. Eigentlicht wirken manche Klangpassagen eher abweisend, fast sogar schroff. Motivieren dann aber wieder freundlich und sanft sich treiben zu lassen in fließenden Tonsphären. Es ist ein Wechselspiel zwischen zurückstoßen, annehmen und auffordern, zwischen Härte und Weichheit. Und es ist auch ein Zwischenraum. In dem der Versucht möglich ist zu visualisieren was war, was ist, was sein könnte, was sein wird. Intendiert ist bei dieser Musik das Visualisieren. Nicht kurze Momente. Sondern große Zeiträume. Nicht New Age. Sondern Ambient als Klangarchitektur für Räume mit spirituellem Charakter oder der Rockmusikgeschichte. Der Psychedelik mehr klangfremd. Dem Atonalen der Geschichte der elektroakustischen Musik doch immanent. Qluster sind spröder, irrealer, unnahbarer, zurückhaltender, widerspenstiger Partizipient dieses Genres. Sie sind ein "Zartbitter", wie auch ein Song der CD sagt.


www.qluster.info

veröffentlicht: skug print www.skug.at

Saturday, September 03, 2011


Birgit Ulher "choices" (Another Timbre, 2011)

Konsequent experimentell in der internationalen Improvisationsszene ist Birgit Ulher mit ihrer Trompete. Oft in einem vollkommen freien Bereich, in dem ohne Themen und Absprachen aus dem Moment improvisiert wird, real time music genannt. Töne wie in einem Kontext einer ureigenen Schrift mit eigener Grammatik und Rechtschreibung.
Auf "choices" mit Trompete, Tondämpfer und Radio und in Kollaboration mit Lucio Capece an Sopransaxophon, an Bassklarinette und an Minimegafon sind drei Stücke, die "physical", "chance", "orbital" bezeichnet sind.
Dem Stück "physical" ist ein vorsichtiges, aber auch hart werdendes Pulsen und Vorwärtsbewegen integriert neben den oft wie schwirrenden, klirrenden Tönen und es wirkt insgesamt beinahe zerbrechlich. Die Klänge des lang ausgedehnten "chance" sind auch versehen mit nervös sirrendem Kreischen und Scheppern neben leisen, sinnlichen, manchmal auch stark spitzen hellen oder dumpf dunklen Unter- und Obertönen. In dem kurzen "orbital" ist Fiepen, Dröhnen in sich besonders räumlich entfaltenden Klangschichten zu finden.
Blasinstrumente können brummend, murmelnd, keuchend, kratzend, klopfend und in vielen weiteren oft unüblichen Schattierungen erklingen und experimentell eingesetzt werden. Statt konventionelle Musik kann man damit alle möglichen Geräuschklangwelten produzieren.
"choices" ist wie Textur in der bildenden Kunst. Ulher studierte ursprünglich Malerei. Nur wenn man unbedingt will kann man mit der Musikwelt von "choices"auch Realismus absolut oder relativ frei assoziieren in einem Strom der Ideen, der der freien Improvisation entspricht und mentale Entspannung oder Irritation evozieren kann.


www.birgit-ulher.de

veröffentlicht: www.culturmag.de

Thursday, July 28, 2011

“Realism is nothing more and nothing less than the truthful treatment of material.” (William Dean Howells)


Breece D'J Pancake - "Stories" (weissbooks)

Hinterwäldlerweisheit statt Weltgewandtheit

Realismus - Amerikanischer Realismus

Realismus ist schon immer eine Geisteshaltung. Ob im 19. Jahrhundert in der Literatur, ob in der Neuen Sachlichkeit der Malerei des 20. Jahrhundert oder heute hier wie dort. Auch Realismus existiert noch in der Postmoderne. Realismus ist einfach betrachtet für alle und jeden das Fassbare, Objektive. Aber Realismus ist weit mehr.
Der amerikanische Realismus des Autors Breece D'J Pancake ist erst einmal einordenbar in klassische amerikanische Story. Exakter Realismus und keine weiteren Ismen. Aufmerksamer betrachtet: Präziserer Realismus lässt sich kaum schreiben. Bei der Annäherung an Pancake lässt sich zudem begreifen, dass es Abstufungen im Realismus gibt. Und dass Pancake sehr weit gegangen ist. So weit, dass er es offenbar nur ertrug ein Werk vom Umfang eines schmalen Buchs zu schaffen.
Scheint beispielsweise des öfteren Automatismus risikobeladen für einen Autor und Künstler gewesen zu sein, so sollte man vielleicht sagen: Sei vorsichtig mit dem Realismus. Mit realistischen Sichtweisen und darin verschieden mögliche zu kombinieren. Eine Vielzahl realistischer Positionen kann wissenschaftlich erörtert und diskutiert werden.

Hillbilly

"Almost heaven, West Virginia / Blue Ridge Mountains, Shenandoah River / Life is old there, older than the trees / Younger than the mountains growin' like a breeze..." (John Denver, Sommer 1974).
Breece D'J Pancake lebte von 1952 an in West Virginia. 1979 nahm er sich mit 27 Jahren das Leben. Nachdem er 12 Geschichten geschrieben hatte.
Mit Namen Breece Dexter Pancake in Milton geboren studierte er in Buckhannon und Hundington, unterrichtete Englisch und besuchte Schreibkurse. Als Hillbilly distanzierte er sich gerne von anderen. Pancake schätzte den Singer-Songwriter Phil Ochs, der sich als singender Journalist bezeichnete mit topical songs und der das Umfeld von z.B. Joan Baez, Pete Seeger und Bob Dylan und auch die Metropole New York frequentierte. Der Begriff Hillbilly gilt nicht nur in der Musik. Vielleicht kann man Pancakes Literatur old time literature nennen. Bewußt der Country- and Folk-Music, der Mountain Music nicht abgewandt. Das Getümmel von New York schien Pancake nicht anzuziehen. Er blieb in West Virginia, auch The Mountain State genannt. Einer der ärmsten Staaten Amerikas. Seine ersten Geschichten veröffentlichte Pancake in The Atlantic Monthly. Erst vier Jahre nach seinem Tod erschienen seine Stories als Buch. Und wurden nun bei weissbooks erstveröffentlicht in deutscher Übersetzung von Katharina Böhmer.

Breece D'J Pancakes Kulturkosmos

Pancakes literarische Welt war der raue, harte Alltag von Arbeiter-, Bergleuteexistenzen in der Provinz. Oder Hilfsarbeitern, die beruflich lieber unterwegs waren als in einer Heimat. Nicht der "american dream" war Pancakes Thema, sondern die Welt des einfachen Mannes. Nennt Jayne Anne Phillips die Stories von Pancake die amerikanischen "Dubliners"( James Joyce), so hat sie was die Qualität angeht sicherlich recht. Und Pancake hätte auch ein umfangreicheres, großartiges Werk vorlegen können. Aber er wäre vermutlich in eine andere Sphäre als die des Joyceschen "Ulysses" vorgedrungen. Er war zu sehr, zu tief Realist. In völlig frei fließende Assoziationen wäre Pancake wahrscheinlich literarisch nicht gegangen.

Pancake schrieb über ein pures aber eher grobes Leben ohne das dekadent Verfeinerte einer Großstadt. Ohne sophisticated Kosmopolitismus mit einzubeziehen. Das unterschied ihn von jemandem wie Ernest Hemingway. Auch wenn er diesem nicht ganz fern war. Pancake stand einem wie William Faulkner näher. Auch Faulkner schrieb über Provinzler. Aber Pancake war purerer Realismus als Faulkner. Faulkner hatte eine zusätzlich reflektierende Ebene, die Pancake wegließ. Pancake war direkter, noch schnörkelloser. Ländliches, Menschen, Dialoge. Das genügte für einen reduzierten aber perfekten, exzellenten, schonungslosen Realismus.
Wieder einmal vielleicht bei amerikanischem Realismus den Maler Edward Hopper erwähnen. American Scene. Als Anhaltspunkt, Hinweis. Hopper war analytischer, klarer Realismus. Wie ihn Pancake in der Sprache anlegte. Pankake ging nur im Härtegrad weiter. Pancake war spröder, aber wohl auch noch einfühlsamer. Wie mit einer Lupe betrachtete er alles und gab dann seine Beobachtungen in seiner Literatur weiter.

Abenteuer der Wirklichkeit

Die Frage nach der Realität stellte auch kürzlich die Münchner Hypo-Kunsthalle mit der Ausstellung "Das Abenteuer der Wirklichkeit". Die Moderne spricht vom Zweifel an der Darstellbarkeit der Realität. Davon, dass Objektivität zum Paradoxon wird. Realismus ist ein komplexes Phänomen. Realität ist Konstruktion. (Läßt sich den Informationen zur Ausstellung entnehmen.) Ausgesprochen detailliert und genau jedenfalls ist Pancake in die literarische Darstellung von Realität gegangen. Und ab einem bestimmen Maß an Genauigkeit der Realität ist das für einen Künstler vielleicht schwer ertragbar. Warum brachte ein Talent wie Pancake sich um? Vielleicht sah er zu präzise?



Abenteuer des Schreibens

In den Geschichten von Pancake immer wieder auftauchend dominierende Männer und deren Grausamkeit. Gegenüber der Welt der Frauen. Und überhaupt. So war das damals in der Provinz. Wohl nicht nur damals und dort. "...Er fühlte sich leer vom vielen Reden mit ihr und wollte nicht da sein, wenn sie wach wurde..." ("Der Schläger") Pancake, wach, schrieb. "...Ottie hört Sheila lachen, aber tiefer als er es in Erinnerung hat. Früher war ihr Lachen höher, und die alte Frau scheuchte sie über die Veranda und sagte: "Bitte nicht Schätzchen. Ein Lebewesen kann fühlen."..." ("Bei dieser Trockenheit") Pancake, fühlend, schrieb.
Pancake, sensibel aber unpathetisch, knallhart beobachtend, schrieb. Und brachte sich dann um. Ihm als Autor war Brutalität gegenüber anderen, wie sie etwa seine Protagonisten ausführten, fremd. Pancake, ein Realist, der der Welt zu früh abhandenkam.

www.weissbooks.com

"...And the red sun of the morning was smiling through the trees,
As the darkness of the night was quickly fading,
And the fog hugged the road like a cloudy, cloudy sea,
As we drove though the hills of West Virginia..."
(Phil Ochs)

Philip David Ochs

Hypo-Kunsthalle München - "Abenteuer der Wirklichkeit" (2010): Abenteuer der Wirklichkeit

veröffentlicht:
www.fixpoetry.com/feuilleton
www.fixpoetry.com

Tuesday, July 12, 2011

MINAMO - Improvistion zwischen Kammermusik und Jazz über Wasseroberfläche

Carla Kihlstedt und Satoko Fujii

Minamo ist das japanische Wort für Wasseroberfläche. Musikalische Imagination zum Reflektierenden, Bewegten, Fließenden. Musik wie Wasser nicht begrenzt, nicht konkret. Musik, zwar auch basierend auf klassischer Kammermusik, aber doch weit hineinentwickelt in die Beweglichkeit der Improvisation.
Satoko Fujii zu Minamo: “Dinge, die keine feste Gestalt haben, sind sehr stark. Das ist wahrscheinlich eine sehr japanische Idee. Wasser hat keine Gestalt, also kann es nicht zerbrochen werden. Wenn etwas eine feste Gestalt hat mit einem harten Material, wie Stahlbeton, kann es -wenn es einmal zerbricht -nicht mehr geformt werden.Und wir mochten einfach den Klang des Wortes Wasser.”
Carla Kihlstedt: "Unsere Musik lebt an dem Ort an dem Offenheit und Entschlossenheit, Spontaneität und Baukunst sich treffen."

Minamo ist wie eine Umsetzung der Welt der Wasserreflexionen in Musik. Und Musik wiederum " ist der perfekte Träger für die Alchemie von Gedanken, Instinkten, Gefühlen und Ideen", so Kihlstedt.

"Minamo"
Minamo "Black River"

Es gibt zwei CD-Veröffentlichungen von Minamo: "Minamo" (Henceforth Records, 2007) und "Kuroi Kawa/Black River" (Tzadik Records, 2009).

Die Japanische Pianistin Satoko Fujii ist eine völlig eigenständige Kraft neben einer Größe wie Myra Melford. Spielt in unterschiedlichen Formationen. Genauso wie Carla Kihlstedt. Die auch im Avant-Rock zuhause ist. Beide sind klassisch ausgebildet und mit ihren Projekten in die freie New Yorker Szene verwoben.

Die CD "Black River" ist Asiatisches und Amerikanisches zwischen zeitgenössischer E-Musik, Avantgarde-Jazzigem und frei Improvisiertem. Zwei CDs, vier Hände, zwei Stimmen, vier Musikinstrumente Violine, Trompetenvioline, Piano, Akkordeon. Oft sanft, gelegentlich wild, strukturell aber befreit, immer wieder voll immenser Klarheit, dann wieder mit Ausbrüchen in wirr Stürmisches, vom Tonalen bis zur Grenze des Atonalen gespannt, studioaufgenommen und live.
Zwar mit Versiertheit aber frei von zu eingespielten Verhaltensmustern. Zwei Musikerinnen mit extremer Sensitivität, Konzentriertheit, feiner klanglicher Eleganz kreierend in einem schwebenden, offenen Freidimensionalen. Ein Klangraum jenseits von Banalitäten, Grobheiten, Sinnlosigkeiten. Von der Welt des avantgardistischen Jazz aus einerseits ins perfekt elitäre Kammermusiklische verweisend und andererseit vereinzelt rar vorkommend Volksmusikalisches aufgreifend. In differenziertesten Nuancen der Kommunikation. Jederzeit auch als Weg der Transdifferenzierung aus einem Sog der Dedifferenzierung nutzbar, der im Alltäglichen immer wieder drohen kann.

So war Minamo mit Carla Kihlstedt (Stimme, Violine) & Satoko Fujii (Piano, Melodica) beim Jazzfestival Saalfelden am 28.08.10 ein intensiver, konzentrierter, wunderschöner Nachmittags-Set verfeinerten Avantgarde-Jazzes.

Minamo - Wasser ist eine Welt der Reflexionen. Landschaft ist das Produkt ästhetischer Reflektion und Perzeption von Realität. Und ein vielfarbig aussehendes Elemet dessen ist Wasser und dessen Oberfläche.

Bei Wasser denkt man einerseits an Transparenz oder an eine blaue und blaugrüne Wasserfläche. Tatsächlich sieht Wasser aber oft ganz anders aus. Denn auf der Wasseroberfläche findet eine Brechung, Spiegelung statt. Da es sich bei Luft und Wasser um zwei Medien mit einer unterschiedlichen optischen Dichte handelt, kommt es, je nach Einfallswinkel, zu einer Reflexion der Lichtstrahlen, Spiegelung, oder einer Lichtbrechung. So einfach das Wasser zu sein scheint - eine simple Verbindung zweier Elemente, Sauerstoff und Wasserstoff - so kompliziert und vertrackt ist Wasser jedoch, wenn man es genauer untersucht.
Auch in der Beobachtung durch Künstler wird Wasserfläche in allen erdenklichen Facetten entdeckt. In der visuellen Darstellung in Malerei, Zeichnung, Fotografie genauso wie in der Musik.

Bei einer Umfrage unter Kunst- und Kulturschaffenden antwortete man mir mit vielfältigen Sichtweisen von Wasseroberfläche auf die Frage nach ersten bildlichen Assoziationen. Ein Kanadischer Künstler schickte mir ein Foto einer Wasserfläche auf der sich eine breite, blendende Lichtbahn von einer fahlweißen Sonne ausgehend ausbreitet. Eine Philosophin aus England antwortete mit unzähligen Bildern aus ihren Archiven mit Naturfotografien, die helle Gischt auf grünem Wasser an einer Meeresküste zeigen. Ein Musiker und Maler aus Frankreich sandte Fotos, die verzweigende, schwarze, feine Verästelungen darstellen, die neben einem Waldrand verwischt auf reißend fließendem dunklen Wasser abgebildet sind. In Quebec dachte ein Komponist an gefrorenes Wasser, hatte mit seinem Foto eine Eisfläche fokusiert, in der runde, weiße Flecken, Luftblasen, in der Durchsichtigkeit eingeschlossen sind. Aus Kalifornien erhielt ich eine Darstellung einer Wasserfläche, die wie ein perfekter, glasklarer Spiegel wirkte und die gegenständliche Welt, eine buntfarbige Häuserzeile, exakt nochmal realistisch abbildete.

Wasser kann alle Farben haben und keine. Kann alles widerspiegeln und nichts. Eine glatte Fläche sein oder aufgewühlt strukturiert. Wasser kann jedes abstrakte oder figürliche Bild annehmen. Entscheidend dafür, wie Wasser ausieht, ist natürlich immer das jeweilige Licht. So kommt es zu brennendroten, tiefschwarzen, pastellbraunen oder milchigweißen Wasserflächen, wie sie eine Münchner Künstlerin malt und fotografiert. Und Wasser zeigt sich schließlich in anderen Aggregatszuständen in Form von Nebel, Wolken und Schnee hauptsächlich in Weiß und in Grautönen, die aber auch wieder bei verschiedenem Tageslicht andere Farbspuren enthalten können.

Das Projekt Minamo nähert sich einem im spirituellen, meditativen, aber auch expressiven, experimentellen Sinn musikalischen Sehen von Wasserflächen.

Foto: © Tina Karolina Stauner

www.carlakihlstedt.com
www.satokofujii.com

veröffentlicht: www.skug.at

Tuesday, July 05, 2011

Redenreihe 'Freiheitsfelder' im Rahmen der Münchner Opernfestspiele:
Im Kontext des Spielzeitthemas 'unfrei frei' werden Fragen wie die nach der Freiheit einer Gesellschaft gestellt.
Tatsächlich findet sich im Kulturmanagment der Staatsoper München auch Platz für eine informativ-politische Vortragsreihe, die mit Musik kombiniert ist und sich 'Freiheitsfelder' nennt:
04.07.11 - Über:Maß
11.07.11 - Über:Macht
18.07.11 - Über:Mut
Als Beiträge zur Stärkung der demokratischen Gesellschaftsordnung ansehbar.

Am 04.07.11 war einer der Gesprächspunkte mit Rednerin Shirin Ebadi: Einhaltung der Menschenrechte im Iran.

Nicht nur im Iran findet Menschenrechtsverletzung statt. Menschenrechte werden auch in Europa nicht immer eingehalten. Wer dies im gesellschaflichen Diskurs näher benennt kann auch Hierzulande starkem Druck ausgesetzt sein.

Opfer von Menschenrechtsverletzung können so zugrunde gerichtet werden, dass sie beispielsweise nicht mehr empfänglich sind für Musik.

Freiheitsfelder