Saturday, September 03, 2011


Birgit Ulher "choices" (Another Timbre, 2011)

Konsequent experimentell in der internationalen Improvisationsszene ist Birgit Ulher mit ihrer Trompete. Oft in einem vollkommen freien Bereich, in dem ohne Themen und Absprachen aus dem Moment improvisiert wird, real time music genannt. Töne wie in einem Kontext einer ureigenen Schrift mit eigener Grammatik und Rechtschreibung.
Auf "choices" mit Trompete, Tondämpfer und Radio und in Kollaboration mit Lucio Capece an Sopransaxophon, an Bassklarinette und an Minimegafon sind drei Stücke, die "physical", "chance", "orbital" bezeichnet sind.
Dem Stück "physical" ist ein vorsichtiges, aber auch hart werdendes Pulsen und Vorwärtsbewegen integriert neben den oft wie schwirrenden, klirrenden Tönen und es wirkt insgesamt beinahe zerbrechlich. Die Klänge des lang ausgedehnten "chance" sind auch versehen mit nervös sirrendem Kreischen und Scheppern neben leisen, sinnlichen, manchmal auch stark spitzen hellen oder dumpf dunklen Unter- und Obertönen. In dem kurzen "orbital" ist Fiepen, Dröhnen in sich besonders räumlich entfaltenden Klangschichten zu finden.
Blasinstrumente können brummend, murmelnd, keuchend, kratzend, klopfend und in vielen weiteren oft unüblichen Schattierungen erklingen und experimentell eingesetzt werden. Statt konventionelle Musik kann man damit alle möglichen Geräuschklangwelten produzieren.
"choices" ist wie Textur in der bildenden Kunst. Ulher studierte ursprünglich Malerei. Nur wenn man unbedingt will kann man mit der Musikwelt von "choices"auch Realismus absolut oder relativ frei assoziieren in einem Strom der Ideen, der der freien Improvisation entspricht und mentale Entspannung oder Irritation evozieren kann.


www.birgit-ulher.de

veröffentlicht: www.culturmag.de

Thursday, July 28, 2011

“Realism is nothing more and nothing less than the truthful treatment of material.” (William Dean Howells)


Breece D'J Pancake - "Stories" (weissbooks)

Hinterwäldlerweisheit statt Weltgewandtheit

Realismus - Amerikanischer Realismus

Realismus ist schon immer eine Geisteshaltung. Ob im 19. Jahrhundert in der Literatur, ob in der Neuen Sachlichkeit der Malerei des 20. Jahrhundert oder heute hier wie dort. Auch Realismus existiert noch in der Postmoderne. Realismus ist einfach betrachtet für alle und jeden das Fassbare, Objektive. Aber Realismus ist weit mehr.
Der amerikanische Realismus des Autors Breece D'J Pancake ist erst einmal einordenbar in klassische amerikanische Story. Exakter Realismus und keine weiteren Ismen. Aufmerksamer betrachtet: Präziserer Realismus lässt sich kaum schreiben. Bei der Annäherung an Pancake lässt sich zudem begreifen, dass es Abstufungen im Realismus gibt. Und dass Pancake sehr weit gegangen ist. So weit, dass er es offenbar nur ertrug ein Werk vom Umfang eines schmalen Buchs zu schaffen.
Scheint beispielsweise des öfteren Automatismus risikobeladen für einen Autor und Künstler gewesen zu sein, so sollte man vielleicht sagen: Sei vorsichtig mit dem Realismus. Mit realistischen Sichtweisen und darin verschieden mögliche zu kombinieren. Eine Vielzahl realistischer Positionen kann wissenschaftlich erörtert und diskutiert werden.

Hillbilly

"Almost heaven, West Virginia / Blue Ridge Mountains, Shenandoah River / Life is old there, older than the trees / Younger than the mountains growin' like a breeze..." (John Denver, Sommer 1974).
Breece D'J Pancake lebte von 1952 an in West Virginia. 1979 nahm er sich mit 27 Jahren das Leben. Nachdem er 12 Geschichten geschrieben hatte.
Mit Namen Breece Dexter Pancake in Milton geboren studierte er in Buckhannon und Hundington, unterrichtete Englisch und besuchte Schreibkurse. Als Hillbilly distanzierte er sich gerne von anderen. Pancake schätzte den Singer-Songwriter Phil Ochs, der sich als singender Journalist bezeichnete mit topical songs und der das Umfeld von z.B. Joan Baez, Pete Seeger und Bob Dylan und auch die Metropole New York frequentierte. Der Begriff Hillbilly gilt nicht nur in der Musik. Vielleicht kann man Pancakes Literatur old time literature nennen. Bewußt der Country- and Folk-Music, der Mountain Music nicht abgewandt. Das Getümmel von New York schien Pancake nicht anzuziehen. Er blieb in West Virginia, auch The Mountain State genannt. Einer der ärmsten Staaten Amerikas. Seine ersten Geschichten veröffentlichte Pancake in The Atlantic Monthly. Erst vier Jahre nach seinem Tod erschienen seine Stories als Buch. Und wurden nun bei weissbooks erstveröffentlicht in deutscher Übersetzung von Katharina Böhmer.

Breece D'J Pancakes Kulturkosmos

Pancakes literarische Welt war der raue, harte Alltag von Arbeiter-, Bergleuteexistenzen in der Provinz. Oder Hilfsarbeitern, die beruflich lieber unterwegs waren als in einer Heimat. Nicht der "american dream" war Pancakes Thema, sondern die Welt des einfachen Mannes. Nennt Jayne Anne Phillips die Stories von Pancake die amerikanischen "Dubliners"( James Joyce), so hat sie was die Qualität angeht sicherlich recht. Und Pancake hätte auch ein umfangreicheres, großartiges Werk vorlegen können. Aber er wäre vermutlich in eine andere Sphäre als die des Joyceschen "Ulysses" vorgedrungen. Er war zu sehr, zu tief Realist. In völlig frei fließende Assoziationen wäre Pancake wahrscheinlich literarisch nicht gegangen.

Pancake schrieb über ein pures aber eher grobes Leben ohne das dekadent Verfeinerte einer Großstadt. Ohne sophisticated Kosmopolitismus mit einzubeziehen. Das unterschied ihn von jemandem wie Ernest Hemingway. Auch wenn er diesem nicht ganz fern war. Pancake stand einem wie William Faulkner näher. Auch Faulkner schrieb über Provinzler. Aber Pancake war purerer Realismus als Faulkner. Faulkner hatte eine zusätzlich reflektierende Ebene, die Pancake wegließ. Pancake war direkter, noch schnörkelloser. Ländliches, Menschen, Dialoge. Das genügte für einen reduzierten aber perfekten, exzellenten, schonungslosen Realismus.
Wieder einmal vielleicht bei amerikanischem Realismus den Maler Edward Hopper erwähnen. American Scene. Als Anhaltspunkt, Hinweis. Hopper war analytischer, klarer Realismus. Wie ihn Pancake in der Sprache anlegte. Pankake ging nur im Härtegrad weiter. Pancake war spröder, aber wohl auch noch einfühlsamer. Wie mit einer Lupe betrachtete er alles und gab dann seine Beobachtungen in seiner Literatur weiter.

Abenteuer der Wirklichkeit

Die Frage nach der Realität stellte auch kürzlich die Münchner Hypo-Kunsthalle mit der Ausstellung "Das Abenteuer der Wirklichkeit". Die Moderne spricht vom Zweifel an der Darstellbarkeit der Realität. Davon, dass Objektivität zum Paradoxon wird. Realismus ist ein komplexes Phänomen. Realität ist Konstruktion. (Läßt sich den Informationen zur Ausstellung entnehmen.) Ausgesprochen detailliert und genau jedenfalls ist Pancake in die literarische Darstellung von Realität gegangen. Und ab einem bestimmen Maß an Genauigkeit der Realität ist das für einen Künstler vielleicht schwer ertragbar. Warum brachte ein Talent wie Pancake sich um? Vielleicht sah er zu präzise?



Abenteuer des Schreibens

In den Geschichten von Pancake immer wieder auftauchend dominierende Männer und deren Grausamkeit. Gegenüber der Welt der Frauen. Und überhaupt. So war das damals in der Provinz. Wohl nicht nur damals und dort. "...Er fühlte sich leer vom vielen Reden mit ihr und wollte nicht da sein, wenn sie wach wurde..." ("Der Schläger") Pancake, wach, schrieb. "...Ottie hört Sheila lachen, aber tiefer als er es in Erinnerung hat. Früher war ihr Lachen höher, und die alte Frau scheuchte sie über die Veranda und sagte: "Bitte nicht Schätzchen. Ein Lebewesen kann fühlen."..." ("Bei dieser Trockenheit") Pancake, fühlend, schrieb.
Pancake, sensibel aber unpathetisch, knallhart beobachtend, schrieb. Und brachte sich dann um. Ihm als Autor war Brutalität gegenüber anderen, wie sie etwa seine Protagonisten ausführten, fremd. Pancake, ein Realist, der der Welt zu früh abhandenkam.

www.weissbooks.com

"...And the red sun of the morning was smiling through the trees,
As the darkness of the night was quickly fading,
And the fog hugged the road like a cloudy, cloudy sea,
As we drove though the hills of West Virginia..."
(Phil Ochs)

Philip David Ochs

Hypo-Kunsthalle München - "Abenteuer der Wirklichkeit" (2010): Abenteuer der Wirklichkeit

veröffentlicht:
www.fixpoetry.com/feuilleton
www.fixpoetry.com

Tuesday, July 12, 2011

MINAMO - Improvistion zwischen Kammermusik und Jazz über Wasseroberfläche

Carla Kihlstedt und Satoko Fujii

Minamo ist das japanische Wort für Wasseroberfläche. Musikalische Imagination zum Reflektierenden, Bewegten, Fließenden. Musik wie Wasser nicht begrenzt, nicht konkret. Musik, zwar auch basierend auf klassischer Kammermusik, aber doch weit hineinentwickelt in die Beweglichkeit der Improvisation.
Satoko Fujii zu Minamo: “Dinge, die keine feste Gestalt haben, sind sehr stark. Das ist wahrscheinlich eine sehr japanische Idee. Wasser hat keine Gestalt, also kann es nicht zerbrochen werden. Wenn etwas eine feste Gestalt hat mit einem harten Material, wie Stahlbeton, kann es -wenn es einmal zerbricht -nicht mehr geformt werden.Und wir mochten einfach den Klang des Wortes Wasser.”
Carla Kihlstedt: "Unsere Musik lebt an dem Ort an dem Offenheit und Entschlossenheit, Spontaneität und Baukunst sich treffen."

Minamo ist wie eine Umsetzung der Welt der Wasserreflexionen in Musik. Und Musik wiederum " ist der perfekte Träger für die Alchemie von Gedanken, Instinkten, Gefühlen und Ideen", so Kihlstedt.

"Minamo"
Minamo "Black River"

Es gibt zwei CD-Veröffentlichungen von Minamo: "Minamo" (Henceforth Records, 2007) und "Kuroi Kawa/Black River" (Tzadik Records, 2009).

Die Japanische Pianistin Satoko Fujii ist eine völlig eigenständige Kraft neben einer Größe wie Myra Melford. Spielt in unterschiedlichen Formationen. Genauso wie Carla Kihlstedt. Die auch im Avant-Rock zuhause ist. Beide sind klassisch ausgebildet und mit ihren Projekten in die freie New Yorker Szene verwoben.

Die CD "Black River" ist Asiatisches und Amerikanisches zwischen zeitgenössischer E-Musik, Avantgarde-Jazzigem und frei Improvisiertem. Zwei CDs, vier Hände, zwei Stimmen, vier Musikinstrumente Violine, Trompetenvioline, Piano, Akkordeon. Oft sanft, gelegentlich wild, strukturell aber befreit, immer wieder voll immenser Klarheit, dann wieder mit Ausbrüchen in wirr Stürmisches, vom Tonalen bis zur Grenze des Atonalen gespannt, studioaufgenommen und live.
Zwar mit Versiertheit aber frei von zu eingespielten Verhaltensmustern. Zwei Musikerinnen mit extremer Sensitivität, Konzentriertheit, feiner klanglicher Eleganz kreierend in einem schwebenden, offenen Freidimensionalen. Ein Klangraum jenseits von Banalitäten, Grobheiten, Sinnlosigkeiten. Von der Welt des avantgardistischen Jazz aus einerseits ins perfekt elitäre Kammermusiklische verweisend und andererseit vereinzelt rar vorkommend Volksmusikalisches aufgreifend. In differenziertesten Nuancen der Kommunikation. Jederzeit auch als Weg der Transdifferenzierung aus einem Sog der Dedifferenzierung nutzbar, der im Alltäglichen immer wieder drohen kann.

So war Minamo mit Carla Kihlstedt (Stimme, Violine) & Satoko Fujii (Piano, Melodica) beim Jazzfestival Saalfelden am 28.08.10 ein intensiver, konzentrierter, wunderschöner Nachmittags-Set verfeinerten Avantgarde-Jazzes.

Minamo - Wasser ist eine Welt der Reflexionen. Landschaft ist das Produkt ästhetischer Reflektion und Perzeption von Realität. Und ein vielfarbig aussehendes Elemet dessen ist Wasser und dessen Oberfläche.

Bei Wasser denkt man einerseits an Transparenz oder an eine blaue und blaugrüne Wasserfläche. Tatsächlich sieht Wasser aber oft ganz anders aus. Denn auf der Wasseroberfläche findet eine Brechung, Spiegelung statt. Da es sich bei Luft und Wasser um zwei Medien mit einer unterschiedlichen optischen Dichte handelt, kommt es, je nach Einfallswinkel, zu einer Reflexion der Lichtstrahlen, Spiegelung, oder einer Lichtbrechung. So einfach das Wasser zu sein scheint - eine simple Verbindung zweier Elemente, Sauerstoff und Wasserstoff - so kompliziert und vertrackt ist Wasser jedoch, wenn man es genauer untersucht.
Auch in der Beobachtung durch Künstler wird Wasserfläche in allen erdenklichen Facetten entdeckt. In der visuellen Darstellung in Malerei, Zeichnung, Fotografie genauso wie in der Musik.

Bei einer Umfrage unter Kunst- und Kulturschaffenden antwortete man mir mit vielfältigen Sichtweisen von Wasseroberfläche auf die Frage nach ersten bildlichen Assoziationen. Ein Kanadischer Künstler schickte mir ein Foto einer Wasserfläche auf der sich eine breite, blendende Lichtbahn von einer fahlweißen Sonne ausgehend ausbreitet. Eine Philosophin aus England antwortete mit unzähligen Bildern aus ihren Archiven mit Naturfotografien, die helle Gischt auf grünem Wasser an einer Meeresküste zeigen. Ein Musiker und Maler aus Frankreich sandte Fotos, die verzweigende, schwarze, feine Verästelungen darstellen, die neben einem Waldrand verwischt auf reißend fließendem dunklen Wasser abgebildet sind. In Quebec dachte ein Komponist an gefrorenes Wasser, hatte mit seinem Foto eine Eisfläche fokusiert, in der runde, weiße Flecken, Luftblasen, in der Durchsichtigkeit eingeschlossen sind. Aus Kalifornien erhielt ich eine Darstellung einer Wasserfläche, die wie ein perfekter, glasklarer Spiegel wirkte und die gegenständliche Welt, eine buntfarbige Häuserzeile, exakt nochmal realistisch abbildete.

Wasser kann alle Farben haben und keine. Kann alles widerspiegeln und nichts. Eine glatte Fläche sein oder aufgewühlt strukturiert. Wasser kann jedes abstrakte oder figürliche Bild annehmen. Entscheidend dafür, wie Wasser ausieht, ist natürlich immer das jeweilige Licht. So kommt es zu brennendroten, tiefschwarzen, pastellbraunen oder milchigweißen Wasserflächen, wie sie eine Münchner Künstlerin malt und fotografiert. Und Wasser zeigt sich schließlich in anderen Aggregatszuständen in Form von Nebel, Wolken und Schnee hauptsächlich in Weiß und in Grautönen, die aber auch wieder bei verschiedenem Tageslicht andere Farbspuren enthalten können.

Das Projekt Minamo nähert sich einem im spirituellen, meditativen, aber auch expressiven, experimentellen Sinn musikalischen Sehen von Wasserflächen.

Foto: © Tina Karolina Stauner

www.carlakihlstedt.com
www.satokofujii.com

veröffentlicht: www.skug.at

Tuesday, July 05, 2011

Redenreihe 'Freiheitsfelder' im Rahmen der Münchner Opernfestspiele:
Im Kontext des Spielzeitthemas 'unfrei frei' werden Fragen wie die nach der Freiheit einer Gesellschaft gestellt.
Tatsächlich findet sich im Kulturmanagment der Staatsoper München auch Platz für eine informativ-politische Vortragsreihe, die mit Musik kombiniert ist und sich 'Freiheitsfelder' nennt:
04.07.11 - Über:Maß
11.07.11 - Über:Macht
18.07.11 - Über:Mut
Als Beiträge zur Stärkung der demokratischen Gesellschaftsordnung ansehbar.

Am 04.07.11 war einer der Gesprächspunkte mit Rednerin Shirin Ebadi: Einhaltung der Menschenrechte im Iran.

Nicht nur im Iran findet Menschenrechtsverletzung statt. Menschenrechte werden auch in Europa nicht immer eingehalten. Wer dies im gesellschaflichen Diskurs näher benennt kann auch Hierzulande starkem Druck ausgesetzt sein.

Opfer von Menschenrechtsverletzung können so zugrunde gerichtet werden, dass sie beispielsweise nicht mehr empfänglich sind für Musik.

Freiheitsfelder

Sunday, July 03, 2011

"Gott ist Schönheit", Smeds Esemble, Kammerspiele München, 02.07.11

Der finnische Maler Vilho Lampi: Liebe, Verachtung, Trotz, Schönheit, Freiheit, Göttliches, Kunst

Das Smeds Esemble inzeniert mit "Gott ist Schönheit" nach dem Roman Paavo Rintalas aus dem Jahr 1959 eine Hommage an den finnischen Maler Vilho Lampi, der von 1898 bis 1936 meist in Liminka lebte. Gegen die Kälte des finnischen Winters, die Ignoranz, die Nazis und das neue Europa trotze er, so die Programminfo. Er malte expressiv-realistisch Selbstporträts, Porträts von einfachen Leuten, Landschaften, Stillleben.

Der Zuschauer findet sich bei der Inszenierung "Gott ist Schönheit" konfrontiert mit einem spartanisch ausgestatteten Bühnenbild von Riikka von Martens und Kristian Smeds. An die Rückwand eine großformatige Leinwandmalerei gelehnt. Ein Porträt. Ein Bild, das aber eigentlich noch einfach nur Skizze ist. Und auch zum wechselnd beleuchteten Farbfeld werden kann. Ein Bild, das an eine der späten Leinwandarbeiten von Francis Bacon erinnert, die von diesem nicht fertig gemalt wurde und Skizze geblieben ist. Die völlig anderen Bilder des Malers Lampi zeigen sich im Stück nicht. Aufgeführt werden vom Smeds Esemble 10 Bühnenszenen aus denen sich die Malerei Lampis nicht gleich erschließen läßt. Es bieten sich Teile des Lebens des Künstlers , die seine Persönlichkeit darzustellen versuchen. Facetten seines Charakters. Seiner Vorstellungswelt. Seines Tuns. Seines Unterwegsseins. Eine surreal merkwürdig anmutende Geschichte. Mehr Roman als Biografie. Mehrere Handlungsorte, Lebenswelten. Sprunghafte Phantasieebenen, Realitäten, Intentionen, Perspektiven.

Der Maler ist in diverse Personen aufgesplittet. Und Darstellung von erstrebter Schönheit präsentiert sich hauptsächlich auch als Grobheit und Kargheit. Die Handlungsbilder beispielsweise: Bewegung mit kräftigen Seilen, Brennen funkelnder Lichter im Dunkeln, Schläge mit einer Axt auf einen Eisblock oder Hiebe auf eine Holzsstele. Expressionistische, exzessive Ausbrüche. Manchmal wie tänzerisch. Manchmal wie primitive Vorgänge. Manchmal wie schwerlastig. Manchmal wie spielerisch. Diverse innere Kräfte und Vorgänge, die für das Schaffen von Kunst mehr oder weniger unumgänglich sind. Und für die Freiheit der Kunst und des Künstlers um die es geht.

Lampi fühlte sich wohl außerhalb des Lebens und der Gesellschaft. Wollte auch Gewalt anprangern und dass jeder Traum unmöglich werden kann. Der Humor des Ensembles wirkt dabei manchmal wie seltsam in das Bühnengeschehen untergemischt, scheint nur schwer mit manch grobem Inhaltlichen konform zu gehen.
Die Bilder, die Lampi malte, sind sachlich oder expressionistisch, durchaus auch hart aber ohne Brutalität, sind mehr als eine Spur sanfter und einfühlsamer als die Handlung des Stücks vermuten läßt. Wenngleich seine Gemälde farbkräftig Kompromisslosigkeit widergeben. Lampis Malerei ist immer auch Menschlichkeit und Wärme widerspiegelnd. Die den Bühnenzenen immer wieder fehlt. Die aber die Musik des Stücks wiederum hat. Stark rhythmusbetonter finnischer Folkrock, von Tomi Rikkola, Tuomo Kuure, Juha Menna live auf der Bühne gespielt, und der Bilderwelt des Malers vielleicht fast adäquater als das Theaterspiel.

War Lampi gewalttätig, fragt man sich. Wohl kaum. Er war Künstler. Kein Künstler hat Gewalt nötig. Lampi dürfte seine inneren Kräfte fokusiert haben und ließ sie natürlich in sein künstlerisches Schaffen fließen. Ich frage mich aber, ob Lampi dabei überhaupt Humor hatte. Oder ob der Humor nur zum Smeds Ensemble gehört.

Der erster Eindruck, den das Smeds Esemble mit dieser Produktion hinterläßt, ist irritierend. Kennt man das Werk des Malers noch nicht und sieht die Aufführung, kann man sich nicht direkt seine Gemälde vorstellen. Auch nicht durch die Malereiskizze im Bühnenhintergrund. Und mich hat ein Handlungsinfoblatt und die ganze Vorführung nicht auf Paavo Rintalas Buch und die Handlung wirklich neugierig gemacht. Ich blieb auf extremer Distanz. War nur bei Teilszenen dazu motiviert mich darauf einzulassen. Dafür aber mich weiter ausführlicher mit der Malerei Lampis zu befassen.

Sowohl der Maler Vilho Lampi als auch die Musiker Tomi Rikkola, Tuomo Kuure, Juha Menna, teils der von 1998 bis 2011 existierenden Band Pohjannaula entstammend, sind als bereichernd durch die Inszenierung inspiriert zu entdecken.

Den kaum bekannten Vilho Lampi einordnen zu wollen für die, die seine Malerei noch nicht sahen, dürfte durchaus in der Verwandtschaft der Novembergruppe sein. Einer Malergruppe aus dem Redaktionsumfeld von Herwarth Waldens Zeitschrift Sturm, die von 1918 bis 1935 mit Schwerpunkt in Berlin agierte. Zu der Max Pechstein als Gründer gehörte. Maler, die an sozialen Veränderungen interessiert waren, als bolschewistisch beschimpft von den Nationalsozialisten verboten wurden. Und an einer Vereinigung von Kunst und Volk arbeiteten, die schwer möglich war. Vilho Lampi jedenfalls gab seinen Lebensentwurf auf indem er Selbstmord beging.

Über den 41-jährigen namhaften finnischen Regisseur des Stücks Kristian Smeds mit Arbeitsbasis Helsinki, einst längere Zeit in einer finnischen Kleinstadt lebend und Leiter des seit 2007 bestehenden Smeds Esembles, ein internationales Künstlernetzwerk, heißt es seine Lieblingsthemen seien: Liebe, Tod und Gott, garantiert mit Humor "stark und schwarz - wie guter Kaffee".

Die finnische Mentalität des Smeds Esemble braucht möglicherweise mehr als eine Annäherung. Die aber schon einige, wie sich an der Zuschauerzahl zeigte, überhaupt nicht unternahmen.
"It's nothing personal, it's just art" (Smeds Ensemble)

Vilho Lampi
Smeds Ensemble
Kammerspiele München

veröffentlicht: http:www.textem.de
http:www.aurora-magazin.at

Saturday, July 02, 2011

Zwei Finnlandthemen vorerst als kurze Zwischennotiz zu Filmfestspiele und Kammerspiele München:

Aki Kaurismäki und sein neuer Film "Le Havre" © Pandora Filmproduktion


Vilho Henrik Lampi (1898 – 1936)
Eine Hommage an den finnischen Maler als Playwright von Kristian Smeds nennt sich "Gott ist Schönheit"

Friday, July 01, 2011


Filmfest München 2011
Foto: Tina Karolina Stauner

Einige weitere compact-snapshots (nicht (d)slr): Raum, Architektur und Stillleben - Filmfest München 2011

Sunday, June 19, 2011



Buchneuerscheinung für Theatermenschen und Theaterinteressierte mit Beiträgen von 13 Autoren: "Raum und Objekt im Werk von Samuel Beckett" (transcript/lettre, Hg: Franziska Sick)
Intellektuelle Zwischenräume und Raumästhetik
Samuel Beckett und Theaterstücke, Fernsehstücke und Literatur

Wie Beckett das linguistisches Paradigma durch räumliches Paradigma ersetzt oder Raumkonzept der Leere:

"...Raumgeprägt ist nicht zuletzt Becketts Schreiben. Es leitet sich aus früheren Bilderfahrungen her, die ihr besonderes Augenmerk auf die Zwischenräume lenkt. (Mark Nixon) Von solchen 'room spaces', von Unterbrechungen und Leerstellen, die er mit Zeichnungen ausfüllt, sind Becketts Manuskripte geprägt, sie finden sich aber auch in seiner Poetik, die Beckett als Kunst der Pause versteht..." aus "Raum und Objekt im Werk von Samuel Beckett" ( Franziska Sick)

"...In Beckett und Handke prallen zwei Räume und Zeiten aufeinander: der komprimierte symbolische Raum Krapps und der leere vorsymbolische Raum der Frau. Raummetaphorisch ausgedrückt, entlarvt die Frau in Handkes Text Krapps scheinbar leeren Raum als bedeutungsvoll und stellt zugleich das physische (nicht symbolische ) Hier und Jetzt, das ihrer Meinung nach von Krapp verdrängt wurde, ins Zentrum. Damit ist Handkes Text der Versuch, die grundlegende Dichotomie bei Beckett zwischen Bedeuten und Bedeutungslosigkeit ins Blickfeld zu bekommen, ganz im Sinne des "spatial turn"..." (aus "Das allerletzte Band: Handke zu Beckett in den Münchner Kammerspielen"/"Raum und Objekt im Werk von Samuel Beckett" von Susanne Hartwig)
zu "Das letzte Band/Bis dass der Tag euch scheidet oder eine Frage des Lichts" von Samuel Beckett/Peter Handke inszeniert von Jossi Wieler 2009 in den Münchner Kammerspielen

Beckett Gesellschaft Kolloquium 09
Featuring Beckett: Beckett Werkliste bei Rhys Tranter
Rückblick auf Beckett-Projekte:
Beckett "Nacht und Träume, 1983" im Medienkunstnetz
Beckett "He, Joe, 1966" im Medienkunstnetz

Saturday, June 11, 2011



Short Message in Sachen Callahan

Bill Callahan "Apocalypse" (Drag City)

"Seven messages" in Songwriting. Ohne die Schwächen, die das Vorgängeralbum "Sometimes I wish we were an Eagle" zeigte. Sondern wieder, wie Callahan meist, exzellent Essenzielles, absolut Substanzielles...: der Kern, die Identität, das Wesentliche.

Friday, June 10, 2011


5 Höfe, München
Entstanden zwischen 1998 und 2003. Architekten: Herzog & de Meuron und Hilmer & Sattler & Albrecht
Foto: Tina Karolina Stauner, 2011

Thursday, May 26, 2011

Bernd Zimmer "Die Übersetzung von Natur in Bildräume"

Water. Mirror - Neue Bilder
19/05/2011 - 30/07/2011
Galerie Pfefferle München
Galerie Pfefferle
Bernd Zimmer, "Reflexion", 2009, Acryl auf Leinwand, 160 x 130 cm

Vorgestellt wird von der Galerie auch ein Werkverzeichnis.
Bei Zimmers Malerei geht es um Fragen wie: "Wie ist es möglich , die Farbstimmung, das Licht, das Ursprüngliche einer Landschaft in einem präzise konstruierten Farbraum widerzuspiegeln?"

So fing das alles an. Damals. Neue Wilde. 80er Jahre.

Bernd Zimmer "Roter Stein (Aufstieg)", 1983, Dispersion und Öl auf Jute

Malerei. Dokumente:
"...Das Getöse der hereinlärmenden Subway und des vorüberdröhnenden Express Trains ist trommelfellzerreißend, die Fahrgäste werden aufgefordert, beim Nahen der Züge die Ohren zu schließen und, bitte, nach 18 Uhr nur die vorderen Wagen zu benutzen, die Gefahr von Raub und Vergewaltigung ist dann geringer. Ein Mann erklimmt das World Trade Center, ausgestattet nur mit Haken und Steigeisen, 110 Stockwerke hoch. Wann baut man endlich die U-Bahn vom Moritzplatz nach Manhatten? Erinnerungen, Herbst 1978. Rainer Fetting wird von jugendlichen Schwarzen im Hausflur überfallen...Die Bronx sieht teilweise aus wie Berlin 1945, abgebrannt, verwüstet, tot. Mark Rothkos Farben glühen, schimmern, sterben im Guggenheim Museum, Matisse prunkt im Museum of Modern Art, Salomé gibt eine Performance auf dem West Broadway, der Via Sacra das Avantgardekünstlers. Helmut Middendorf dreht eine tonnenschwere, gewichtlose Plastik auf dem Astor Place und redet abends Starkdeutsch. Natürlich war Bernd Zimmer auch schon dagewesen, vorher..."
Und: "...Da sind die Brücke-Künstler, sind die Fauves: verwandte Expressionisten, wilde Farbigkeit, auch - neben der Natur- das Großstadterleben..."
(Zitate aus dem Katalogvorwort "Heftige Malerei" Berlin, Haus am Waldsee 1980 von Ernst Busche, abgedruckt in der Zeitschrift Malerei-Painting-Peinture Nr. 5, Edition Pfefferle)

Wednesday, May 25, 2011

Gartendetail Nigel Rollings

"Die Gärten von New York"
Text von Veronika Hofer und Fotografie von Betsy Pinover Schiff
(Hirmer Verlag, München, 2010)

Die grüne Seite von New York
Man kennt von New York Unmengen an Architektur- und Streetfotografie.
Das hart urbane und hektisch dicht Bevölkerte der Metropole ist im Fotomaterial des Buchs "Die Gärten von New York" Hintergrundaspekt. In dem Bildband sind Beton, Stahl, Glas und Asphalt der Straßenschluchten dieser Stadt nur zu erahnen.
Im Fokus statt dessen Hinterhof- und Dachgärten, Parks. Die Idyllen New Yorks.
Gartenkunst von namhaften Gartengestaltern, -architekten und -künstlern aus der ganzen Welt. Rückzugsorte und Privilegien, die wie zeit- und ortlose Inseln einer möglichen harmonischen Realität in der Stadt zu sein scheinen.

Mir fallen die Gärten des Engländers Nigel Rollings auf. Englischer Flair mit einem Touch Fernost und Zen.
Er gestaltete beispielsweise einen Minihinterhof in Brooklyn. Rollins sagt, dass ihn dieser Garten ein Jahr seines Lebens gekostet hat. Viele Menschen geben sich diese Zeit nicht, sie wollen "Instant-Gärten", wie Rollins das nennt. Aber es bedarf der Ruhe und des beobachtenden Nachdenkens, um zu verstehen, was der Platz braucht, an dem etwas so sensibles wie ein Garten entstehen soll.
Und Long Island City/Queens ist der Ort an dem Rollings 150 Quadratmeter zu einem abgeschiedenen Weltstadtgarten verwandelte. Holzveranda und -stege, Klinkerziegel, Tonschalen, Bambus, Staudenbeete und Teich. Ein großes Fenster seiner Wohnung gibt den Blick in dieses Grün frei. Die Tür daneben ist vom Frühjahr bis in den Herbst hinein offen und verdreifacht seinen Lebensraum.

Der Bildband kann jedem, der ein Großstadtleben führt und dessen Blick verbaut ist von Wänden und Architektur oft auch der seelenlosen, tristen Art, das Sensible von Natur und Gärten ins Bewußtsein rücken und das Gefühl dafür freilegen.

Garten mitten in New York findet sich als Dorffleck genauso wie Museums-Kunstgarten, Fake Garden, Bauhausstil, klassisch Japanischer Garten, Dschungelanlage, Blumenmeer, Parkeleganz und diversen weiteren Facetten.
Hier souverän von der Landschaftsarchitekturfotografin Betsy Pinover Schiff präsentiert. Veronika Hofer gibt in ihren Texten dazu wichtige Hintergrundinformationen.

Ken Smith, Landscape Artist, der u.a. den artifiziellen MoMA Rooftop Fake Garden designte, geht mit Moderne und Postmoderne um. In einem "Garden for the View", einem Schattengarten, der ein Skulpturen-Garten ist mit Lage Central Park South in Manhattan, spielt er mit Materialien. Ein geometrisches Konzept: Verschiedene Materialien sind in klar gerahmten Feldern und Bändern angeordnet. Kleingeschredderte matt-dunkle Gummiteile in starkem Kontrast zu weißen Marmorkieseln und türkisfarbenen, glitzernden Glasmurmeln, die jeden Lichtstrahl reflektieren. Dazwischen vertikale Trennwände aus aluminiumfarbenen Holzgittern, Pflanzen und vereinzelt Skulpturen.

Betsy Pinover Schiff: www.betsysphotos.com
Nigel Rollings: www.nigelrollingslandscapedesign.com
Ken Smith: www.serenityinthegarden.blogspot.com

veröffentlicht: http://www.textem.de

Saturday, May 21, 2011

Lucian Freud, Radierung, 2005

Lucian Freud "Portraits"
18 Radierungen und ein gemaltes Portrait seiner Mutter

Erste Einzelausstellung von Werken Lucian Freuds in einer privaten deutschen Galerie 05.05. bis 03.06.11
Galerieinfo: www.danielblau.com

"Ob das Modell den Künstler anschaut, die Augen gesenkt hat oder zur Seite blickt, während der Maler in zahlreichen Sitzungen paradoxerweise gerade das Flüchtige und Vergängliche des Augenblicks, das Unvorhersehbare des Übergangs von einem Augenblick zum nächsten festhält, es ist immer eine gewisse Melancholie zu spüren."
"Whether the sitter is staring at the artist, looking down, or even looking away, there is rather an inevitable sense of melancholia, as he the artist, paradoxically over in as many as a hundred sittings, captures what in essence is a fleeting and ephemeral moment, immortalised on that unpredictable path to the next..." (escerpt from the essay by Norman Rosenthal)

"Lucian Freud (1922 in Berlin gebnoren, seit seinem 11. Lebensjahr in England lebend) zählt zu den führenden Porträtisten der Gegenwartskunst: Sein schonungsloser Blick auf den menschlichen Körper setzt neue Maßstäbe für das Porträt und die Aktmalerei." Ein Katalog zur Ausstellung beim Hirmer Verlag würdigt erstmals Lucian Freuds grafisches Œuvre. "Über sechs Jahrzehnte schuf er außergewöhnliche Radierungen, die einen privaten Einblick in sein Kunstschaffen geben."
Lucian Freud in his studio, December 2009 (© David Dawson)
Fotoportraits von Lucian Freud

Sunday, May 15, 2011

Ellsworth Kelly
www.matthewmarks.com

Nennenswertes Ausstellungsgeschehen in Münchener Galerien und Kunsthallen:

In der Galerie Pfefferle zu sehen Ist Bernd Zimmer
Info Galerie Pfefferle
In der Galerie Daniel Blau ist derzeit Lucian Freud
Info Galerie Blau

Demnächst in der Hypokunsthalle Klassiker der Porträtkunst: "Dürer-Chranach-Holbein Die Entdeckung des Menschen: Das deutsche Porträt um 1500" Wird vielleicht nicht an "Adolph Menzel radikal real" und "Frans Hals und Haarlems Meister der Goldenen Zeit" erst kürzlich im Programm der Hypo Kunsthalle herankommen. Wird sich zeigen.

Im Haus der Kunst bald Ellsworth Kelly "Black & White"
Wichtige Ausstellung in München vergangenes Jahr: Der Schwarzweiß-Realismus von Michael Schmidt: Michael Schmidt "Grau als Farbe" im Haus der Kunst. Michael Schmidt: Bücher, Werke, Ausstellungen

Im Kunstbau des Lenbachhaus Mondrian und De Stijl
Rückblick Lenbachhaus: Maria Lassnig und Dan Flavin

Sunday, May 08, 2011

Fotos: Tina Karolina Stauner, 2011

Architekturdetails Art Nouveau, Schwabing, München

Bekanntes Münchner Gebäude dieser Epoche ist die Villa Stuck.
www.villastuck.de

Saturday, May 07, 2011

Neil LaBute, Foto: New York Times

"Das Mass der Dinge"/"The Shape of Things" von Neil LaBute
Münchner Volkstheater, 06.05.11


Show vs. Statement

Anglistikstudent, gleichzeitig Museumsaufseher, und Kunststudentin, fotografisch an einem Projekt arbeitend, lernen sich in einem Museum kennen. Die Kunststudentin lehnt sich gegen Zensur auf und initiiert eine Metamorphose bei ihrem neuen Freund, dem Anglistikstudenten. In der Kommunikation sind als Beobachter zwei Freunde dabei.

"The Shape of Things"/"Das Mass der Dinge" wurde von Neil LaBute geschrieben. LaBute, 1963 in Detroit geboren, studierte Theater- und Filmwissenschaften in Provo, Utah und New York und lebt heute in Forth Wayne, Indiana. "The Shape of Things" wurde auch verfilmt. Wird von The Independent als abgründige Satiere bezeichnet. Des erfolgreichen Autors "...beunruhigende Darstellung menschlicher Beziehungen und Abgründe in seinem Werk, führte auch zu Missbilligung seitens der kirchlichen Oberhäupter...", so die Programminfo. LaBute: "Warum ich schreibe? Weil ich muss...Es bereitet mir Genuss...Ich halte nicht viel von Autorität. Ich höre nicht gerne 'Nein'. Ich bin ein eigensinniger, hart arbeitender Typ. Für den das, was er tut, Arbeit ist. Nicht Kunst, sondern Arbeit....".

Im Volkstheater München ist das Stück von Florian Helmbold inszeniert, Alu Walter ist für Bühne und Kostüme verantwortlich und das Sounddesign stammt von Heiko Schnurpel.

Herausfilterbar ist für den Rezipienten ein Ausloten von Gegensätzen: Beispielsweise "...Künstler werden um jeden Preis..." (LaBute) vs. "...es muss doch irgendwo eine Grenze geben..." (LaBute). "Fleisch vs. Wille". "Show vs. Statement". "Langeweile vs. Relevanz".

Die Bühne: Ein Raum in Flitter, lila-pink Kitsch. Der Kontext: Pop-Mainstream und nur ansatzweise Kunst. Das Stück könnte Realismus sein, aber nur Realismusfragmente finden sich irgendwo mitten in schillerndem, schrillen Popdesign. Zwischenmenschliche Beziehung ist oft wie eine Showeinlage. Ernster Diskurs scheint irgendwo mitten im Geplapper. Wirkt teilweise langweilig und oberflächlich. "Warum muss man in einem Stück einfach immer über alles reden?" (LaBute)

Erst durch einen Abschlussmonolog zeigt sich ein Spannungsbogen und wird philosophienahe Tiefe eingeblendet.

Bühne, Kostüme und Sounddesign schwächen Helmbolds Regie eher, der eigentlich selber auch Bühnenbildner und Musiker ist. Heiko Schnurpel ist oft fraglich 70er-discolike. Alu Walter zeigt in der Ausstattung wohl nicht seine beste Seite. Das spannungsreich Sprachorientierte von LaBute kann sich streckenweise nicht wirklich durchsetzen.

"Das Stück ist natürlich auch eine Abrechnung mit einem Kunstbegriff und einem Kunstmarkt, die Ehrlichkeit, Moralität, Menschliches belächeln." (Herbert Fuchs)

"I love theater because there’s a clear distinction between process and product. You know you’re going to show it to people, but the process is clearly defined."
(Neil LaBute by Jon Robin Baitz, Bomb 83/Spring 2003)

www.muenchner-volkstheater.de

veröffentlicht: http://www.textem.de

Tuesday, May 03, 2011


Jüdisches Museum München, 2011
Foto: Tina Karolina Stauner

Architekten sind Wandel Hoefer Lorch aus Saarbrücken. Sie schufen eine Bühne städtischen Lebens, so die website des jüdischen Museums.
www.juedisches-museum-muenchen.de

Typisch jüdische Musik ist Klezmer.
Informationen:
www.klezmershack.com
Typisch für Avantgarde und Klezmer ist beispielsweise Tzadik:
www.tzadik.com

Saturday, April 23, 2011


Architektur Marstallplatz München
Foto: Tina Karolina Stauner, 2011

"Landschaftsarchitektur - Freiräume leben":
www.strauma.com

Monday, April 04, 2011

jazz lines 2011, München, 27.03. - 03.04.11

jazz lines 2011 ist ein Münchner Festival mit zeitgenössischen, aktuellen Facetten schwerpunktmäßig der improvisierten und Neuen Musik. Betont aber auch mit Rückbezügen. Rückbezüge beispielsweise auf die 90er Jahre der Downtown Musikszene New York oder auf die 20er bis 50er Jahre der Fotografie in Amerika.

Festival Opener war eine Diskussionsrunde betitelt mit "Für eine Unabhängigkeit der Phantasie und des Denkens" mit Johan Simons, Beat Furrer, Carl Oesterheld, Nicolas Humbert, Christian Stückl, Andrian Kreye.
Und Fragen, die sich in Relation zur Diskussion auftun sind etwa: Wird ein Kulturschaffender zu einer Unabhängigkeit des Denkens gezwungen oder zum Gegenteil? Ist man zwischen verlorengehenden traditionellen Räumen und Risikobereitschaft zu absolut Neuem? Wird zu oft Raum als politisch gestaltbar aufgegeben, zu wenig eingefordert, ist Kunst und Kultur zu privat?
Aber fragt sich auch: Worte sind Worte sind Worte? Nur Worte?

www.jazzlines.de

veröffentlicht: www.skug.at

Sunday, April 03, 2011


Allerheiligenhofkirche und Neue Musik, München 2011
Foto: © Tina Karolina Stauner

Erster Kirchenbau in Bayern nach der Säkularisation von 1803. Von König Ludwig I. nach Plänen des Architekten Leo von Klenze zwischen 1826 und 1837 errichtet. Im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört und 2003 erhaltene Bausubstanz wieder zugänglich. Ergänzt durch moderne architektonische Gestaltungsmittel nun Konzert- und Veranstaltungsraum.