Sunday, June 19, 2011



Buchneuerscheinung für Theatermenschen und Theaterinteressierte mit Beiträgen von 13 Autoren: "Raum und Objekt im Werk von Samuel Beckett" (transcript/lettre, Hg: Franziska Sick)
Intellektuelle Zwischenräume und Raumästhetik
Samuel Beckett und Theaterstücke, Fernsehstücke und Literatur

Wie Beckett das linguistisches Paradigma durch räumliches Paradigma ersetzt oder Raumkonzept der Leere:

"...Raumgeprägt ist nicht zuletzt Becketts Schreiben. Es leitet sich aus früheren Bilderfahrungen her, die ihr besonderes Augenmerk auf die Zwischenräume lenkt. (Mark Nixon) Von solchen 'room spaces', von Unterbrechungen und Leerstellen, die er mit Zeichnungen ausfüllt, sind Becketts Manuskripte geprägt, sie finden sich aber auch in seiner Poetik, die Beckett als Kunst der Pause versteht..." aus "Raum und Objekt im Werk von Samuel Beckett" ( Franziska Sick)

"...In Beckett und Handke prallen zwei Räume und Zeiten aufeinander: der komprimierte symbolische Raum Krapps und der leere vorsymbolische Raum der Frau. Raummetaphorisch ausgedrückt, entlarvt die Frau in Handkes Text Krapps scheinbar leeren Raum als bedeutungsvoll und stellt zugleich das physische (nicht symbolische ) Hier und Jetzt, das ihrer Meinung nach von Krapp verdrängt wurde, ins Zentrum. Damit ist Handkes Text der Versuch, die grundlegende Dichotomie bei Beckett zwischen Bedeuten und Bedeutungslosigkeit ins Blickfeld zu bekommen, ganz im Sinne des "spatial turn"..." (aus "Das allerletzte Band: Handke zu Beckett in den Münchner Kammerspielen"/"Raum und Objekt im Werk von Samuel Beckett" von Susanne Hartwig)
zu "Das letzte Band/Bis dass der Tag euch scheidet oder eine Frage des Lichts" von Samuel Beckett/Peter Handke inszeniert von Jossi Wieler 2009 in den Münchner Kammerspielen

Beckett Gesellschaft Kolloquium 09
Featuring Beckett: Beckett Werkliste bei Rhys Tranter
Rückblick auf Beckett-Projekte:
Beckett "Nacht und Träume, 1983" im Medienkunstnetz
Beckett "He, Joe, 1966" im Medienkunstnetz

Saturday, June 11, 2011



Short Message in Sachen Callahan

Bill Callahan "Apocalypse" (Drag City)

"Seven messages" in Songwriting. Ohne die Schwächen, die das Vorgängeralbum "Sometimes I wish we were an Eagle" zeigte. Sondern wieder, wie Callahan meist, exzellent Essenzielles, absolut Substanzielles...: der Kern, die Identität, das Wesentliche.

Friday, June 10, 2011


5 Höfe, München
Entstanden zwischen 1998 und 2003. Architekten: Herzog & de Meuron und Hilmer & Sattler & Albrecht
Foto: Tina Karolina Stauner, 2011

Thursday, May 26, 2011

Bernd Zimmer "Die Übersetzung von Natur in Bildräume"

Water. Mirror - Neue Bilder
19/05/2011 - 30/07/2011
Galerie Pfefferle München
Galerie Pfefferle
Bernd Zimmer, "Reflexion", 2009, Acryl auf Leinwand, 160 x 130 cm

Vorgestellt wird von der Galerie auch ein Werkverzeichnis.
Bei Zimmers Malerei geht es um Fragen wie: "Wie ist es möglich , die Farbstimmung, das Licht, das Ursprüngliche einer Landschaft in einem präzise konstruierten Farbraum widerzuspiegeln?"

So fing das alles an. Damals. Neue Wilde. 80er Jahre.

Bernd Zimmer "Roter Stein (Aufstieg)", 1983, Dispersion und Öl auf Jute

Malerei. Dokumente:
"...Das Getöse der hereinlärmenden Subway und des vorüberdröhnenden Express Trains ist trommelfellzerreißend, die Fahrgäste werden aufgefordert, beim Nahen der Züge die Ohren zu schließen und, bitte, nach 18 Uhr nur die vorderen Wagen zu benutzen, die Gefahr von Raub und Vergewaltigung ist dann geringer. Ein Mann erklimmt das World Trade Center, ausgestattet nur mit Haken und Steigeisen, 110 Stockwerke hoch. Wann baut man endlich die U-Bahn vom Moritzplatz nach Manhatten? Erinnerungen, Herbst 1978. Rainer Fetting wird von jugendlichen Schwarzen im Hausflur überfallen...Die Bronx sieht teilweise aus wie Berlin 1945, abgebrannt, verwüstet, tot. Mark Rothkos Farben glühen, schimmern, sterben im Guggenheim Museum, Matisse prunkt im Museum of Modern Art, Salomé gibt eine Performance auf dem West Broadway, der Via Sacra das Avantgardekünstlers. Helmut Middendorf dreht eine tonnenschwere, gewichtlose Plastik auf dem Astor Place und redet abends Starkdeutsch. Natürlich war Bernd Zimmer auch schon dagewesen, vorher..."
Und: "...Da sind die Brücke-Künstler, sind die Fauves: verwandte Expressionisten, wilde Farbigkeit, auch - neben der Natur- das Großstadterleben..."
(Zitate aus dem Katalogvorwort "Heftige Malerei" Berlin, Haus am Waldsee 1980 von Ernst Busche, abgedruckt in der Zeitschrift Malerei-Painting-Peinture Nr. 5, Edition Pfefferle)

Wednesday, May 25, 2011

Gartendetail Nigel Rollings

"Die Gärten von New York"
Text von Veronika Hofer und Fotografie von Betsy Pinover Schiff
(Hirmer Verlag, München, 2010)

Die grüne Seite von New York
Man kennt von New York Unmengen an Architektur- und Streetfotografie.
Das hart urbane und hektisch dicht Bevölkerte der Metropole ist im Fotomaterial des Buchs "Die Gärten von New York" Hintergrundaspekt. In dem Bildband sind Beton, Stahl, Glas und Asphalt der Straßenschluchten dieser Stadt nur zu erahnen.
Im Fokus statt dessen Hinterhof- und Dachgärten, Parks. Die Idyllen New Yorks.
Gartenkunst von namhaften Gartengestaltern, -architekten und -künstlern aus der ganzen Welt. Rückzugsorte und Privilegien, die wie zeit- und ortlose Inseln einer möglichen harmonischen Realität in der Stadt zu sein scheinen.

Mir fallen die Gärten des Engländers Nigel Rollings auf. Englischer Flair mit einem Touch Fernost und Zen.
Er gestaltete beispielsweise einen Minihinterhof in Brooklyn. Rollins sagt, dass ihn dieser Garten ein Jahr seines Lebens gekostet hat. Viele Menschen geben sich diese Zeit nicht, sie wollen "Instant-Gärten", wie Rollins das nennt. Aber es bedarf der Ruhe und des beobachtenden Nachdenkens, um zu verstehen, was der Platz braucht, an dem etwas so sensibles wie ein Garten entstehen soll.
Und Long Island City/Queens ist der Ort an dem Rollings 150 Quadratmeter zu einem abgeschiedenen Weltstadtgarten verwandelte. Holzveranda und -stege, Klinkerziegel, Tonschalen, Bambus, Staudenbeete und Teich. Ein großes Fenster seiner Wohnung gibt den Blick in dieses Grün frei. Die Tür daneben ist vom Frühjahr bis in den Herbst hinein offen und verdreifacht seinen Lebensraum.

Der Bildband kann jedem, der ein Großstadtleben führt und dessen Blick verbaut ist von Wänden und Architektur oft auch der seelenlosen, tristen Art, das Sensible von Natur und Gärten ins Bewußtsein rücken und das Gefühl dafür freilegen.

Garten mitten in New York findet sich als Dorffleck genauso wie Museums-Kunstgarten, Fake Garden, Bauhausstil, klassisch Japanischer Garten, Dschungelanlage, Blumenmeer, Parkeleganz und diversen weiteren Facetten.
Hier souverän von der Landschaftsarchitekturfotografin Betsy Pinover Schiff präsentiert. Veronika Hofer gibt in ihren Texten dazu wichtige Hintergrundinformationen.

Ken Smith, Landscape Artist, der u.a. den artifiziellen MoMA Rooftop Fake Garden designte, geht mit Moderne und Postmoderne um. In einem "Garden for the View", einem Schattengarten, der ein Skulpturen-Garten ist mit Lage Central Park South in Manhattan, spielt er mit Materialien. Ein geometrisches Konzept: Verschiedene Materialien sind in klar gerahmten Feldern und Bändern angeordnet. Kleingeschredderte matt-dunkle Gummiteile in starkem Kontrast zu weißen Marmorkieseln und türkisfarbenen, glitzernden Glasmurmeln, die jeden Lichtstrahl reflektieren. Dazwischen vertikale Trennwände aus aluminiumfarbenen Holzgittern, Pflanzen und vereinzelt Skulpturen.

Betsy Pinover Schiff: www.betsysphotos.com
Nigel Rollings: www.nigelrollingslandscapedesign.com
Ken Smith: www.serenityinthegarden.blogspot.com

veröffentlicht: http://www.textem.de

Saturday, May 21, 2011

Lucian Freud, Radierung, 2005

Lucian Freud "Portraits"
18 Radierungen und ein gemaltes Portrait seiner Mutter

Erste Einzelausstellung von Werken Lucian Freuds in einer privaten deutschen Galerie 05.05. bis 03.06.11
Galerieinfo: www.danielblau.com

"Ob das Modell den Künstler anschaut, die Augen gesenkt hat oder zur Seite blickt, während der Maler in zahlreichen Sitzungen paradoxerweise gerade das Flüchtige und Vergängliche des Augenblicks, das Unvorhersehbare des Übergangs von einem Augenblick zum nächsten festhält, es ist immer eine gewisse Melancholie zu spüren."
"Whether the sitter is staring at the artist, looking down, or even looking away, there is rather an inevitable sense of melancholia, as he the artist, paradoxically over in as many as a hundred sittings, captures what in essence is a fleeting and ephemeral moment, immortalised on that unpredictable path to the next..." (escerpt from the essay by Norman Rosenthal)

"Lucian Freud (1922 in Berlin gebnoren, seit seinem 11. Lebensjahr in England lebend) zählt zu den führenden Porträtisten der Gegenwartskunst: Sein schonungsloser Blick auf den menschlichen Körper setzt neue Maßstäbe für das Porträt und die Aktmalerei." Ein Katalog zur Ausstellung beim Hirmer Verlag würdigt erstmals Lucian Freuds grafisches Œuvre. "Über sechs Jahrzehnte schuf er außergewöhnliche Radierungen, die einen privaten Einblick in sein Kunstschaffen geben."
Lucian Freud in his studio, December 2009 (© David Dawson)
Fotoportraits von Lucian Freud

Sunday, May 15, 2011

Ellsworth Kelly
www.matthewmarks.com

Nennenswertes Ausstellungsgeschehen in Münchener Galerien und Kunsthallen:

In der Galerie Pfefferle zu sehen Ist Bernd Zimmer
Info Galerie Pfefferle
In der Galerie Daniel Blau ist derzeit Lucian Freud
Info Galerie Blau

Demnächst in der Hypokunsthalle Klassiker der Porträtkunst: "Dürer-Chranach-Holbein Die Entdeckung des Menschen: Das deutsche Porträt um 1500" Wird vielleicht nicht an "Adolph Menzel radikal real" und "Frans Hals und Haarlems Meister der Goldenen Zeit" erst kürzlich im Programm der Hypo Kunsthalle herankommen. Wird sich zeigen.

Im Haus der Kunst bald Ellsworth Kelly "Black & White"
Wichtige Ausstellung in München vergangenes Jahr: Der Schwarzweiß-Realismus von Michael Schmidt: Michael Schmidt "Grau als Farbe" im Haus der Kunst. Michael Schmidt: Bücher, Werke, Ausstellungen

Im Kunstbau des Lenbachhaus Mondrian und De Stijl
Rückblick Lenbachhaus: Maria Lassnig und Dan Flavin

Sunday, May 08, 2011

Fotos: Tina Karolina Stauner, 2011

Architekturdetails Art Nouveau, Schwabing, München

Bekanntes Münchner Gebäude dieser Epoche ist die Villa Stuck.
www.villastuck.de

Saturday, May 07, 2011

Neil LaBute, Foto: New York Times

"Das Mass der Dinge"/"The Shape of Things" von Neil LaBute
Münchner Volkstheater, 06.05.11


Show vs. Statement

Anglistikstudent, gleichzeitig Museumsaufseher, und Kunststudentin, fotografisch an einem Projekt arbeitend, lernen sich in einem Museum kennen. Die Kunststudentin lehnt sich gegen Zensur auf und initiiert eine Metamorphose bei ihrem neuen Freund, dem Anglistikstudenten. In der Kommunikation sind als Beobachter zwei Freunde dabei.

"The Shape of Things"/"Das Mass der Dinge" wurde von Neil LaBute geschrieben. LaBute, 1963 in Detroit geboren, studierte Theater- und Filmwissenschaften in Provo, Utah und New York und lebt heute in Forth Wayne, Indiana. "The Shape of Things" wurde auch verfilmt. Wird von The Independent als abgründige Satiere bezeichnet. Des erfolgreichen Autors "...beunruhigende Darstellung menschlicher Beziehungen und Abgründe in seinem Werk, führte auch zu Missbilligung seitens der kirchlichen Oberhäupter...", so die Programminfo. LaBute: "Warum ich schreibe? Weil ich muss...Es bereitet mir Genuss...Ich halte nicht viel von Autorität. Ich höre nicht gerne 'Nein'. Ich bin ein eigensinniger, hart arbeitender Typ. Für den das, was er tut, Arbeit ist. Nicht Kunst, sondern Arbeit....".

Im Volkstheater München ist das Stück von Florian Helmbold inszeniert, Alu Walter ist für Bühne und Kostüme verantwortlich und das Sounddesign stammt von Heiko Schnurpel.

Herausfilterbar ist für den Rezipienten ein Ausloten von Gegensätzen: Beispielsweise "...Künstler werden um jeden Preis..." (LaBute) vs. "...es muss doch irgendwo eine Grenze geben..." (LaBute). "Fleisch vs. Wille". "Show vs. Statement". "Langeweile vs. Relevanz".

Die Bühne: Ein Raum in Flitter, lila-pink Kitsch. Der Kontext: Pop-Mainstream und nur ansatzweise Kunst. Das Stück könnte Realismus sein, aber nur Realismusfragmente finden sich irgendwo mitten in schillerndem, schrillen Popdesign. Zwischenmenschliche Beziehung ist oft wie eine Showeinlage. Ernster Diskurs scheint irgendwo mitten im Geplapper. Wirkt teilweise langweilig und oberflächlich. "Warum muss man in einem Stück einfach immer über alles reden?" (LaBute)

Erst durch einen Abschlussmonolog zeigt sich ein Spannungsbogen und wird philosophienahe Tiefe eingeblendet.

Bühne, Kostüme und Sounddesign schwächen Helmbolds Regie eher, der eigentlich selber auch Bühnenbildner und Musiker ist. Heiko Schnurpel ist oft fraglich 70er-discolike. Alu Walter zeigt in der Ausstattung wohl nicht seine beste Seite. Das spannungsreich Sprachorientierte von LaBute kann sich streckenweise nicht wirklich durchsetzen.

"Das Stück ist natürlich auch eine Abrechnung mit einem Kunstbegriff und einem Kunstmarkt, die Ehrlichkeit, Moralität, Menschliches belächeln." (Herbert Fuchs)

"I love theater because there’s a clear distinction between process and product. You know you’re going to show it to people, but the process is clearly defined."
(Neil LaBute by Jon Robin Baitz, Bomb 83/Spring 2003)

www.muenchner-volkstheater.de

veröffentlicht: http://www.textem.de

Tuesday, May 03, 2011


Jüdisches Museum München, 2011
Foto: Tina Karolina Stauner

Architekten sind Wandel Hoefer Lorch aus Saarbrücken. Sie schufen eine Bühne städtischen Lebens, so die website des jüdischen Museums.
www.juedisches-museum-muenchen.de

Typisch jüdische Musik ist Klezmer.
Informationen:
www.klezmershack.com
Typisch für Avantgarde und Klezmer ist beispielsweise Tzadik:
www.tzadik.com

Saturday, April 23, 2011


Architektur Marstallplatz München
Foto: Tina Karolina Stauner, 2011

"Landschaftsarchitektur - Freiräume leben":
www.strauma.com

Monday, April 04, 2011

jazz lines 2011, München, 27.03. - 03.04.11

jazz lines 2011 ist ein Münchner Festival mit zeitgenössischen, aktuellen Facetten schwerpunktmäßig der improvisierten und Neuen Musik. Betont aber auch mit Rückbezügen. Rückbezüge beispielsweise auf die 90er Jahre der Downtown Musikszene New York oder auf die 20er bis 50er Jahre der Fotografie in Amerika.

Festival Opener war eine Diskussionsrunde betitelt mit "Für eine Unabhängigkeit der Phantasie und des Denkens" mit Johan Simons, Beat Furrer, Carl Oesterheld, Nicolas Humbert, Christian Stückl, Andrian Kreye.
Und Fragen, die sich in Relation zur Diskussion auftun sind etwa: Wird ein Kulturschaffender zu einer Unabhängigkeit des Denkens gezwungen oder zum Gegenteil? Ist man zwischen verlorengehenden traditionellen Räumen und Risikobereitschaft zu absolut Neuem? Wird zu oft Raum als politisch gestaltbar aufgegeben, zu wenig eingefordert, ist Kunst und Kultur zu privat?
Aber fragt sich auch: Worte sind Worte sind Worte? Nur Worte?

www.jazzlines.de

veröffentlicht: www.skug.at

Sunday, April 03, 2011


Allerheiligenhofkirche und Neue Musik, München 2011
Foto: © Tina Karolina Stauner

Erster Kirchenbau in Bayern nach der Säkularisation von 1803. Von König Ludwig I. nach Plänen des Architekten Leo von Klenze zwischen 1826 und 1837 errichtet. Im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört und 2003 erhaltene Bausubstanz wieder zugänglich. Ergänzt durch moderne architektonische Gestaltungsmittel nun Konzert- und Veranstaltungsraum.

Thursday, March 31, 2011


jazz lines 2011, München, 27.03. - 03.04.11

Der Eröffnungskonzert am 27.03. im Volkstheater mit Bill Frisell und Francesco Bearzatti Tinissima Quartet betont die Relation zu den Fotografen Tina Modotti und Michael Disfarmer.

"Suite für Tina Modotti"

Tina Modotti wurde als Fotografin bekannt als sie in den 20er Jahren mit dem Fotografen Edward Weston in Mexiko lebte. Und war auch politisch und skandalumwittert. Das Francesco Bearzatti Tinissima Quartet präsentiert eine "Suite for Tina Modotti", die das Leben der Künstlerin thematisiert im Spiel mit diversen Ebenen und Jahrzehnten der musikalischen Ausdrucksarten und Genres von Swing bis Flamenco, Free Jazz bis Trauermarsch.
Sitzt Danilo Gallo mit der Gitarre auf der Bühne, eigentlich beeindruckend eine elektroakustische Vintage Fox, kann ich aber kaum Bezüge zu Tina Modotti finden, wie ich sie für mich entdeckt habe als Künstlerin. Steht Gallo statt dessen mit Kontrabass in der Band ist die Musik für mich stärker in direkter Verbindung zu Modotti und ihrem Werk. Über das bloße Virtuose immer wieder hinausgehend die Musiker: bestechende Trompetenmelodien von Giovanni Falzone und Saxofon- und Klarinettenmelodien von Francesco Bearzatti. Sichere Rythmusarbeit von Zeno de Rossi am Schlagzeug.
Nicht ganz nachvollziehbar warum zwei weiße, asymetrisch-schwarzlinigunterteilte, rechteckige Leinwände an den Bühenseiten die Visuals zur Suite darstellen.

"Disfarmer Project"
Bill Frisell Quartet: Disfarmer – Musical portraits from Heber Springs

Michael Disfarmer (1884 -1959) gründete in den 30er Jahren ein Fotostudio. Er fotografierte Personen, Ganzkörperaufnahmen, Porträts. Setzte dabei explizit direktes Nordlicht ein und schuf eine ganz spezeille Lichtatmosphäre. Die Ausleuchtung der Fotosituation bis ins Detail konnte mehr als eine Stunde in Anspruch nehmen. Disfarmer wird heutzutage zu den Klassikern in der Geschichte der amerikanischen Fotografie gezählt.
Bill Frisell hat 2009 ein musikalisches Disfarmer Project auf CD bei Nonesuch veröffentlicht und bringt das Ganze mit Bildprojektion nun auf die Bühne.
Nahezu hundertprozentig stimmig wirkt das Zusammenspiel von Steel-Gitarrist Greg Leisz, Bassist Viktor Krauss, Violinistin Jenny Scheinmann und Gitarrist Bill Frisell. Umgesetzt wird der Charakter des sich nicht sehr sozialfähig gebenden Disfarmers, sein ländliches Kleinstadt-Heber Springs in Arkansas und seine einfachen, klaren Schwarz-Weiß-Fotografien von Menschen in eine musikalische Welt aus Country-Folk-Jazz-Klängen. Ursprünglich eingespielt in Nashville. Frisell sagt dazu: "... als ich die Musik schrieb, stellte ich mir vor, Disfarmers Perspektive einzunehmen und seinem Blick durch die Linse einen Klang zu geben..."
Auf der Bühne dazu Bildprojektion von Disfarmers Fotoarbeiten: auf zwei collageartig- unterteilten Leinwänden links und recht neben der Band Schwarz-Weiß-Porträts in Verbindung mit verhaltenen-monochromfarbigen Flächen von Set Designer Alexander Nichols.
Als Pendant die Musik, die man als rein und schön bezeichnen kann. Aber auch als zu spröde um kitschig zu sein. Das hat dann auch nichts Nostalgisches, sondern spiegelt einen Realismus wieder, der zeitlos wirken kann und von emotionaler Wahrheit ist. Und somit zeitgemäß etwas mitzuteilen hat. Wenn man genau in die Gesichter der Bilder sieht und wenn man genau in die Klänge der Musik hineinhört. Bill Frisell und die Mitmusiker nutzen die Möglichkeit sich in Bestform zu präsentieren in einem wie perfekt scheinenden Set.

veröffentlicht: www.skug.at

www.jazzlines.de
www.billfrisell.com
www.francescobearzatti.com
www.disfarmer.com
www.modotti.com

Tuesday, March 29, 2011

Wand beim Volkstheater München


Grafitis, Subkultur, Isarauen München

Foto: © Tina Karolina Stauner, 2011

culture clash...Hochkultur, Elite und Subkultur, Alltagskultur, Massenkultur, Volkskultur, Populärkultur...

www.muenchner-volkstheater.de
www.streetartist.de

Saturday, January 01, 2011

Höchste Genauigkeit Erforderndes zwischen traditioneller Musik und Neuer Musik. Fein-Solistisches und Bewegungsmuster, Energieflüsse, Schichten, Zeitebenen im Ensemble.

Miroslav Srnka

Bemerkenswertes Konzert im Jahr 2010: Klangspuren Plus der Münchener Biennale mit dem Komponisten Miroslav Srnka am 20.10.10 in der Black Box Gasteig.
Spuren von etwas bedeutet auch: "kaum wahrnehmbar, suchen um wahrzunehmen." (Srnka)
Fragt sich aber, wieviele überhaupt derartig Verfeinertes, Differenziertes zu hören versuchen, sei gleich einmal vorangestellt.

Ergänzend zur Uraufführung von Srnkas Stück “Hejna” für Klarinette, Akkordeon, Harfe, Schlagzeug und Klavier wählte Srnka ein Programm aus mit Solostücken und Musik zwischen zaghaften Einzeltönen, dissonanten Mehrklängen, zwischen Tradition und Neuer Musik. Geprägt von überzeugender Einfachheit, Vorsicht, Klarheit zwischen Verstummen und Attackieren. Und auch theoretisierend einordenbar in Volkstümlichkeit zweiten Grades, getäuschte Schlichtheit. Beginnend mit seiner eigenen Komposition “Ranni Hajahu” für Schlagzeug. Desweiteren Antonin Dvorák und “Romantische Stücke” (1887) transkribiert für Klarinette und Klavier, L’ubica Cekovska mit “Fragment and Elegies” (1997) für Akkordeon, Leos Janácek mit “Im Nebel” (1912) für Klavier, Gérard Grisey mit “Charme” (1969) für Klarinette.

“Hejna” folgte als Abschlussstück und aber mit weniger starker Wirkungskraft als die äußerst konzentriert-intensiven Solostücke. "Hejna" war eher schwer zugänglich. Srnka erklärte, es ginge darum visuelle Vorstellungen in Klang umzusetzen. Es ginge um einen klangillustrtorischen Kosmos und eine Recherche über Bewegung von Vogelschwärmen. Das Stück wirkte wie ein Versuch das Thema zu erfassen und auch das Zuhören wie ein Versuch das Thema zu erfassen. Beides also wie eine Annäherung. „Tatsächlich funktionieren die Energieflüsse in beweglichen Kollektiven, wie sie in Vogel- oder Fischschwärmen und Tierherden auftreten, nach physikalischen Prinzipien, die dem Fließen von Bewegungsmustern in der Musik ähnlich sein können. Voraussetzung für die Überlagerung von Bewegungsmustern ist die mögliche Polyphonie der Instrumente. Um ein Kontinuum, das sich ständig verwandelt und in sich beweglich ist, geht es in Hejna, um das innere Pulsieren des Klanges. Und dies nicht nur in der Lautstärke, sondern auch der Dichte oder der Bewegungsrichtung…Abläufe in mehreren Schichten und Zeitebenen von der schnellen bis zur langsamen Bewegung übereinandergelegt.“ (Marie Luise Maintz, [t]akte 2/2010 )

“Ich hab immer Musik geliebt…” sagte der 1975 geborene Miroslav Srnka. Er lebt in Prag und wie er erwähnte abseits der Szene. Auf die Frage warum er komponiert antwortete er: “Das ist mein Leben.” Sein Abschlusssatz lautete: “Meine Arbeit ist Klang zu schreiben. Und das war’s.”

www.muenchenerbiennale.de

veröffentlicht: http://www.textem.de

Thursday, December 23, 2010


Cosa Brava "Ragged Atlas" (Intakt Records)

Eine erwähnenswerte CD des Jahres 2010 stammt von Cosa Brava, der seit 2008 existierenden Band des gebürtigen Engländers, aber längerzeitigen New Yorkers Fred Frith, und heißt “Ragged Atlas”. Ist das wie “…one step forward one step back…” seit den 80ern, seit beispielsweise seiner Formation Skeleton Crew? Und wenn, dann immer noch besser als Diverses und Vieles, das angesiedelt ist in den Grenzbereichen von Jazz, Avantgarde, Rock, Folk? „Ragged Atlas“ sind umformulierte Déjà Vu-Momente. Ist der längst bekannte Sound von Fred Frith, der wiederum einstmals den Downtown-Sound von New York insbesondere mit geprägt hat, angereichert mit Arrangements, die dem Ganzen einen neuen Touch geben.
Der 61-jährige Frith ist mittlerweile Professor am Mills College in Kalifornien und veröffentlicht über die Jahre kontinuierlich auf verlässlich anspruchsvollem Niveau. Statt netterweise freundlich wohlwollend beispielsweise jüngere europäische Epigonen des Downtown-Kerns zur Kenntnis zu nehmen oder sogar zu erwähnen, kann man wohl besser gleich weiter kritisch und skeptisch hörend bei Fred Frith und den Mitstreitern, die er immer wieder um sich versammelt, bleiben. Das hat sich bisher jedenfalls nicht als dekonstruktiver Eurotrash oder billiger Klunker entpuppt. Fred Frith wurde anlässlich seines Konzerts vergangenes Jahr in der Concert Hall des Mills College gefragt, ob sich seine Musik über die Jahre verändert hat. Er sagte: „The answer's always going to be yes and no, isn't it? I'm still engaged in most of the things I was engaged in 40 years ago—writing songs, composing, improvising, performing, recording. I keep going at it. I think in a way I feel more like a sculptor or a painter. I'm wrestling with the material, hearing it from different angles, worrying away at it, trying to get it to reveal itself.“ Tatsächlich lässt sich resümieren, dass Frith immer der Qualität von Kunst näher ist als substanzlosem Pop, Rock und Jazz. Ich denke es geht auch um Seriosität und um anspruchsvolle Hörer. Es geht nicht um die Zielgruppe pubertierender oder studierender Mainstream und um Geschwätz sondern um Diskurs, eventuell sogar den der erwachsenen Avantgarde. Und es geht um die Frage überhaupt, warum vom zeitweiligen Versiegen der künstlerischen Avantgardebewegungen gesprochen wird. Cosa Brava sind neben Fred Frith: guitar, bass, voice, Carla Kihlstedt: violin, nyckelharpa, bass harmonica, voice, Zeena Parkins: accordion, keyboards, foley objects, voice, Matthias Bossi: drums, percussion, sruti box, voice, The Norman Conquest: sound Manipulation, die auch in anderen nennenswerten Formationen aktiv sind.
Das Zitat “…one step forward one step back…” ist aus dem Song "Falling Up" (for Amanda). (Womit die Tänzerin und Choregraphin Amanda Miller gemeint ist: www.prettyugly.de )

www.fredfrith.com

veröffentlicht: http://www.textem.de

Sunday, November 07, 2010

«Die zeitgenössische Musik ist nicht bloß ein ästhetisches Phänomen. Mit ihren Netzwerken, Treffpunkten und internen Gruppenbildungen markiert sie zugleich auch einen sozialen Raum, in dem sich bewegt und handelt, wer neue Musik komponiert, aufführt oder rezipiert. Was aber macht diesen Raum aus? Welche Handlungsmuster und -optionen charakterisieren ihn? Gibt es typische Merkmale und Verhaltensweisen im Feld der zeitgenössischen Musik – und was sind deren ökonomische und soziale Rahmenbedingungen?» (Böggemann, Markus, «Soziotop neue Musik:, oder: Was machen wir hier eigentlich?» , Neue Zeitschrift für Musik)

Monday, November 01, 2010

CD-Cover 2007

Horse Feathers mit Songs fast wie zu schön für diese Welt. Musik gegen verbalen, akustischen und visuellen Dreck - "...darkest spring..."

Würden Radiosender Ghost Reapeater einsetzen, wie Radiostationen ohne Moderation und Moderatoren in Amerika genannt werden, hätte man nur Musik und Lyrics und die puren Songs so wie die Musiker sie meinen für Menschen, die eigenständig fähig sind Songtexte und Musik zu rezipieren. Vielleicht durchaus auch nicht gegen den Sinn der Horse Feathers. Die vor vier Jahren ihre Debut-CD “Words Are Dead” nannten. Und damit gleich eine Art Meisterwerk ablieferten. Mit einem CD-Titel, den man überdenken kann. Sind Worte tot? Musik lebendiger als Worte? Und, wenn überhaupt, was ist lebendiger: Lyrik, Prosa oder Journalismus? Jedenfalls sind die Songs der Horse Feathers wie besondere Perlen. Sensibelstes für Feingeister. Im Konzert ein kleiner Kreis Insider. Als wären die Horse Feathers noch sicher vor jedem oberflächlichen, dämlichen, dreckigen Gelabere, Gequäke, Gequassel vor das sie in der Musikszene geworfen werden könnten.
Sie bieten edle, betont string-akzentuierte Folk-Songs, die aber noch etwas mehr als früher zum Pop tendieren. Thematisiert wird fragile Hoffnung nach zerbrochener Freundschaft, Sehnsucht, Schmerz. Bezeichenbar mit Leben nach einem harten Winter. Die aktuelle dritte CD (nach "House With No Home") heißt “Thistled Spring” (Kill Rock Stars/Cargo, 2010).
Nicht mehr dabei ist Peter Broderick. Die derzeitige Besetzung ist Justin Ringle, Nathan Crockett, Catherine Odell, Sam Cooper. Und mit “Thistled Spring” gelingt es ihnen nicht zu enttäuschen. Gleichzeitig aber auch nicht viel mehr. Und im Konzert im September 2010 im Ampère in München wirkten die Strings der Band eine ganze Spur allgemeingültiger als auf CD.
Die einfache aber brilliante Schönheit von “Dust Bowl “ und “Hardwood Pews“ aus dem Jahr 2006 ist klarerweise nicht so leicht überbietbar. Auf „Thistled Spring“ erreicht die Band etwa mit „Vernonia Blues“ Hochkarätiges.

www.horsefeatherstheband.com

veröffentlicht: http://www.textem.de

Sunday, October 31, 2010



- Blackbox Gasteig
- Wasserobjekt
Fotos: © Tina Karolina Stauner