Monday, July 21, 2014

 
Bild: Die beiden schönen Musikerschwestern von Larkin Poe: Rebecca und Magan

Larkin Poe tendieren nun mit "Kin" fast enttäuschend zu etwas glattem Rocksound

Rebecca von Larkin Poe  informiert zu ihre erste CD "Kin": "Kin is the first Larkin Poe album, where we were able to bring a bit more of our stage show into the studio and capture some grittier, edgier stuff. We can rock-out on guitars...We let our freak flag fly a little higher." Kin" ist nur etwas zu glatt und einfach rockig geraten.  Nachdem ich die beiden Schwestern Rebecca & Megan Lovell bereits vor einiger Zeit live bei einer recht hübschen, kapriziösen Show mit Höhen und Tiefen beobachtete und mich auch ihre kürzliche Scheibe mit Thom Hell  überzeugte, ist "Kin" nun doch nicht ganz so meine Sache. Es wurde zwar professionell produziert, aber eben auch etwas zu rein rocklastig von Chris Seefried in Los Angeles und Damien Lewis in Atlanta.
Über klassische Musik ausgebildet und  mit Bluegrass in die Musikszene gekommen waren die Lovells danach überzeugend independent mit ihren live-Projekten und Veröffentlichungen und mit Ihrem ungemeinen Charme mit girlhaftem Alt-Country in Verbindung mit Rock. Mit dem Plattenvertrag nun ist der Larkin Poe-Sound auch mit etwas Enttäuschung verbunden. Sie sagen, dass sie ihre Authentizität wollen, beginnen sie aber gleichzeitig etwas zu verlieren in einem perfekten Rocksound, wie ihn viele bieten. Die Lovells nennen ihre Musik "roots-rock'n'soul". Doch so beseelt klingen die Songs nicht, sondern einfach nur könnerhaft eingespielt mit Bandergänzung. Sicher beherrscht Megan Lovell ihre lapsteel, doch ihre anfängliche Eigenwilligkeit kommt ihr über Versiertheit auch etwas abhanden. "Kin" ist Rock, wie von diversen anderen Bands auch. Aber immerhin eine kraftvolle Rockscheibe einer von Frauen greprägten Band und mit einer stark gespielten lapsteel guitar.

www.larkinpoe.com

Larkin Poe
"Kin"
HP Music

veröffentlicht: titel-kulturmagazin.net

Wednesday, July 09, 2014

 Fotocollage: Tina Karolina Stauner

S    O    M   M   E    R   M   I   X

Einen relaxten Sommermix hat der DJ Sven Väth für die "Coming Home"- Serie von Stereo Deluxe zusammengestellt:

V.A. - "Coming Home" by Sven Väth
with Arve Henriksen, Leafs, Boards Of Canada, Portable, CocoRosie, Ursprung, Food, Nils Frahm u.a.

Wednesday, June 25, 2014

Folkdays aren't over - Rückblick auf Songwriting-Veröffentlichungen von Frauen der eigenwilligsten Art: Tish Hinojosa,  Luai, Nataly Dawn und ihre jüngsten Veröffentlichungen

Songperlen vom Allerfeinsten von Tish Hinojosa

Die Fähigkeit zum Schreiben wunderschönster Songs hat die Amerikanerin mexikanischer Herkunft Tish Hinojosa schon immer. Manchmal bis zur Perfektion. Wie diesmal. In ihre Mixtur aus mexikanischem Folk und Singer-Songwriter-Pop hat sie eine ganze Menge gespielte Naivität mit eingebaut.  Gleich die beiden ersten Songs der neuen CD "After The Fair" sind ein Inbegriff an Hübschheit und lassen trotzdem auch an Substanziellem nicht missen. "...In this city where I am / Every now and then / I have to bite my tongue / 'Cause I'm feeling / That I don't belong..." ("Cobblestones") Tish Hinojosa lebte längere Zeit in Hamburg und in Berlin wurde nun "After The Fair" aufgenommen. Moe Jaksch hat produziert und auch als einer der prägenden Musiker mitgewirkt. Die annähernd 60-jährige Tish Hinojosa scheint musikalisch irritierend jugendlich und unverbraucht und macht also Nachfolgegenerationen vor, wie erstklassiges Songwriting geht. Singt Hinojosa spanisch ist sie immer dem Traditionsverbunden recht nah. Ihre englischsprachigen Songs hingegen sind nicht selten entdeckenswert reizende Perlen der Popmusik. Joan Baez und Kris Kristofferson, mit denen sie unter anderem auch zusammenarbeitete, sind zwar verwandte Seelen im Country, den Hinojosa durchaus auch verinnerlicht hat. Doch ist Hinojosa dem Pop oft einen guten Touch näher. Und nie gerät sie dabei in zu seichte Gewässer. Die Sängerin und Gitarristin Tish Hinojosa bietet souveränes Songwriting vom Allerfeinsten. Zudem widmet sie sich auch politischen und sozialen Themen und erhielt so schon eine Einladung von namhaften Politikern wie den Clintons.

Wachträume als Folksongs von Luai

Da hält sich offensichtlich ein unbekleidetes weibliches (oder androgynes?) Wesen tagträumend mit geschlossenen Augen über Wasser in einer merkwürdigen Siedlung in der die ganzen Straßen überflutet sind und dürre Rauch-Zweige von Kaminen aus in den Himmel emporstreben. Jedenfalls auf dem gezeichneten Coverdesign von "Boulder Thicket", der aktuellen Veröffentlichung von Luai. Luai ist die Finnin Saara Markkanen zusammen mit  Mitmusikern.
Auf "Boulder Thicket" hört man fragile und spröde Folkmusik. Zwar wie man sie immer wieder von allen möglichen mehr oder weniger interessanten Leuten angeboten bekommt. Doch: Luai ist eine herausragende Ausnahmeerscheinung. Es gibt Momente, da möchte man fast an Nick Drake denken. Introspektiv versponnen oder auch verhalten swingend klingen die Songs von Luai. Hübsch und manchmal leicht schräg. Und jeden Moment wie kleine Kostbarkeiten.  Luais Lieder konnten mich vom ersten Kontakt an in den Bann ziehen.
Saara Markkanen lebt derzeit in Berlin und spielt erst seit einigen Jahren akustische Gitarre, was sie sich einfach beim Songschreiben beigebracht hat. Die Lyrics handeln von Befindlichkeiten. So etwas verarbeiten auch andere Musiker zu Stücken, aber nicht immer so schwebend schön wie bei Luai.  Markkanen schreibt über nebensächliche Kleinigkeit oder große Gefühle gleichermaßen. Klingt dabei altklug naiv. Weiß beispielsweise etwas über Einsamkeit: "...I knew how to give / but not to receive / Lonely as alone can be / I am full of empty sounds laying around / Lonely as alone can be." ("Lonely As Alone Can Be") Oder etwas, das mit dem Coverbild korrespondiert: "...too much of everything / enough of nothing / I stand still as the rivers flow by / In the middle of it all I forgot to ask why // I travelled far to meet all my tomorrows / only one greeting me was my past / running away from all the sorrow / I travelled far and I travelled fast..." ("Nobody Is An Island") Und weiß noch vieles mehr zu berichten. Das zu akustischer Gitarre, Bass, Perkussion,  Piano, Cello und Holzblasinstrumenten erzählt wird. Luai ist ganz sicher etwas Besonderes im Meer des Songwriting.

Songwriting kokett und oldschool-mäßig -von Nataly Dawn

Nataly Dawn schreibt ganz amerikanisch Oldschool-haft als Songwriterin und nimmt klassisch mit Band in einem Raum auf. Dawn ist aber eine junge Frau, die in Frankreich aufwuchs, dann in den USA ein Universitätsstudium Kunst und Literatur absolvierte. "How I Knew Her" ist ihr zweites Soloalbum. Der Sound ihrer Band verweist auf die grobkörnige Unmittelbarkeit traditioneller Folkmusik mit bluesigen Einsprengseln. Dawn wirkt wie college gratuated einerseits, streetwise andererseits. Eine spannungsgeladene Mischung. Dawns Stimme ist kraftvoll bissig, mal hell mal dunkel, und sie gibt sich dabei teils auch kokett sophisticated und spielerisch smart. "How I Knew Her" klingt oft ein bißchen nach Aufnahmen von Sam Phillips, was keineswegs nachteilig ist. Vermutlich hat Dawn auch einige Ahnung von der Songwriterszene in Los Angeles. In Kalifornien lebt sie derzeit. In Dawns exzellenter Band fällt prägend der Gitarrensound auf. E-Gitarrist ist Ryan Lerman. Man findet ihn auch an Banjo und Mandoline. Dawn selber spielt auf der CD akustische Gitarre und einmal Piano. Die Gitarrenarbeit von Lerman und Dawn wird immer wieder stark rhythmisch und kantig. Das Backing von Louis Cole und Matt Chamberlain am Schlagzeug ist sparsam, eckig und klar, der Standbass von David Pitch ruhig und warm. Manche Songpassagen betonen Streicher und Bläser. Die Instrumentalisten der Band arbeiten außer mit Dawn mit namhaften Musikern wie z.B. Bill Frisell, Bonnie Raitt oder K.D. Lang zusammen. Dawn und Band sind sich ihrer musikalischen Präsenz spürbar sicher. Man höre sich nur mal "Back To The Barracks", "Caroline" oder "Please Don't Scream" an. Nataly Dawn entstammt dem Duo Pomplamoose, das sie vor ihren Soloveröffentlichungen mit Jack Conte zusammen formierte. Beide begannen 2008 independent über das Internet. Conte hat das vielversprechende "How I knew Her" produziert. Das in den Prairie Sun Studios in Cotati in Kalifornien aufgenommen wurde, wo zuvor einige von Dawn's Lieblingsalben von Tom Waits entstanden waren. Und sehr eigenwilligen Charakter zeigt entsprechend auch Nataly Dawn.

Tish Hinojosa
"After The Fair"
www.mundotish.com
Luai
"Boulder Thicket"
www.saaramaija.tumblr.com
Nataly Dawn
"How I Knew Her"
 www.natalydawn.tumblr.com

veröffentlicht: www.aurora-magazin.at

Thursday, June 12, 2014

Brazil-Clubbing für sommerliche Leichtigkeit und etwas Oberflächlichkeit: Janice Andrade

Janice Andrades Sound of Brazil in Form des Zusammenwirkens von Jazz, elektronischer Elemente und Bossa, das sind brasilianische Rhythmen und Clubsound. Entstanden ist das Album "Janice" durch die  Zusammenarbeit der Brasilianerin und Wahleuropäerin Janice Andrade mit dem deutschen Produzenten Christoph Isermann, die beide fast alle Songs für "Janice" selber geschrieben haben. Janice Andrade ist eigentlich Tänzerin und Choreographin und Bewegung und Rhythmus sind ihr mehr als vertraut.  Also natürlich auch das Percussionslastige der typischen brasilianischen Musik, die  Wurzeln hat in Portugal, Afrika und  dem Indigenen. Andrade und Isermann kreieren aus diesen Elementen einen rhythmisch-verspielten aber coolen, hübsch schwebenden, allerdings vielleicht etwas glatten, Brazilian Sound, der sehr geeignet ist zum Relaxen im heißen Sommer. Und vielleicht doch nicht nur für oberflächlich gestylt ist. Das unterkühlte, das Andrade ihrem Album "Janice" als Ergänzung hinzufügt, wirkt wie Eiswürfel im Cockktailglas. Janice Andrades Gesang ist wie für den Bossa Nova spezifisch eher zurückhaltend und fügt sich nahtlos in den Brazil-Clubbing Rhythm dieser Adaption des Bossa, bei der das Jazzige und Elektronische Gewicht erhält. Keyboards, Bass und Programming stammen von Christoph Isermann und einige weitere Musiker haben sich mit eingeklinkt. Musik ist das für Momente des Chillens und der Leichtigkeit mit einer Idee zurückgelehnter Melancholie des Bossa-Lebensgefühls. Das haben insbesondere auch Männer geprägt wie João Gilberto oder Gaetano Veloso und in Musik umgesetzt. Janice Andrade gelingt  sich selbstbewußt im  Kontext neuer brasilianischer Musik zu zeigen.

Friday, June 06, 2014

Folkdays aren't over

Bissig und unerschrocken: Weibliche Standfestigkeit und Songwriting - Flip Grater

Selbst mit lieblicher Stimme kann Flip Grater bissig sein. Bissigkeit und Unerschrockenheit  sind die Stärke der Singer-Songwriterin. Sie scheint nichts zu fürchten, und kann Unbill und Unwesen trotzen. Ihr Leben ist vermutlich gut, daraus kommt auch die Kraft von lauernden Abgründen, bösen Gefahren und finsteren Gestalten singen zu können. Mit Erotik und Melancholie im meist düsteren Timbre erzählt die Neuseeländerin Geschichten, die in den Pigalle Studios in Frankreich, ihrem derzeitigen Lebensmittelpunkt Paris,  aufgenommen wurden. Einfach mit "Pigalle" ist auch dieses 4. Album betitelt. Pigalle, einstige Heimat namhafter Maler und Vergnügungsviertel mit aber auch anspruchsvollen Musikalienhandlungen in der Nähe. Etwas anrüchig kommt Graters Liedgut daher, das aus kantigen, coolen Folk- und Alt-Countrysongs besteht. Sie mag Tom Waits und Nick Cave mögen und darf sich dabei auch an diesen Größen messen, genauso wie an der Authentizität einer Michelle Shocked. Denn"Pigalle" ist ein souveränes Werk, produziert von dem Gitarristen Maxime Delpierre.  Auf ihrem eigenen Label Maiden Records hat Grater begonnen ihre Scheiben herauszubringen, auf dem auch andere Musiker schon veröffentlichen konnten. Nebenbei bemerkt: Die über 30-jährige Flip Grater hat zudem schon Musikkritiken, Reisetagebücher und Kochbücher geschrieben und für Radio und Film gearbeitet. Sie ist eine sichere Autorin. Die Lyrics von "Pigalle" analysieren feinsinnig eigene Lebenserfahrung und Beobachtungen anderer Leute Leben. Eher grobkörnig und mit markanten Momenten arbeitet die mitwirkende Band. Flip Grater spielt selber höchst überzeugend eine bewusst karge Gitarre. Und die stimmig agierende klassische Bandbesetzung ist angereichert mit gekonnten Bläsersätzen. Mit den Worten "...And I will take a moment to address my weary soul" endet der Song "My Only Doll". Flip Graters Lyrics sind von der härteren Sorte und wollen nicht nur idyllische sondern auch bittere Wahrheiten herausschälen. Beim Eintauchen in Graters Songwriter-Kosmos braucht man wie die Musikerin selbst etwas Standfestigkeit für ein ziemliches Maß an substanziell Existenzialistischem.


Flip Grater "Pigalle"
Make My Day Records


veröffentlicht: www.melodiva.de
veröffentlicht: titel-kulturmagazin.net

Monday, April 14, 2014


Jazz, Jazz, Jazz, Jazz - Es stellt sich u.a. die Frage, ob gerade etwas wie "The New Standard" im Jazz in sein kann? Von Jamie Saft (Piano, Orgel), Steve Swallow (Bass) und Bobby Previte (Drums) stammt die neue Veröffentlichung "The New Standard". Also perfekt gespielte Jazznummern. Saft erklärt: "..einfache Strukturen genommen und sie in größere Strukturen umgewandelt, auf deren Grundlage man improviseren konnte...." So einfach geht das also...Ich mach mir mal zuhörend ein paar Gedanken, ob im Jazz das, was sich "The New Standard" nennt, vielleicht angesagt ist und ob es mir etwas sagt.

Friday, April 11, 2014


Eleni Mandell - liebliche Songs manchmal an die späten 50s, frühen 60s oder noch frühere Zeit erinnernd

Eleni Mandell hat die derzeitige Band von Nick Lowe zu ihrer Backing Band für ihr Album "Let's Fly A Kite" gemacht. Die Nick Lowe Band ist erstklassig. Mandells Entscheidung und Agieren ist also schon sehr cool und klingt auch sehr souverän. Und es sind dabei auch einige sehr perfekte Songs entstanden. Aber der natürliche Charme von Eleni Mandell ist manchmal zu wenig zu spüren bei dem, was nun als facettenreich und opulent bezeichnet wirkt und von Mandell selbstbewußt eingesetzt wird. Die Kalifornierin bringt seit den späten 1990er Jahren mit unterschiedlichen Musikern Platten heraus mit Folk und Country Songs, die auch mehr oder weniger dem Pop nah sind. Auf "Let's Fly A Kite" zeigt sie bei ihrer musikalischen Arbeit ein ausgesucht breiteres Spektrum an Stilmitteln. Die Nick Lowe Band trägt mit einem immer auch etwas an die 50s/60s erinnernden Sound ein gutes Maß dazu bei. Neil Brockbank und Robert Treffern haben produziert. Wesentliche Musiker sind Geraint Watkins an Keyboards , Matt Radford am Bass, Martin Winning an Saxofon und Klarinette, Robert Trehern am Schlagzeug und Greg Tawnson an der Gitarre. Die Schönheit von Mandells Songs wird beispielsweie bei "Little Joy", "Anyone Like You"oder "Cool Water" besonders zur Geltung gebracht. "...Let's take a ship /Jumping waves like a couple of dare devils hop and skip / Under the moon and under the stars / Like dreamers do that's what we are" endet "Let's Fly A Kite" mit Lyrics des Stücks "Like Dreamers Do". Das ist eigentlich alles fast wie Erinnerung an die späten 50s und frühen 60s oder an noch frühere Zeit, was Eleni Mandell da gerade tut. Halt einfach wirklich sehr hübsch.

Eleni Mandell
"Let's Fly A Kite"

www.elenimandell.com

veröffentlicht: www.melodiva.de

Tuesday, April 08, 2014


Nils Petter Molvaer: energetische Klangmalerei im Future Jazz

Mit Pedal Steel Gitarrist Geir Sundstol als wichtigem Faktor und mit Pianist Morten Qvenild und Schlagzeuger Erland Dahlen hat Trompeter Nils Petter Molvaer sein neues Album "Switch" eingespielt.  Der exzellente Norwegische Jazz Trompeter, der auch Synthesizer und Programming versiert beherrscht, ist zudem Komponist und Produzent und spielt akustische Gitarre. Additional Programming ist von Jon Marius Aareskjold hinzugefügt. Das Zusammenwirken von Trompete und Steel Guitar ist das prägnant Entscheidene für den musikalischen Charakter von "Switch" .
Nils Petter Molvaer  begann als Musiker in den 1980er Jahren und zelebrierte mit eigenen Formationen Jazz in Verbindung mit elektonischer Musik. Er war und ist mit seinem Sound dem was Fusion und Ambient ist immer wieder nicht fern. Zusammengearbeitet hat Molvaer auch beispielsweise mit Sidsel Endresen,  Bill Laswell , Johannes Enders und Moritz von Oswald.

Im Jazz war Fusion und Artverwandtes zwar noch nie meine Sache. Wurde von mir entschieden prinzipiell weiträumig umgangen. Aber wenn Trompeter wie Toshinori Kondo, Miles Davis oder Don Cherry in den Bereichen des Fusion zu finden waren oder sind, dann höre ich ausnahmsweise zu. Auch bei Nils Petter Molvaer geht es mir jetzt so.  Neils Petter Molvaers Musik nennt sich eigenständig Future Jazz. Molvaer lässt mitteilen, dass sich seine Sounds in zwei Welten und mehreren Zeitebenen abspielen, aufbrechend in eine urban globalisierte Zukunft.  Große Worte, die er sich irgenwie leisten kann. Auf dem Cover von "Switch" sind visuelle Variationen von Geometrischem, so was wie platonische und archimedische Körper, abgebildet. Zu den hörbaren Melodiegebilden werden seh- und greifbare Kunstgebilde gezeigt. Eigentlich sind die Klanggebilde von Nils Petter Molvaer wie farbig Eratisches in weiten dunklen Räumen. Archimedische Körperwelten der Musik. Das will wohl auch das Booklet vermitteln. Sound und Polyeder... Sound und Formen wie platonische und archimedische Körper...Kann ein Klang wie ein Oktaeder sein? Oder wie ein Ikosidodekaeder? Kann ein Klang wie eine Abwandlung eines Polyeders sein? Und dabei stark farbig? Fragen vielleicht an Synenergetiker. Schöne Fantasiewelten auf jeden Fall. Und jedenfalls sind sowohl die Trompetenklänge von Nils Petter Molvaer  als auch die abgebildeten Objekte im Booklet ein Kunstgenuss. Mit Songtiteln wie "Quiet Corners" oder "Somewhere Shady" verortet  Nils Petter Molvaer seine symbiotischen Klangwelten aus Jazz und elektronischer Musik. Entspannend und doch über flacher Esoterik. Und aus kritisch ironischer Distanz feministisch gesehen natürlich.


Nils Petter Molvaer
"Switch"

www.nilspettermolvaer.info


Saturday, April 05, 2014

Floristik
Natur
Foto: © Tina Karolina Stauner

Wednesday, April 02, 2014

Heimrad Prem, 1964, Tempera auf Nessel

Die Künstlergruppen SPUR und CoBrA und deren künstlerisch Verwandte auch mit süddeutschen Wurzeln

Ein Ausstellungsschwerpunkt war gerade Heimrad Prem und seine künstlerische Arbeit im Kontext der Malergruppe SPUR in der Galerie van de Loo Projekte in München.

"Wir sind nicht nur abstrakt, sondern auch gegenständlich. Wir besitzen eine abstrakte Methode, die uns ermöglicht, gegenstandlich zu sein. Die Formen und Gegenstände, die der persönlichen Vorliebe des Einzelnen entspringen, verflechten sich mit einem abstrakten Sehen." (Heimrad Prem)

Van de Loo Projekte zeigte von Januar bis April 2014 Werke von Heimrad Prem, der von 1934 bis 1978 lebte. Nachgegangen wurde Prems Künstlerwerdegang von konventionellen Anfängen und als feinstofflich bezeichneten Arbeiten bis zu pastoseren expressiven Gemälden.

Über Heimrad Prem zu Beginn der 1960er Jahre

"...Das Festhalten an der Figur zeigt sich aber auch in Werken von 1961/62, die von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem zeitweise als Gruppenleiter fungierenden Asger Jorn und dessen abstrakt-expressiver Figur und Farbe geprägtet sind..." (Selima Niggl)  Die Frage ist in dieser Zeit auch die kritische Überwindung des Informel.  Prem geht es aber immer auch um malerische Fragestellungen, die von der Figurengestaltung losgelöst sind.  Für Prem zählt der Malprozess. Er lässt beispielsweise Tusche spontan über Papier laufen bevor er mit wenigen Pinselstrichen Figuren herauskristallisiert. Die Arbeitsphase der ersten beiden 1960er Jahre führt zu besonders starken und interessanten Arbeiten in Prems Gesamtwerk.

Über SPUR

Die Malergruppe SPUR wurde in München um 1958 gegründet und zählte damals zur Avantgarde in malerischer Praxis und  theoretischen Manifesten. Sie bestand bis zum Jahr 1965 und war der Gruppe  CoBrA verwandt, die in Skandinavien aktiv war. Mitglieder von SPUR waren ausser Heimrad Prem noch Helmut Sturm, HP Zimmer, Lothar Fischer und Erwin Eisch. Zudem kam Dieter Kunzelmann dazu. In Cham dokumentiert das Museum S. P. U. R., denn einige Maler der Gruppe kamen aus dieser Region. Bei 84 ghz im München kann man noch Schriften von SPUR erhalten.

 SPUR,  CoBrA und Verwandte auch in kommender Ausstellung

Die nächste Ausstellung bei Van de Loo Projekte ab 10.04.14 ist betitelt mit " Gespinste, Labyrinthe, Ornamente" und auch hier sind wieder Werke von Malern der Gruppe SPUR und der Gruppe CoBrA mit angekündigt. Zusammen mit weiteren Bildern, wie Exemplarischem aus dem Experimentieren im Schaffen von Henri Michaux.

zu Bildmaterial von Heimrad Prem

www.issuu.com/84ghz

veröffentlicht: www.kultura-extra.de

Sunday, March 30, 2014

Folkdays...: Reisen, Exil, Heimt, Selbstfindung - Emily Barker

Sattes Songwriting bietet die junge Songwriterin Emily Barker& The Red Clay Halo. Ihre neueste CD "Dear River" handelt thematisch schwerpunktmäßig vom Unterwegssein.
Barker's zumeist rhythmisch gitarrenbetonte Mid- bis Up-Tempo-Stücke werden ergänzt durch manch gefühlvolle Ballade. Wenn man den musikalischen Kosmos von Barker erstmals kennenlernen will, dann kann man "Tuesday" oder "Everywhen" anspielen. Ihre Musik aus dem Folk und Countrybereich ist aber mit jedem Stück Überzeugungsarbeit des Genrespektrums.
Reisen und Emigration sind relevante Themen für Emily Barker's Geschichten. Sie handeln von selbst Erlebtem und auch von Recherchiertem. Die Australierin Barker -  Holländische Vorfahren hatten sch einst nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Australien eine Existenz aufgebaut - lebte einige Zeit in England und travelte in Europa und Südamerika, bevor sie über ihr  längeres Umherreisen wieder nach Australien zog.  "Dear River" bezieht sich mit seinem Konzept auch auf den australischen Blackwood River, dessen Existenz und zeitweilige Nähe auf Bakers Leben eine prägende Wirkung hatte.  Zur gedanklichen Auseinandersetzung mit Reisen gehört für die Musikerin auch das, was Heimat bedeutet, nicht nur Exil und das Gefühl des Entwurzelt seins. Insgesamt ist das Ganze natürlich eine Beschäftigung mit Selbstfindung. Inspiration für das Album kam dann noch von der Musikerin PJ Harvey und speziell deren "Let England Shake". 
Nach eigenständig produzierten Alben ist Braker jetzt in Zusammenarbeit mit einem Label und hat mit dem Produzenten Calum Malcolm und ihrer Band einen entscheidenen Schritt in der musikalischen Weiterentwicklung vollzogen. Und in Kollaboration mit Frank Turner ist sie dabei gelegentlich zusätzlich auf den Spuren von Duettklassikern von Musikduos, namentlich beispielsweise Lee Hazlewood und Nancy Sinatra. Insgesamt eine kraftvolle, reichhaltige kleine Scheibe ist "Dear River".

Emily Barker& The Red Clay Halo
"Dear River", 2013

www.emilybarker.com
veröffentlicht: www.melodiva.de

Saturday, March 29, 2014

Folkdays aren't over II - Nordisches: Musik aus Schweden mit Ulrika Bodén Band " Kärleksånger Folk Love Songs"  und Lisa Lestander  "Songs From The North"

Volksmusik - "Folk Love Songs"

Hilda Gunborg Ulrika Bodén sammelte längere Zeit Material für die CD "Kärleksånger Folk Love Songs" und stellte Melodien, Texte, Fragmentarisches und eigene Ideen für diese Produktion bestehend aus schwedischen Volksliedern, zusammen. Es sind Liebeslieder unterschiedlicher Zeiten und Regionen. Bodén bezog für die Aufnahmen dieses Albums traditionelle Instrumente wie die Harfenzither oder die Flöte Härjedalspipa mit ein. Die Musikerin veröffentlicht seit ca. 20 jahren mit unterschiedlichen Bands und geht gerade mit dem Musikprojekt "Kärleksånger Folk Love Songs"  zurück in die Musikgeschichte. Wer hierzulande nicht schwedisch spricht hat erst einmal einfach den Klang dieser Sprache, die liebliche Stimme von Ulrika Bodén  und den Sound von traditionellem Liedgut. Dies klingt tatsächlich einigermaßen interessant und hat zudem den Faktor des noch nicht überstrapaziert Bekannten. Die CD besteht allerdings, wenn man sich das genauer anhört, größtenteils aus eher überkonventionellem skandinavischen Text- und Liedmaterial. Manch Schönes wie "Tusend Löften" oder "Bröllopskväde Från Gotland" ist zu entdecken und eben die schwedische Folkmusic. Ulrika Bodén versteht jedenfalls das traditionsreich Musikalische vom Kitschigen noch fernzuhalten und schwedische Kulturgeschichte festzuhalten und einem Publikum nennenswert vorzustellen.
Ursprünglich war die schwedische Folklore rein vokalistisch. Entstanden beim Volk der  Lappen, auch Samen genannt. Was einmal Hirtenmusik war, wurde zu Hausmusik von Bauern mit Instrumentalbegleitung praktiziert, speziell mit in Schweden entwickelten Instrumenten gespielt.

Jazz, Folk, Artsong -"Songs From The North"

Mit "Songs From The North"  hat Lisa Lestander fast vergessenes Liedgut aus dem frühen 20-igsten Jahrhundert des nördlichen Schweden aufgenommen. So findet Lisa Lestander sich in der noch weniger bekannten geschichtlichen Tradition der Musik Skandinaviens. Lestander, eine am Konservatorium ausgebildete Sängerin, präsentiert sich zudem als Pianistin und spielte mit Jonas Knutsson am Saxofon und Mats Öberg an Synthesizer, Klavier und Mundharmonika  "Sånger Från North" ein. Das ist Musik mit Anklängen aus Jazz, Folk,  Artsong und Klassik. Die drei Musiker stammen aus dem hohen Norden, aus Umeå, und haben Liedmaterial aus den Archiven der Regionen Västerbotten, Norrbotten und Lappland zutage gefördert und davon Adaptionen und Interpretationen wieder hörbar gemacht. Von leise besinnlich, sparsam volkstümlich bis atmosphärisch kunstliedhaft spannt sich das musikalische Spektrum. Wer schwedisch gesungenes Liedgut will, kann hier fündig werden und wird mit anspruchsvoller Musikkultur bedient. Es ist Musikalisches für ruhigere Stunden und Gemüter. Wer des Schwedischen nicht mächtig ist, erfährt aber nicht gleich so einfach, wovon die Songs handeln, da im Booklet keine Übersetzung ins Englische oder Deutsche ist. Lisa Lesanders Aktivitäten in Umeå sind insgesamt breiter gefächert und so hat sie auch die Frauen-Gesangsgruppe Kraja in der Tradition des schwedischen Folksingings.



www.lisalestander.se
www.ulrikaboden.se

veröffentlicht: www.melodiva.de

Wednesday, March 26, 2014

Plastikdeko
Naturstück

Fotos:  © Tina Karolina Stauner

Tuesday, March 25, 2014

Farbflächen wirken als Farbflächen wirken als Farbflächen, nicht mehr und nicht weniger? - Marcia Hafif

Weil mich in meiner eigenen künstlerischen Arbeit die Farbflächenmalerei seit langer Zeit beschäftigt, ging ich auch besonders interessiert auf die Weke von Hafif zu.
Die vielleicht allerruhigste Art der Malerei, die auch Hafif betreibt, kann faszinieren in der Schönheit der Monochromie und des Minimalismus.
Es geht nur um Farbflächen und Oberflächen: bei dieser Malerei ist unter anderem "Grundsätzliche Malerei" ein entscheidender Begriff. In diesen Bilderserien folgt eine Bildtafel der nächsten Bildtafel in systematischer Erkundung durch Formate, Bildträger, Farbmaterialien, Malwerkzeugen und Technik.
Werke der 85-jährigen  Amerikanerin Marcia Hafif sind in Ausstellung in der Galerie Rupert Walser:
Marcia Hafif: 13.09.2013 - 26.04.2014


- Sea Garden, 1990 Installation view Galerie Rupert Walser,
München 1990
- Enamel on Wood, Taupe 4008, Paris 1991
Lack/Holz, 140 x 140 cm
Galerie Rupert Walser:  www.rupertwalser.com

Nähere Informationen über die Arbeit der Künstlerin: www.marciahafif.com

Grafik: Tina Karolina Stauner

Sunday, March 23, 2014

Foto: Klangforum Wien

Neues von den Komponisten Aureliano Cattaneo, Beat Furrer und Martin Smolka - Musik von durchaus ruhelosen Geistern


Uraufführungen von Musikstücken (entstanden im Jahr 2013) gab es bei der Musica Viva in München kürzlich zu entdecken. Neben den großen Namen im Konzertsaal in der Residenz  mit dem Orchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Peter Eötvös, der eigene Weke und Komposition von Wolfgang Rihm und Helmut Lachenmann dirigierte, wurden im Februar 2014 in der Muffathalle auch kapriziöse Stücke  für kleinere Besetzung von Aureliano Cattaneo, Beat Furrer und Martin Smolka vorgestellt.

Ein Weile Zeitlosigkeit - Aureliano Cattaneo

Basierend auf der schon einige Jahre existierenden,  vorhergehenden Violinkonzert-Fassung für Orchester, schrieb Aureliano Cattaneo ein anders gefärbtes Violinkonzert für Instrumentalensemble, bei der der Part der Solovioline aber gleich blieb.  Insbesondere die Qualität vom Ensemble des Klangforum Wien brachte dieses höhenbetonte Violinstück zur Geltung. Dirigent war Beat Furrer und  Sophie Schafleitner agierte als Violin-Solistin. Besonders fein wirkte die Backingarbeit der Harfinistin Virginie Tarrête und vor allem auch die des Pianisten Florian Müller. Um solche musikalischen Spannungsfelder ging es dem Komponisten Cattaneo. Romantizismen und Egozentrismen  im Violinspiel von Schafleitner wirkten eher zeitlos als wirklich am Puls der Zeit. Was aber durchaus auch etwas an Reiz hatte. Es war Musik, die Einbildungskraft und Geheimnisvolles exponierte. Mit dem Violinkonzert von Cattaneos konnte man so etwas wie vorübergehend irgendwo ins Zeitlose driften, wenn man es wollte.  Cattaneos kann aber auch avantgardistisch entschlossen kantiger, wenn er will. Aureliano Cattaneo studierte in Mailand und hat neben seiner Arbeit am eigenen Werk nun eine Professur in Barcelona.

Maniristische Gratwanderung - Beat Furrer

Beat Furrer komponiert gern das sogenannt Zersplitterte in seiner eigenen musikalischen Arbeit. Warum er sich mit "Canti della tenebra" für die Vertonung von Gedichten von Dino Campana entschied, einem als  verrückt deklarierten Aussenseiter, einer tragischen Existenz, fragte ich mich. Und auch die von ihm gewählte Sängerin für die Aufführung des Stücks zeigte sich als ein höchst exzentrisches Geschöpf: eine norwegische Sopranistin, und bei anderer Gelegenheit auch Jazzsängerin, mit Namen Tora Augestad. Mit schwarzen Augenbrauen und Wimpern und blonem Langhaar stand sie im giftgrünen, schmalen Kleid auf der Bühne, sich in übersteigerten Manirismen schrill ergehend. Der Dichter Campana, der zur Zeit des Futurismus lebte und schrieb, führte mich aber mit seinem literarischen Material eher zum Denken an Symbolistisches als zu Futuristischem oder Expressionistischem, wie im Programmheft genannt. Ich dachte immer wieder an Porträts von Egon Schiele, schimmernde Farbmosaike von Gustav Klimt, merkwürdige Gemälde von Odilon Redon, aber Futuristisches kam mir nicht in den Sinn. Ich konnte es in Furrers Vertonung nicht finden, nicht in den Texten, nicht in der Komposition, nicht in der Interpretation des Klangforum Wien. Man könnte auch wieder einmal in die literarische Welt Georg Trakels gehen, meinte ich schließlich. Immer wieder in solche Vergangenheit der Kunstgeschichte geriete ich beim Zuhören. Auch Claude Debussy und Gustav Mahler waren diesem Musikstück von Furrer so fern nicht. Avantgardistisches jedenfalls geht eigentlich anders.  Doch ich mochte es durchaus, an Vergangenes erinnert zu werden. Eine Gratwanderung war Furrers "Canti della tenebra", die auf Vergangenheit genauso wie Gegenwärtiges verwies und eine immerhin höchst eigene Klangwelt für sich darstellte. Der Schaffhausener Dirigent und Komponist Beat Furrer ist Gründer und Leiter des Klangforum Wien und hat derzeit eine Professur in Graz und Frankfurt am Main.

Repetitiv,ziseliert und gebrochen - Martin Smolka

Ein sehr sprödes kleines Werk für Streichsextet betitelt mit "Rinzai and St. Francis  watch yellow autumn leaves floating down the river" komponierte der Prager Martin Smolka. Solisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks näherten sich dabei einerseits der Dynamik des Minimalismus von Steve Reich an, waren aber immer wieder andererseits in völlig versiegenden, zerbröselnden Klängen. Smolka mag bizarre Sounds. Entwickelte den "konkreten Sonorismus" mit Instrumentalklängen wie Alltagsklängen. Mag das Gebrochene, wenn es gleichzeitig höchst konstruiert klingt. Und er sagt: "Poesie hilft...". Mit dem Streichsextet verband Smolka das Bild von Abendsonne und den Worten: "autumn / yellow leaves / serene river floating through woods and meadows / here and there on the smooth surface - a leaf / two monks sit silently / watching water /yet Thoreau / could come" Anders als die Abendkonzerte von Aureliano Cattaneo und Beat Furrer wurde Martin Smolkas Musik bei einer Matinee präsentiert. Blendendes Tageslicht fiel dabei schräg durch Seitenfenster in den abgedunkelten Konzertraum und ließ das Ganze prosaisch wirken. Es war eher schwierig zuzuhören, doch hatte die eigenwillige Smolka-Komposition dafür eine recht nachhaltige Wirkung. Smolka wurde in Prag ausgebildet und unterricht jetzt in Brno zusätzlich zu seiner Komponistentätigkeit.

07.02.14 Muffathalle München
Aureliano Cattaneo
Violinkonzert, 2013
 Klangforum Wien
Beat Furrer
"Canti della tenebra", 2013
 Klangforum Wien
09.02.14 Muffathalle München
Martin Smolka
 "Rinzai and St. Francis  watch yellow autumn leaves floating down the river" , 2013
Solisten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks

www.martinsmolka.com
www.aurelianocattaneo.com
www.klangforum.at

veröffentlicht: www.kultura-extra.de

Saturday, March 22, 2014


Architekturdetails München, 2014
 © Tina Karolina Stauner

Sunday, March 16, 2014

«Die zeitgenössische Musik ist nicht bloß ein ästhetisches Phänomen. Mit ihren Netzwerken, Treffpunkten und internen Gruppenbildungen markiert sie zugleich auch einen sozialen Raum, in dem sich bewegt und handelt, wer neue Musik komponiert, aufführt oder rezipiert. Was aber macht diesen Raum aus? Welche Handlungsmuster und -optionen charakterisieren ihn? Gibt es typische Merkmale und Verhaltensweisen im Feld der zeitgenössischen Musik – und was sind deren ökonomische und soziale Rahmenbedingungen?» (Böggemann, Markus, «Soziotop neue Musik:, oder: Was machen wir hier eigentlich?» , Neue Zeitschrift für Musik)

Saturday, March 15, 2014

Folkdays aren't over

Richtung Frühling und für jeden Tag einen hübschen Folk Song. Neuerscheinungen aus der Folkecke machens möglich. Also mein schon immer bestehendes Faible für Folk wieder mal hochhalten? Wie sprießende Blätter und Blüten tauchen gerade jetzt wieder auch manchmal geradezu entzückende Folksongs von neuen Songwritern und Bands überall auf. In der seit ca. 100 Jahren existierenden Folkbewegung entstand in den 1960er Jahren Folkrock und eine inhaltlich auch politische und sozialkrische Bewegung. Heute geht es im Neo und Indie Folk meist mehr um nette, private Befindlichkeiten als um Gesellschaftskritisches, das aber doch, wenn auch oft nur andeutungsweise, vorhanden ist. Einige Folk-CDs habe ich gerade in der engeren Auswahl. Die beste Einspielung davon stammt von Mighty Oaks und heißt "Howl".

 

Mighty Oaks - Großstadt, Naturverbundenheit und holziger Folk Sound

Mighty Oaks haben die Berge und Wälder Amerikas als Coverdesign von "Howl" und die Großstadt  Berlin als Wahlheimat genommen. Aus dem Nordwesten Amerikas, aus England und Italien stammen die Musiker Ian Hooper, Craig Saunders und Claudio Donzelli und haben nun in Deutschland eines der besten Folkalben dieser Tage herausgebracht. "Howl", das ist sehr schön bewandert sein auf akutischen Saiteninstrumenten, und besonders prägnant ist auch das wenn auch nicht harte, aber dafür immer wieder treibende Schlagzeug und der mehrstimmige Gesang. Das gehört zwar zum Gros des Indie Folk, ist aber bei "Howl" unverwechselbar und klingt nicht zu sehr epigonenhaft, auch wenn beispielsweise schon auf Neil Young oder Fleet Foxes verwiesen wird. Und eine Verwandtschaft zu etwa The Lumineers beobachtbar ist. Als holziger Folk wird der Sound von Mighty Oaks also übers Label angekündigt. Die Mighty Oaks lieben die Natursymnolik und spielen mit Romantizimen, die aber eben nicht überbordend sind. Dem ruhig Kontemplativen, manchmal Melancholischen folgt immer sowas wie Frohsein. Und Natürlichkeit ist Hauptdevise. Wirklich jeder Song der CD wirkt dabei Könnerhaft.  Da ist  beispielsweise das feine "Captains Hill" oder das sachte "When I Dream, I See". Mighty Oaks stellen gleich mit ihrem Debut "Howl" eine kleine Größe in der aktuellen Folkszene dar.

Mighty Oaks
"Howl"
www.mightyoaksmusic.com

Sommer fast vorbei. Jazz and Country goes Pop - eine deutsche Band  ganz amerikanesque: Hanna Köpf mit "Lonley Dancer"

Jazz und Country goes Pop mit "Lonely Dancer" von Hanna Köpf In Köln. Für das Album werden  auch typisch amerikanische Instrumente wie Steel Guitar und Dobro gekonnt eingesetzt. "Lonely Dancer" ist eine authentische Mixtur aus Folk, Country, Jazz, Gospel und das mit einer Idee Pop. Songs sind das von Roots wissend und Swingendes kennend, die die Musikerin mit Kölner Jazzern eingespielt hat. Das ist sinnliches Liedgut von feinster Machart. Lieder, die von Hoffnung erzählen, aber nicht zu wenig auch Melancholie spüren lassen. Und unprätentiös wie das Ganze ist, darf es auch sein, weil musikalisches Können und Wissen überzeugen. Nicht allzuviele deutsche Musiker kommen dem Feeling von amerikanischem jazzigen Country und seinen diversen Variationen und Spielarten wirklich und überzeugend nah. Hannah Köpf allerdings gelingt das. Und das auf eine hübsche, facettenreiche  Art, die eventuelle, gelegentliche Popnähe nicht oberflächlich macht, weil immer doch auch wieder raue Roots spürbar sind. Erarbeitet hat Hannah Köpf das Album hauptsächlich mit dem Multiinstrumentalisten Tom Dudek. Und gelernt hat sie nicht nur im Studium, sondern auch von der Musik von Joan Baez und Juni Michell. Mit natürlichen, selbstbewußten, direkten Songs, die dem amerikanischen Songwriting stark verwandt sind, präsentiert sich "Lonly Dancer" als Kleinod.




veröffentlicht: www.culturmag.de

Thursday, March 13, 2014


Fensterfrontspiegelung, Architekturdetails München 2014
© Tina Karolina Stauner